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Talk im Hangar-7 Drogen für das Volk: Sollen wir die Freigabe wagen?
Sendung vom 03. Juni 2016 | 00:50 | |

Talk im Hangar-7

Drogen für das Volk: Sollen wir die Freigabe wagen?

Gesellschaft, Gesprächsrunde | Österreich 2016
  • In den vergangenen Monaten stieg der Handel mit Marihuana und auch harten Drogen merklich an; die Methoden der Dealer wurden aggressiver, die Gruppen immer größer und besser organisiert. Zugleich wurden die bürokratischen Abläufe im staatlichen Verfolgungsapparat verändert: Seit Jänner war die Gesundheitsbehörde in erster Linie für die Disziplinierung bei Drogendelikten zuständig. 
  • Auch die Bestimmungen der Gewerbsmäßigkeit wurden gelockert – das Dealen auf offener Straße wurde somit ungemein erleichtert, erst wenn Dealer drei Mal ertappt werden und mit dem Handel nachweislich 400 Euro im Monat verdienen, dürfen sie in U-Haft genommen werden.
  • Die Gesetze sind zu lax, der Drogenhandel wird zu wenig eingedämmt, sagen die einen. Das Justizministerium folgt dieser Argumentation und erlässt eine neuerlichen Gesetzesverschärfung. Gleichzeitig fordern aber z.B. die UN eine Entkriminalisierung und Regulierung des Handels und Konsums von bestimmten Drogen. So solle der Kriminalität die Grundlage entzogen werden.

Was aber ist für Österreich ein gangbarer Weg? Brauchen wir allgemein schärfere Gesetze und härtere Strafen? Oder würde eine Legalisierung bestimmter Substanzen dem österreichischen Staat sogar Millionen einbringen? Entwickelt sich Österreich zum Suchtland?

        

Gäste
Michael Musalek, ärztlicher Leiter des Anton Proksch Instituts, Suchtforscher
Helmut Wlasak, Drogenrichter
Toni Straka, Vorstand des Hanfinstituts
Katharina Beclin, Juristin und Kriminologin
Rainer Maifert, Schauspieler, war 10 Jahre lang kokainsüchtig

  • In den vergangenen Monaten stieg der Handel mit Marihuana und auch harten Drogen merklich an; die Methoden der Dealer wurden aggressiver, die Gruppen immer größer und besser organisiert. Zugleich wurden die bürokratischen Abläufe im staatlichen Verfolgungsapparat verändert: Seit Jänner war die Gesundheitsbehörde in erster Linie für die Disziplinierung bei Drogendelikten zuständig. 
  • Auch die Bestimmungen der Gewerbsmäßigkeit wurden gelockert – das Dealen auf offener Straße wurde somit ungemein erleichtert, erst wenn Dealer drei Mal ertappt werden und mit dem Handel nachweislich 400 Euro im Monat verdienen, dürfen sie in U-Haft genommen werden.
  • Die Gesetze sind zu lax, der Drogenhandel wird zu wenig eingedämmt, sagen die einen. Das Justizministerium folgt dieser Argumentation und erlässt eine neuerlichen Gesetzesverschärfung. Gleichzeitig fordern aber z.B. die UN eine Entkriminalisierung und Regulierung des Handels und Konsums von bestimmten Drogen. So solle der Kriminalität die Grundlage entzogen werden.

Was aber ist für Österreich ein gangbarer Weg? Brauchen wir allgemein schärfere Gesetze und härtere Strafen? Oder würde eine Legalisierung bestimmter Substanzen dem österreichischen Staat sogar Millionen einbringen? Entwickelt sich Österreich zum Suchtland?

        

Gäste
Michael Musalek, ärztlicher Leiter des Anton Proksch Instituts, Suchtforscher
Helmut Wlasak, Drogenrichter
Toni Straka, Vorstand des Hanfinstituts
Katharina Beclin, Juristin und Kriminologin
Rainer Maifert, Schauspieler, war 10 Jahre lang kokainsüchtig


Aktuelle Gäste



                                 

Heroin, Kokain, Crystal Meth – der Drogenhandel in Österreich blüht. Suchtexperten machen dafür auch eine jüngst umgesetzte Novelle des Suchtmittelgesetzes verantwortlich, das der Polizei die Handhabe gegenüber den Dealern erschwert. Braucht es stattdessen eher schärfere Gesetze? Oder ist der Krieg gegen die Drogen ohnehin verloren, wie der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan meint, der in einer Entkriminalisierung auch harter Drogen den einzigen Ausweg sieht. 
Darüber diskutieren im Talk im Hangar-7 am 2. Juni u.a. der Suchtforscher Michael Musalek und Jugendrichter Helmut Wlasak.              

                                                        

Einer der weiteren Gäste: Rainer Meifert. 

      

Zehn Jahre lang war Meifert selbst schwerst kokainabhängig. Nach einem kalten Entzug ist er seit drei Jahren clean, für seine mutige TV-Dokumentation „Ausgekokst“ sprach er mit Süchtigen, traf sich mit skrupellosen Dealern und tauchte ein in die blutigen Abgründe der Drogen-Mafia in Kolumbien. 

      
Sein Fazit? „Es braucht härtere Gesetze – mein wichtigster Rat aber an alle: bloß nie mit Drogen anfangen!                                                         

 

TiH7: Wie sehr haben die Drogen ihr Leben bestimmt?

Richtig abgestürzt bin ich nach einem Auto-Unfall, den ich nur knapp überlebt habe. Ich hatte angerissene Wirbel, geplatzte Bandscheiben und musste trotzdem schnell wieder vor die Kamera. Dafür betäubte ich die Schmerzen mit Drogen und glitt komplett in die Sucht. Nach zehn Jahren schwerster Abhängigkeit habe ich mich mit allem weggeschossen, was der Markt so hergibt: Koks, Ecstasy, Alkohol. Einen klaren Kopf hatte ich keinen mehr und irgendwann konnte ich auch nicht mehr als Schauspieler arbeiten. Mein Leben waren die Drogen.

TiH7: Sie haben dann ohne Therapie einen kalten Entzug vollzogen – und sind heute clean?   

Ich hatte beim Entzug schlimmste Albträume und ging wochenlang durch die Hölle. Seit drei Jahren bin ich wieder klar im Kopf. Heute empfinde ich Scham und Ekel vor meiner Zeit als Junkie. Ich hatte unter Drogen ständig Wahnvorstellungen, war unerträglich für meine Mitmenschen. Wenn ich heute alte Weggefährten treffe, wird mir ganz anders. Für meine TV-Reportage habe ich einen alten WG-Freund in Berlin besucht, der seit einer Überdosis Crystal Meth halbseitig gelähmt ist. Früher war er der größte Partyheld, heute ist er ein Pflegefall.  Einige andere Freunde sind gestorben. Ich aber habe die Drogen überlebt und kann jetzt nur warnen: bei Koks und andere Drogen geht es nicht um Spaß, da geht es irgendwann um Leben und Tod.

TiH7: Sie fordern bessere Prävention – und härtere Strafen für Dealer? Der ehemalige UNO-Generalsekretär hat den „Krieg gegen die Drogen“ als verloren bezeichnet und fordert umgekehrt eine weitgehende Freigabe auch harter Drogen.

Wie soll das funktionieren? Geht dann der Junkie zu seinem Arzt, sagt, er möchte bisschen Spaß mit Koks und darf sich dann auf Rezept in der Apotheke sein Koks abholen? Drogen haben nichts mit Spaß zu tun, in einigen Bereichen bräuchte es eher wirksamere Sanktionen. Es kann nicht sein, dass Drogendealer unbehelligt vor Schulen ihre Geschäfte machen. Gegenüber einer Freigabe bin ich sehr skeptisch.

TiH7: Die Experten sagen: „Ein Süchtiger bleibt immer süchtig“ – wie groß ist ihre Angst vor einem Rückfall?   

Ich lebe heute am grünen Stadtrand von Berlin, meide so gut es geht die Drogenviertel mit dem offenen Straßenverkauf. Mein Umfeld ist heute auch ein anderes, wobei Drogen gerade im meiner Branche eben fast schon dazu gehören. Doch ich halte Abstand, zumal ich seit einem MRT-Test bei einem Suchtforscher weiß: Das Belohnungszentrum in meinem Hirn spricht noch heute auf Bilder von Kokain mit dem Glückshormon Dopamin an. Ich weiß allerdings auch: Ich möchte nie wieder zurück in mein altes Drogenleben, das war die Hölle.  

                                  
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"23312: Alles im Leben hat zwei Seiten" 

              

              
                  
"23312: Alles im Leben hat zwei Seiten" - Das ist der Titel des Buches von Rafael Haslauer. Zweieinhalb Jahre saß er wegen Drogenschmuggels und Drogenhandels im Gefängnis und nahm auch selbst legale und illegale Drogen. Heute ist er clean und kann erst jetzt, 6 Jahre später, über seine Erfahrungen berichten. Sein Buch, das über den Windsor Verlag publiziert wird, ist seit 11. September 2016 im Handel.

Erste Einblicke gibt Rafael Haslauer beim Talk im Hangar-7Hier gibts mehr dazu. 

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