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Adventgeschichten mit Charly Rabanser

 

Lieder- und Jodlerschatztruhe

ServusTV und Bertl Göttl begleiten derzeit ein einzigartiges Projekt: Die "Salzburger Lieder- und Jodlerschatz-
truhe" will 555 alpenländische Lieder und Jodler neu aufnehmen und ver- öffentlichen. Das Besondere daran: Jeder kann dabei die Patenschaft für eines der Lieder übernehmen!

Mehr Infos zu dem Projekt und eine Liste mit allen 555 Titeln unter www.liederschatztruhe.at.

 
 

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Adventgeschichten mit Charly Rabanser

Stimmungsvolle Adventgeschichten zeitgemäß interpretiert

Die "staade Zeit" ist eine besondere Zeit im Jahr. Allerhand Vorbereitungen auf Weihnachten stehen an. Dazu liest der Salzburger Autor, Regisseur und Theatermacher Charly Rabanser stimmungsvolle Geschichten.

Hier gibt es die Adventgeschichten von Charly Rabanser zum Nach- und Mitlesen.

Die Geschichte vom Großsein (Folge 1: 27. November)

Ich kann mich noch ganz genau erinnern, es war am Abend vor dem ersten Adventsonntag. Es war das Jahr.... die Jahreszahl weiß ich nicht mehr genau, aber eines weiß ich, ich war schon ein großer Bub. Zumindest sagte das die Mama damals zu mir.
Sie band am Nachmittag den Kranz für die bevorstehende Adventszeit. Also ganz stimmt das nicht, ich stand ihr sehr helfend zur Seite. Erstens hatten mein Papa und ich zuerst die Fichtenzweige aus dem Wald geholt, und zweitens brachte ich mein Können auch dann beim Binden ein. Ich war ja schon ein großer Bub.
Aber alles der Reihe nach.
Papa und ich stapften nach dem Mittagessen mit einer großen Baumzange „bewaffnet“ in den Wald. Stapfen ist vielleicht etwas übertrieben ausgedrückt, es hatte bisher nur ganz leicht geschneit, und nach einiger Zeit ging das Schneeflankeln in Regen über, und das bisschen Weiß, das sich auf die Wiesen und Bäume gelegt hatte, zerrann und bildete kleine Lacken. Gar nicht winterlich, gar nicht adventlich zeigte sich die Welt.
Natürlich trug ich, der Große, das Ungetüm von Baumzwickzange. Sie war fast so groß wie ich. Da sie bei meinem Gehen immer wieder am Boden streifte, legte ich sie mir über meine Schulter. Irgendwann gab ich sie dann doch meinem Vater, da er immer wieder meinte, sie sei mir zu schwer und für ihn sei es ein leichtes sie zu tragen. Naja, man soll seinen Eltern ja nicht widersprechen. Ich hätte sie noch locker tragen können. Ein paar Meter. Vielleicht.
Irgendwann zwickten wir dann ein paar Äste ab, eh nur ganz wenige, und die nicht mehr so schönen. Auch die schleppte zuerst ich, dann er, mein Vater.
Mama war in der Zeit unserer Absenz mit dem Keksbacken beschäftigt. Dies machte sie meist, wenn wir außer Haus waren, da ich ihr sonst immer den Teig wegschleckte.
Jedenfalls roch es beim Türaufmachen schon unheimlich gut nach..... „Ah, Vanillekipferl,“ verriet mir meine geschulte Nase, als wir vom Regen völlig durchnässt daheim eintrafen.
Wenigstens im Haus standen die Zeichen auf Advent und somit auf Freude. Freude auf Weihnachten, auf das Christkind.
Der Duft nach........“wo sind denn die Vanillekipferl, Mama?“
„Die gibt es erst morgen! Kekse gibt es erst am 1. Adventsonntag, das weißt du doch ganz genau.“
Natürlich wusste ich das, aber probieren geht ja bekanntlich.....ah, da schob Mama noch ein Backblech voll mit Vanillehalbmonden ins Rohr.
„Naja, vielleicht gibt es nach dem Kranzbinden einen Koster“, meinte Mama, wischte den Tisch ab, um Platz für das Binden zu schaffen, und wusch sich die Hände.
So motiviert, rannte ich mit wässrigem Mund ins Wohnzimmer um den Strohreifen, auf dem die Zweige aufgebunden werden sollten, und den dazu benötigten Bindedraht schnellstens herbei zu schaffen. Mama hatte das alles schon am Vortag vom Dachboden runter geholt. Die neuen roten Kerzen, die wir am Christkindlmarkt gekauft hatten, lagen noch in Zeitungspapier eingerollt im Wohnzimmer.
Nun ging’s los. Ich durfte die mitgebrachten Zweige in eine verarbeitbare Größe zerkleinern. Einige gerieten anfangs zu klein, sodass ich mir dann immer wieder die Zustimmung von Mama holen musste, bevor ich wieder einen Ast abzwicken durfte. Zusehends verwandelte sich der gelbe Strohreifen zu einem grünen ansehnlichen Rund. Dann holte ich die Kerzen, steckte sie in den Kranz - „So, fertig!“ - und eilte zum Backrohr.
„Halt! Zuerst noch die Schleifen. So schaut doch der Adventkranz nach gar nichts aus!“, meinte Mama. Ganz war ich nicht ihrer Meinung, mir gefiel der Adventkranz auch so schon ganz gut, aber um den vorher angedeuteten „Koster“ nicht zu gefährden, holte ich ihr auch noch die Schleifen. Und gleich darauf war ich schon wieder unterwegs zum Backrohr.
„Was ist!? Ein ordentlicher Kranzbinder verräumt doch die Abfälle. Du bist doch schon ein großer Bub, du wirst doch nicht die Abschnitte herumliegen lassen!“
In diesem Augenblick verwünschte ich das, was ich mir seit Jahren so sehr gewunschen hatte: das Großsein! Bis jetzt hatte immer die Mama alles weggeräumt. Und jetzt war auch ich dazu verdammt. Ja, eine schwere Zeit stand mir bevor. Viel Arbeit. Es dauerte sicher sehr, sehr lange bis ich so groß war wie mein Papa. Der musste nämlich nie etwas wegräumen....
Bis ich schlussendlich mit dem Saubermachen fertig war, war mir der Appetit auf Kekse vergangen, und ich legte mich müde ins Bett.
Irgendwann in der Nacht ist dann die Mama ins Zimmer gekommen.
„Ah, mein großer Helfer schläft schon!“, dann hat sie mir einen Kuss auf die Stirn gegeben, drei Vanillekekse auf das Nachtkästchen gelegt und das Licht abgedreht.
Aber vielleicht hab ich das auch nur geträumt.

© Charly Rabanser
 

Nikolaus & Krampus (Folge 2: 4. Dezember)

Wenn der Advent begonnen hat, wenn also schon die erste Kerze am selbst gebastelten Adventkranz angezündet worden ist, dann ist es nicht mehr weit bis der heilige Nikolaus kommt. Natürlich kommt der nicht allein, immer hat er diese Krampusse mit. Ich versteh das überhaupt nicht, weil wozu braucht ein Heiliger diese bösen Begleiter? Zum Wegzeigen wohl kaum. Ein himmlischer Bote ist ein Allwissender! So wie sein Chef.

Und Krampusse verbreiten ja nur Angst und Lärm. Und das in der stillsten Zeit des Jahres.
Naja, egal.
Ich hab mich jedenfalls immer gefreut, wenn der Nikolaustag näher kam. In den letzten Tagen davor hab ich alle Aufträge von der Mama sofort erledigt. Ohne Wenn und Aber.
Weil wenn man den Eltern folgt, kann einem der Krampus gar nichts tun. Dann darf er nämlich nicht in die Wohnung. Zumindest bei uns zu Hause war das immer so.
Ja und heute ist er wieder da, der Nikolaustag.
Den ganzen Tag über war ich unglaublich zuvorkommend und aufmerksam, einige Sachen hab ich sogar schon im Voraus erledigt, bevor es mir die Mama überhaupt anschaffen konnte.
Ich hab ihr die Wünsche sozusagen von den Augen abgelesen. Ja, an solchen Tagen funktioniert das, an anderen überhaupt nicht. Eigenartig irgendwie.
Jedenfalls sitze ich gegen 18 Uhr frisch gewaschen, sogar die Ohren, gekampelt und geschneuzt im Wohnzimmer und tue so, als würde ich meine ganze Aufmerksamkeit einer Geschichte im Lesebuch widmen. In Wahrheit ist sie aber auf die Geräusche gerichtet, die ich im Freien vernehme. Ab und zu höre ich weiter entfernt einen Teppichkracher tuschen, dann das Schreien von Kindern, dann wieder Kettenrasseln, ja und dann....ja, das sind doch die Glöckchen vom Pferdeschlittengespann mit dem der Nikolaus jedes Jahr vorfährt. Ich drehe das Licht im Zimmer ab, eile zum Fenster und schiebe ganz vorsichtig und langsam den Vorhang zur Seite.
Obwohl ich die Augen zu Schlitzen zusammenzwicke und die Stirn runzle, vermag ich nichts zu erkennen. Es ist einfach zu dunkel. Doch, ein paar Schneeflocken sehe ich, wie sie langsam zu Boden schweben. Sonst nur Dunkelheit.
Dann vernehme ich wieder dieses Lärmen und Krachen und .......dazu auch ganz deutlich das dumpfe rhythmische Gescheppere der Teufelsschellen. In meiner Phantasie sehe ich in Fell gehüllte Gestalten mit grauslichen Fratzen wild gebogenen Hörnern und mit so langen roten Zungen. Einige haben einen Menschenfuß und einen Pferdefuß. Schnell ziehe ich den Vorhang zu und drehe das Licht wieder an. Und weg sind sie.
Ich nehme nun wieder mein Lesebuch und starre die schwarzen Buchstaben auf dem weißen Papier an. Wörter, geschweige denn Sätze, kann ich keine bilden. Zu sehr sind meine Gedanken mit den Geräuschen draußen beschäftigt, mit den eben gesehenen Bildern.
Aaaber was soll mir schon passieren. Ich bin ja das ganze Jahr über brav und folgsam gewesen. Ich habe immer sofort meine Aufgaben erledigt, also fast immer.....gut, hin und wieder ist es schon vorgekommen, dass ich.....aber im Endeffekt.....gemacht hab ich sie immer....meistens....ich hab wirklich nur ganz selten erst in der Schule....und das auch nur, weil ich am Vortag der Mama geholfen hab....also helfen hätte sollen..... aber gesagt habe, dass ich ihr nicht helfen kann, weil ich so viel Aufgabe habe.....und ab und zu hab ich ja auch ein bisschen Halsweh gehabt...und Fieber auch.....wenn ich mich recht entsinnen kann. Fast 100°! Fahrenheit. Das sind umgerechnet ungefähr 37° Celsius. Ich weiß das deshalb, weil mein Freund der Bill, der mit seinen Eltern aus Amerika zu uns her gezogen ist, einmal zum Lehrer gesagt hat, dass er fast 100° Fieber gehabt hat. Da haben alle gelacht.
Im Augenblick ist mir aber nicht zum Lachen zumute.
Schnell gehe ich in die Küche und sage meiner Mama, dass ich ab und zu doch nicht ganz brav war im letzten Jahr und dass sie mir verzeihen soll, es wird nicht wieder vorkommen.
Lächelnd streichelt sie mir mit der Hand über die Wange und meint: „Ist schon in Ordnung, mein Schatz, Hauptsache, du lernst daraus!“
„Naja, ob der Nikolaus da auch so nachsichtig ist!“, höre ich noch meinen Vater hinterdrein sagen, als ich die Tür zum Wohnzimmer schließe. Und wie ich das Buch aufschlage, klingelt es an der Haustüre.
Sofort rase ich wieder zu meinen Eltern in die geschützte Zone. Mein Vater steht vom Tisch auf, geht zur Türe, schaut durch den Spion, dreht sich zu uns um und flüstert zur Mama und zu mir indem er nach draußen deutet: „Der Nikolaus! Soll ich ihn hereinlassen?“
Mama schaut mich an und sagt: „Ja sicher!“
Da ich sie aber nur entgeistert anstarre, setzt sie ein „oder nicht?“ nach.
„Naja.....wenn er schon da ist, wenn er einen so weiten Weg auf sich genommen hat“, meint mein Vater. Mit leerem Ausdruck verfolgen meine Augen das Nach-links-Drehen des Schlüssels.
Und genau in dem Moment, als es dieses Klick macht und mein Vater die Tür öffnet, ertönt dieses grauenhafte rhythmische Schellen.
Ich umklammere angsterfüllt meine Mama und stecke den Kopf in ihren Schoß, damit ich nur ja keinen dieser höllischen Gesellen zu sehen bekomme und diesen Lärm nicht mehr höre. In meiner Realitätsflucht bemerke ich gar nicht, dass die Tür wieder geschlossen worden ist.
Nun legt sich eine Hand weich und sanft auf meine Schulter.
„Wer hat denn da gar so große Angst. Du brauchst dich doch vor dem Nikolaus nicht zu fürchten. Du bist doch das ganze Jahr über brav gewesen!“
Langsam – aber immer noch an den Kittel geklammert – drehe ich mich um und lasse meinen Blick nach oben wandern. Vor mir steht der leibhaftige Nikolaus. Vorsichtig werfe ich einen Blick um ihn herum, ob da wohl nicht auch noch so ein.....nein, gottseidank.....keiner da.....und während er mir meine Taten aus seinem heiligen Buch vorliest, blicke ich begeistert seinen langen weißen Bart an, sein heiliges Kleid, der Pfarrer hat übrigens genau das gleiche, und diese kleine Warze unter dem rechten Auge. Genau unter dem Brillenrand. Irgendwie fasziniert sie mich. Dabei ist so eine Warze ja nichts Besonderes, der Onkel Gusti hat auch so eine. Bei dem fällt sie mir aber gar nicht mehr auf. Gut, den seh ich jede Woche mindestens ein Mal, aber dass der Nikolaus auch so eine.......
“Na, was kannst du denn für ein Gebet aufsagen oder willst mir lieber ein Lied vorsingen“. Diese Worte aus dem heiligen Mund reißen mich aus meiner Träumerei.
Und nachdem ich ihm mein Nikololied vorgesungen habe, zeigt sich der Nikolaus auch äußerst spendabel. Ich bekomme Nüsse. Wal- und Erdnüsse, wohlgemerkt, Äpfel, Feigen und einen Krampus. Einen Zwetschkenkrampus!
Dann macht er mir ein Kreuzzeichen auf die Stirn und geht mit seinem Engel zur Tür. Genau, den Engel in seinem weißen Kleid und dem goldenen Stern auf der Stirn hab ich in meiner Aufregung ganz vergessen zu erwähnen. Dabei hat der doch die Geschenke im Sack gehabt.
Und kurz bevor mein Papa die Tür wieder schließt, damit die Krampusse auf keinen Fall herein können, hör ich noch wie er dem Nikolaus ein leises „Servus“ zuraunt.
Naja, er wird ihn eben aus seiner Kindheit kennen. Wenn ich groß bin und Kinder hab, wird er mich auch schon besser kennen und dann werde ich auch mit ihm „per du“ sein dürfen.
Im Bett bin ich dann froh, dass der Nikolaus wegen der abgeschriebenen Hausübungen nichts gesagt hat. Oder hab ich’s überhört.....
Übrigens, ich hab auch keine Angst mehr vor Krampussen.

 

Ich hab einen sogar am Nachkastl stehen. Meinen Zwetschkenkrampus. Allerdings fehlt ihm schon der Kopf.

© Charly Rabanser

Mitten im Advent (Folge 3: 11. Dezember)

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann.....

Heute brennen drei Lichtlein. Drei Kerzen. Richtig, somit ist der dritte Adventsonntag. Noch knapp 14 Tage bis es endlich soweit ist.
Immer wenn der Heilige Abend auf einen Samstag fällt, ist das der Advent mit der längsten „Wartezeit“.
Pah, noch fast zwei Wochen bis .....bis.....bis das Christkind kommt und die Geschenke bringt. Meinen Wunschzettel hab ich schon am ersten Adventsonntag auf das Fensterbrett gelegt, ja, und so wie all die Jahre vorher war er am nächsten Tag verschwunden.
Also der Wind kann meinen Zettel auf gar keinen Fall verweht haben, ich hab meine Wunschliste nämlich mit einem Stein beschwert, und der Stein ist noch auf dem Fensterbrett gelegen. Der Zettel nicht.
Heuer bin ich besonders stolz gewesen. Es war nämlich das erste Mal, dass ich den Wunschzettel selbst geschrieben habe. Bisher hat mir immer die Mama geholfen. Also ich hab ihr meine Wünsche angesagt und sie hat sie niedergeschrieben. So schön wie meine Mama kann ich natürlich noch nicht schreiben, aber ich habe keinen Fehler gemacht, gut, ein Mal haben wir radieren müssen, aber das sieht man fast nicht, nur wenn man ganz genau schaut, und außerdem habe ich auch noch einen Schneemann und einen Weihnachtsbaum dazu gezeichnet. So ein bissl über das Radieren. Dadurch hat der Schneemann halt einen rauen Bauch.
Apropos Schneemann. Bei uns kann man noch gar keinen bauen, weil es einfach noch nie richtig geschneit hat. Die Leute sagen eh immer: „Nein, heuer ist es überhaupt nicht weihnachtlich. So ohne Schnee. Früher sind wir fast im Schnee erstickt. Wir sind doch schon lange vor Weihnachten Rodeln oder Schifahren gegangen. Das kann man seit ein paar Jahren alles nicht mehr machen.“
Moment, wenn ich mich recht entsinne, war ich voriges Jahr aber schon vor Weihnachten Rodeln. So lange ist das doch nicht her. Zu „vorigem Jahr“ sagt man doch nicht „früher“, glaube ich zumindest.
Und heuer ist es mir ehrlich gesagt egal, dass noch kein Schnee liegt. Wenn nämlich schon Schnee auf den Wiesen liegen würde, würde ich unbedingt Schifahren gehen wollen, und ich hab keine. Also noch keine. Die stehen nämlich auf der Weihnachtswunschliste ganz oben. Diese 22-fach verleimten Herzog Schi mit Stahlkanten. Und dazu hab ich mir auch gleich noch so eine 3er TOKO Wachspackung gewunschen, wo ein rotes, ein gelbes und ein silbernes Wachsl drinnen ist.
Bei der Vereinsmeisterschaft will ich nämlich heuer unbedingt den Rudi schlagen, und da brauch ich ein perfektes Material unter den Schnürschuhen und ein gutes Wachs.
Einmal hat der Rudi sein Wunderwachs bei meinen Schiern eingebügelt, weil ich ihn bei der Ansage abschreiben hab lassen, und da war ich dann nur mehr 5 Sekunden hinter ihm. Ansonsten waren es meist mehr als 10 Sekunden. Da kann man schon sehen, was ein gutes Wachs ausmacht. Das hab ich dem Christkind auch dazu geschrieben.
Vielleicht leiht mir Mama dann auch ihr altes Bügeleisen. Ich hab mir nämlich für sie beim Christkind ein neues bestellt. Und zwei Bügeleisen braucht sie sicher nicht.
Da werde ich dann ganz fachgerecht.....die Schneetemperatur mess ich einfach mit dem Fiebermesser..... rot, gelb, silber, je nach Temperatur einwachsen und dann wird der Rudi ganz schön schauen, wenn ich mit den Herzog Latten auftauche.
Aber solange kein Schnee liegt.....
Gut, dass ich mir noch eine Eisenbahn bestellt - also gewünscht – habe. Für die Tage, wo man nicht raus kann oder falls es wirklich nicht schneit. Ich bin ja sehr gespannt, ob es heuer damit klappt, weil voriges Jahr hab ich auch schon diese Märklin Eisenbahn auf der Liste gehabt, aber die dürfte von dem übervollen Schlitten heruntergefallen sein, wie das Christkindl so vom Himmel heruntergefetzt ist. So hat es mir jedenfalls mein Papa erklärt, und er hat auch gesagt, dass es dann, sofern es die Märklinbahn beim Heimfahren findet, sie sicher dem Osterhasen mitgeben wird. Aber entweder hat es die Schachtel auf der Heimfahrt nicht gefunden oder der Osterhase hat sie schlicht und einfach vergessen. Osterhasen sollen ja nicht besonders klug sein, na ja, sicher nicht so gescheit wie das Christkind.
Wie gesagt, vielleicht ist sie ja dieses Mal dabei.
Sonst hab ich mir gar nichts gewunschen heuer, weil ich ja eh alles hab und einen Pullover oder Wollsocken legt das Christkind sowieso immer dazu. Die brauch ich erst gar nicht extra aufschreiben.
Meine Oma arbeitet übrigens für das Christkind. Sie strickt nämlich alle Jahre Unmengen von Socken. Also nicht für das Kind selbst, das braucht keine, sondern für die ganzen anderen Kinder auf der Welt. Da hat die Oma immer einen ziemlichen Stress vor Weihnachten, sie muss nämlich am Tag vor der Bescherung fertig sein, denn da kommt kurz vor Mitternacht das Christkind und holt die Socken ab. Und am Heiligen Abend verteilt es sie dann auf der ganzen Welt. Einmal hat mir das Christkind genau die gleichen Socken gebracht, die die Oma in der Stube drüben gestrickt hatte. Hätte mir die Oma die Socken gleich gegeben, hätte sich das Christkind einen mordstrum Weg erspart. Aber da misch ich mich nicht ein.
So, jetzt hätt ich aber wegen des ganzen Nachdenkens wegen des Ausbleibens des Schnees und beinah meine eigentliche Arbeit vergessen. Was heißt Arbeit. Das ist keine Arbeit. Arbeit ist es für mich, wenn ich etwas nicht so gern mache.......Hausübung zum Beispiel oder Geschirr abtrocknen oder das Zimmer zusammenräumen, ja das alles kann man als Arbeit bezeichnen, aber Krippenfiguren aufstellen, das ist keine Arbeit. Das mache ich gerne.
Ein Teil der Krippe steht eh schon seit zwei Wochen, aber jeden Sonntag kommen ein paar Hirten, Schafe, Ziegen usw. dazu. Ich hab neulich aus Zahnstochern so kleine Holzscheiter gemacht, die ich neben dem Stall aufzäune. Wie einen Holzstaffel.
Nächste Woche wird es spannend, da stell ich die heiligen drei Könige vor den Stall. Mitsamt dem Elefant und den Kamelen. Wüstenschiffe kann man zu den Kamelen auch sagen, aber das verstehen die meisten Leute nicht. Der König Balthasar kommt mit dem Elefant, weil das der dickste von den Königen ist. Leider ist mir beim Wegpacken letztes Jahr der Rüssel von Tumba abgebrochen.
Ich bin noch beim Überlegen, welchen meiner Könige ich heuer in der Kiste lasse. Ich hab nämlich vier verschiedene. Gut, den schwarzen muss ich aufstellen, ich hab ja nur den einen, aber von den drei anderen darf einer pausieren. Ich glaub, ich werde das wieder auswürfeln.
Obwohl es immer wieder spannend ist, von welcher Seite und in welcher Reihenfolge ich die Könige auftreten lasse, der eigentliche Höhepunkt beim Krippenfigurenaufstellen ist für mich immer der letzte Adventsonntag. Da gesellt sich dann auch noch der König der Lüfte hinzu. Der Heilige Geist. Aber nicht in Form einer mickrigen weißen Taube..........eine weiße Taube im Winter!!.....was für ein farbloser Einfall..........da wären Feuerzungen ja noch imposanter...optisch betrachtet.....geht aber nicht, weil dann sofort der Schnee wegschmelzen würde........nein, mein Heiliger Geist kommt wirklich als König der Lüfte......als Adler.
Mit ausgebreiteten Schwingen lässt er sich auf dem Giebel des Stalles nieder. Majestätisch beschützt er den Knaben, er hat alles unter Kontrolle.
So können die Hirten und die Könige und wer halt sonst noch so alles zum Stall gekommen ist, ungefährdet dem Jesus die Geschenke darbringen.....
Wenn ich es mir recht überlege ist es schon komisch, dass heutzutage wir an dem Tag alle Geschenke bekommen, wo doch der Kleine Geburtstag hat. Richtiger wäre es doch, wenn wir ihm ........also irgendwann muss sich da ein Denkfehler eingeschlichen haben.

Nächstes Jahr schreib ich jedenfalls keinen Wunschzettel mehr, da schenke ich dem......aber wo ist dieser Stall denn wirklich....

© Charly Rabanser

Der Keksmäuserich (Folge 4: 18. Dezember)

Wo hat denn die gute Mutter
All die Kekse hingegeben
Die sie in den letzten Wochen
mühevoll und Gott ergeben
tags und nachts gebacken hat
In die Schachtel, in die Dos’
Ach wüsst’ ich mir einen Rat
Wo sind denn die Kekse bloß

Kekse, Kekse
In Gedanken
Seh ich mich
Sie schon verzehren
Ach was ist’s für ein Verlangen
Ach was ist’s für ein Begehren

Und nun schleich ich in den Keller
Steig hinauf auf das Regal
Schalt das Licht ein, so ist’s heller
Und dann seh ich’s auf einmal
Ja, da stehen sie ganz munter
Da die Schachtel, da die Dos
Greif sie schnell und steige runter
Ach wie ist die Freude groß

Und ich öffne schnell die Schachtel
öffne auch noch schnell die Dos’
greife gierig rein in beide
ach was lässt mich da nicht los

Zugeschnappt hat drin die Falle
Die die Mutter reingetan
Damit die Maus nicht wieder alle
Kekse drin anknabbern kann

Kekse, Kekse
Meine Finger
In der Falle
Die da für das Tier gedacht
Hat verbotenes Verlangen
Mich zum Mäuserich gemacht

© Charly Rabanser

Wie das Kletzenbrot nach Bagdad kam (Folge 5: 24. Dezember)

Der Weg von Nazareth bis Bethlehem
Der ist beschwerlich, wirklich,
saprament
Maria spürt die Frucht im Leib
Der Josef seine Füß, drum bleibt
er stehn
der Stern
Hoch drob’n am Firmament

Die Wirtsleut in der Stadt
Die glänzen nicht durch Gastfreundschaft
weil jeder eine Giersau ist und schaut
dass er an haufen Reibach macht

In einem Stall weit draußen vor der Stadt
Maria ihren Sohn alsdann geboren hat
und alsogleich macht raschest Runde
von der Geburt des Bub’n die Kunde
so strömen Hirten groß und klein
zu Fuß, verschlafen, müd’ zur Tür herein
und bringen dar gleich ihre Gaben
obwohl sie selbst nicht gar viel haben
sie bringen Gummibärn, Geschnetzeltes
Topfen, Honig und auch Keks,
auch Wurst, und Fisch
liegt bald am Tisch
ein Flascherl Enzian für die Verdauung
dient mehr zu Nährvaters Erbauung.

Dann parken vor dem Stallgebäude
drei Wüstenschiffe an der Zahl
drei Herrn mit dunklem Teint
und ebensolchem Haar
mit goldnen Ketten um den Hals
am Handgelenk ein gülden Stundenmessgerät
mit Krönchen auf dem Ziffernblatt
auch aus dem Munde blitzt es golden satt
sie treten ein
und knien nieder an der Kripp
und sprechen unüberhörbar laut:
Ich bringe Gold, der Kurs steigt stetig Majestät
mit Myrrhe pfleget eure Zähne früh und spät
den Weihrauch kann man rauchen,
steht auf der Packung, seht


Die Schäfer schielen lämmleinfromm
mit ihren müden Augen
hin auf die
aufgeputzten schwarzgelockten Goldenen
Als plötzlich aus der Hirten Mitt’
ein ebensolcher heraustritt
und zu den dreien spricht
Wenn ihr gewährt, sei ich der vierte
in eurer herrschaftlichen Mitte
Drauf sagt der schwarzgelockte Runde
Was trägst du bei zu sein in unserm Bunde

Ja, weil ich auch,
was ganz Besondres hab
als Gab
für diesen Kleinen dort
und zieht bei diese Wort
aus seinem Säcklein rot
ein selbstgemachtes Kletzenbrot

Drauf nickt der Caspar hin zu Melchior
und dieser flüstert dann ins Ohr
von König Balthasar rasch ein paar Wort
Worauf der lauthals dann verkündet
dass nun der Hirt mit ihnen sei verbündet
sofern er ihnen macht pro Tog
an großen Wecken Kletzenbrot
Und der sagt: Sowieso

So kam das Brot mit diesen Kletzen
nach Kairo, Amman und Riad
nach Kandahar und auch Bagdad
Es hat der Gottessohn also bereitet
Ein Wunder – ja??
Dass abendländisch Speis’
im Morgenland sich rasch verbreitet

© Charly Rabanser

 

Erstellt: 01.12.11, Letzte Änderung: 07.12.11
 
 

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