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Die satirische Kolumne von Wolf Gruber

Liebe HOT-SPOTT-Fans,

an dieser Stelle finden Sie auf ServusTV.com regelmäßig unsere Online-Kolumne: Den HOTSPOTTER. Eine Art Endlagerstätte für Boshaftigkeiten - und die gibt es bei uns ja zuhauf!


(Weihnachtliches) Vorwort
Weihnachten naht mit großen Schritten: Jahr für Jahr beginnen wir Ende November damit, uns vollkommen dem Weihnachts-Wahnsinn hinzugeben. Für uns Kabarettisten eine wirklich spannende Zeit - müssen wir doch alljährlich gratwandern zwischen sozialkritischer Ehrlichkeit auf der einen und Respekt vor dem ganz normalen Wahnsinn der österreichischen Volksseele auf der anderen Seite.

Versetze ich mich dabei aber in die Lage desjenigen, dem der ganze Weihnachts-Wahn eigentlich gelten soll, stellt sich für mich nur noch folgende Frage: Ist die Sichtverbindung vom Himmel zur Erde seit Jahrhunderten gestört, oder fragt sich unser Erlöser vielleicht seit tausenden von Jahren: „Warum habe ich den Kelch voll in die Fresse bekommen?“

Weihnachtshasen und Ostermänner
Wenn der Osterhase pimpert, der Nikolaus am Piano klimpert, die Wiese sanft mit Schnee verhüllt, die Abfalleimer überfüllt, wenn Oma über Opa lacht, worauf ihr Opa eine kracht, dann kann man spüren, es ist soweit, es nahet bald die Weihnachtszeit.

Weihnachten, der schönste Tag im Jahr. Weihnachten, der Geburtstag unseres Erlösers. Von Geschäftsleuten auch zärtlich „der Orgasmus des Kapitalismus“ genannt. Ich frage mich ja schon lange, was wir am 24. Dezember wirklich feiern - Weihnachten, oder den Geburtstag von Duracell?

Besonders schön finde ich es, wenn ich am 1. Oktober die Weihnachts-Deko in den Schaufenstern sehe und mich spätestens ab 1. November von Weihnachtsliedern berieseln lassen muss. Warum darf ich die zuständigen Geschäftsführer eigentlich nicht verprügeln, die mich sechs Wochen am Stück mit Weihnachtsmusik belästigen? Weil es allen egal ist. Weihnachten hat ja für viele schon lange seinen Sinn verloren.

Gut, manche bemühen sich wirklich. Mein Nachbar zum Beispiel betrinkt sich ab Mitte Dezember tagtäglich nicht mehr mit Bier, sondern mit Glühwein. Und der gewalttätige Proll einen Stock über mir lässt im Hintergrund Weihnachten mit Hansi Hinterseer laufen, während er seiner Gattin die Fresse poliert.

Für Weihnachten gibt jeder Österreicher übrigens durchschnittlich mehrere hundert Euro aus. Aber warum, wenn das eigentliche Geburtstagskind kein einziges dieser Geschenke bekommt? Außerdem dürfte sich Jesus bestimmt alljährlich der Magen umdrehen, wenn er von oben auf die heimischen Weihnachtsmärkte hinunterschaut.

Dabei ist das Schlimme für mich ja nicht einmal der Kitsch, der dort angeboten wird - sondern vielmehr die Tatsache, dass es Hunderttausende offenbar geistig Umnachtete gibt, die den Mist kaufen. Und dass sich genauso viele optisch Verwirrte anschließend über diese Kitschpräsente freuen.

Ich für meinen Teil werde jetzt mal in den Wald gehen und auf Osterhasen schießen. Oder ich vergifte einfach den Weihnachtskarpfen, um dann in aller Ruhe am 24. Dezember das Osterlamm anzuzünden. Ich freu mich drauf.

Bis demnächst,
Ihr Wolf Gruber

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Erstellt: 17.05.10, Letzte Änderung: 03.06.11
 
 

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