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Die Geschäfte der Gutachter
Servus Reportage

Die Geschäfte der Gutachter

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Die Situation

Sie sind überall: Gutachter. Sie urteilen darüber, wie schwer ein Unfallschaden in der Halswirbelsäule oder am Auto wiegt, und ob der Wasserschaden in der Mauer ein Fall für die Versicherung ist. Sie geben Empfehlungen ab, ob ein verurteilter Mörder künftig in Freiheit oder sicherungsverwahrt leben soll, oder ob der Mutter oder dem Vater die Obsorge zugesprochen wird.

Als Gutachter müssen sie es besser wissen - denn sie sind per Definition sachkundig, was bedeutet, dass sie in ihrem Berufsfeld über eine große Sachkenntnis verfügen müssen. Und: Sie sollen unabhängig und neutral sein. Kein Wunder also, dass Richter ihnen die Expertise zu den wichtigsten Themen anvertrauen - in rund 90 Prozent der Fälle, so Schätzungen, sollen beispielsweise Familienrichter dem Vorschlag des Gutachters folgen.

Doch gerade im Zusammenhang mit dem Einsatz von Sachverständigen vor Gericht werden die Forderungen nach neuen Regelungen immer lauter, sowohl in Deutschland als auch in Österreich. Denn die Qualität und Unabhängigkeit von Gutachtern ist umstritten.

VIDEO: Sind Gutachter unabhängig und neutral? >>

Grundsätzlich kann jeder Gutachter werden: Der Begriff ist nicht geschützt. Es genügen in der Regel eine abgeschlossene Berufsausbildung und Erfahrung - und Klienten, die ein Gutachten in Auftrag geben wollen.

Die meisten Gutachter arbeiten in erster Linie außergerichtlich, ihre Aufträge bekommen sie in der Regel aus der Wirtschaft, zum Beispiel von den Versicherungen, aus der Industrie, von Behörden. Gutachter-Aufträge von Privatleuten sind eher selten der Fall. Meistens beginnt man erst dann über ein Gutachten nachzudenken, wenn man mit einem Erst-Gutachten konfrontiert wird, das zum eigenen Nachteil ist.

Wenn Betroffene es vor Gericht mit einem Gutachter zu tun bekommen, sollte ihnen klar sein, dass es nervenaufreibend und extrem kostspielig wird, dessen Gutachten anzufechten. Zwar sollten Sachverständige ihre Expertise jederzeit unabhängig und neutral erstellen. Doch es kommt immer wieder vor, dass sogar Gutachter, die vom Gericht beauftragt werden, mit der Wirtschaft verstrickt sind - oder gar mit der Justiz selbst.

Die Lage in Österreich

Die Lage in Deutschland

Grundsätzlich gibt es in Österreich freie und im Verband organisierte Gutachter und Sachverständige. Beide Begriffe - "Gutachter" und "Sachverständiger" - sagen übrigens dasselbe aus, in den Gesetzes-Texten und vor Gericht wird aber in der Regel immer von "Sachverständigen" gesprochen.

In Österreich sind die meisten Gutachter in der Liste der allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen geführt. Um aufgenommen zu werden, müssen sie ihr Wissen nachweisen, und als Arzt beispielsweise nach dem abgeschlossenen Hochschulstudium fünf Jahre eigenverantwortlich gearbeitet haben.

In Österreich gibt es außerdem ein eigenes bundesweites "Sachverständigengesetz", in dem vor allem die Rolle der Gutachter genauer definiert wird.

In Deutschland ist der Gutachter-Markt wesentlich unübersichtlicher: Zwar genießen auch dort diejenigen Gutachter das höchste Ansehen, die Mitglied im Verband der öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen sind. Daneben gibt es in Deutschland aber auch viele weitere Verbände, in denen Gutachter organisiert sind.

Hinzu kommt, dass Psychologen und Ärzte in Deutschland nicht im Verband der öffentlich bestellten Sachverständigen organisiert sind - hier reicht bei einem Arzt die Approbation und bei einem Psychologen schon ein abgeschlossenes Studium aus, um gutachten zu können.

Keine Vorschriften zur Kontrolle von Gutachtern

Richter bedienen sich in Österreich fast ausschließlich aus der Liste der allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen, in Deutschland meist aus dem Verband der öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen. Theoretisch kann ein Richter aber auch einen freien Sachverständigen berufen und so zum Gerichtssachverständigen machen.

Auch wenn in beiden Ländern die Situation unterschiedlich ist, so sind die grundsätzlichen Problematiken ähnlich gelagert: Es fehlen vor allem Vorschriften, die die gutachterliche Tätigkeit als Ganzes kontrollieren und die Unabhängigkeit der Sachverständigen überprüfen. Daher kommt es immer wieder zu Abhängigkeiten, beispielsweise zur Justiz: Beauftragt ein Richter immer wieder denselben Gutachter, und bezieht der Sachverständige selbst den größten Teil seines Einkommens aus diesen Gerichtsgutachten, liegt an sich schon ein Abhängigkeitsverhältnis vor.

Für Betroffene bedeutet das: Mögliche Falschgutachten, die meist gravierende Auswirkungen auf ihr weiteres Leben haben, können durch diese Abhängigkeit noch schwerer angefochten werden - die folgenden vier Fälle belegen das eindringlich...


Verstrickungen

Wie unabhängig sind Gutachter? Kommt es wirklich häufig zu sogenannten "Gefälligkeitsgutachten" - und findet das nur im Zusammenhang mit beispielsweise der Versicherungswirtschaft statt?

Im Frühjahr 2014 veröffentlichte die Münchener Ludwig-Maximilians-Universität eine Studie, in der Ärzte und Psychologen in Bayern gefragt wurden, ob ihnen schon mal von einem Richter eine Tendenz signalisiert worden sei - ein Viertel der Befragten antwortete mit "Ja".

Als "Gehilfen" von Richtern geben Gutachter wichtige Empfehlungen ab. Viele Experten, egal ob Arzt, Handwerker oder Ingenieur, haben aus der Gutachterei ein Geschäftsmodell gemacht. Das heißt: Ihr hauptsächliches Einkommen beziehen sie über Gutachten.

Auf dem unübersichtlichen deutschen Gutachter-Markt sind dabei sogar regelrechte Gutachter-Institute entstanden, die beispielsweise für jeden vermittelten Gutachtensauftrag eine Provision kassieren. Die Aufträge allerdings kommen in den seltensten Fällen von Einzelpersonen, sondern vor allem und im großen Stil von der Versicherungswirtschaft.

Die Geschäfte der Gutachter - Verstrickungen

Fragwürdige Richter-Entscheidung

Gutachter-Skandal in Salzburg

Beratungsärzte als Gutachter?

"Gesponsertes" Gutachten

Ablehnungen? Fehlanzeige


Konsequenzen

In Deutschland

Es gibt in Deutschland bereits Bestrebungen für eine Ergänzung des Paragraphen 404 der deutschen Zivilprozessordnung, um mehr Transparenz in das Gutachterwesen zu bringen. In einer Petition heißt es, der Gutachter solle zu Beginn alle Kontakte mit den klagenden Parteien offenlegen. Insbesondere habe er (Zitat):

"... die Gründe anzugeben, aufgrund derer wegen seiner früheren Berufs-, Sachverständigen- oder Beratungstätigkeit Zweifel an seiner Unabhängigkeit bestehen können."

Nach Prüfung dieser Petition durch den Deutschen Bundestag wurde diese 2013 an das Bundeministerium der Justiz zur Prüfung überwiesen - bisher (Stand: September 2014) jedoch ohne konkretes Ergebnis.

 

(Dokument: Begründung des Petitionsausschusses zur Überweisung der Petition)

Beatrix Hüller, Fachanwältin für Versicherungsrecht aus Bonn, geht eine Erweiterung des Paragraphen 404 noch nicht weit genug. Sie plädiert stattdessen für ein geordnetes Berufsbild "Gutachter".

VIDEO: Beatrix Hüller fordert Kontrollmöglichkeiten für Gutachter >>

In Österreich

In Österreich können Gutachter, die sich etwas zu Schulden kommen lassen, von der Gerichtssachverständigenliste gestrichen werden. Dr. Gabriele Wörgötter sieht allerdings noch weiteren Kontrollbedarf.

Sie fürchtet vor allem "Fließbandgutachter", die ihr Geld ausschließlich mit Gutachten verdienen. So entstehen Abhängigkeiten - davon ist sie überzeugt.

VIDEO: Gabriele Wörgötter fordert Unabhängigkeit von Gutachtern >>


Tipps für Betroffene

Mit Gutachtern bekommen es Menschen im Regelfall nur selten - nämlich im Schadensfall - zu tun. Grundsätzlich sollte man sich auf einen bevorstehenden Termin beim Gutachter gut vorbereiten und wissen, dass zur Begutachtung mehr gehört, als nur das Gespräch mit dem Sachverständigen. Tatsächlich ist die Untersuchung durch einen Gutachter nicht unbedingt mit einem "normalen" Arztbesuch zu vergleichen. Beatrix Hüller erzählt, wie sie ihre Klienten darauf einstellt.

VIDEO: Fachanwältin Beatrix Hüller verrät, was Betroffene beim Gutachter erwartet >>

Neben entsprechenden Foren sind grundsätzlich spezialisierte Anwälte die richtigen Ansprechpartner für die bevorstehende Untersuchung des Gutachters. Wenn Streitigkeiten mit einer Versicherung zu befürchten sind, sollten Sie sich in Österreich am besten von Anfang an einen Experten für Versicherungsrecht wenden, der über die zuständige Rechtsanwaltskammer zu finden ist. In Deutschland gibt es ebenfalls spezialisierte Anwälte, zudem auch noch Fachanwälte für Versicherungsrecht - zu erfragen sind sie ebenfalls über die Kammern oder im Internet.

Weiterführende Links

  • www.unfallopfer.de (umfassendes Forum bei Problemen mit Gutachtern im deutschsprachigen Raum)
  • www.konflikthilfe.at (Homepage der Linzer Prozessbegleiterin und Mediatorin Margreth Tews, Schwerpunkte Familien-, Sozial- und Arbeitsrecht)
  • www.neuro-psychiatrie.at (Dr. Gabriele Wörgötter, Wiener Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie)
  • www.ra-hueller.de (Insiderin und Fachanwältin für Versicherungsrecht Beatrix Hüller, Bonn)
  • www.ra-lachner.de (Fachanwalt für Versicherungsrecht Jürgen Lachner, Hanau)

(Hinweis: Kein Anspruch auf Vollständigkeit - Red Bull Media House übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Links)

TV-Sendungen zum Thema:
VIDEO: Donnerstag, 9. Oktober, 21.15 Uhr | Servus Reportage: Die Geschäfte der Gutachter >>

VIDEO: Donnerstag, 9. Oktober, 22.15 Uhr | Talk im Hangar-7: Gleich und gleicher - Wie gerecht ist unsere Justiz? >>


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