Hoagascht
- Sunnawend - Der Heilsam
- Freitag | Sendung vom 16.07.10 | 19:45 Uhr
- Kultur, AT 2010
- Resolution:HD
Alte bäuerliche Heilweisen, der Rainbacher Dreigesang aus dem Mühlviertel und die Vilsleitenmusi aus Bayern prägen den Hoagascht in dieser Woche, bei dem Bertl Göttl mit dem Pechölbrenner Fritz Frühwirt im Mühlviertel unterwegs ist. Am Pechöl- und Opferschalenweg in St. Leonhard und bei einer gemütlichen Einkehr beim Maurerwirt in Rainbach.
Nach altem Brauch wurden früher zur Sonnenwende auf alten Pechölsteinen kleine Holzmeiler angezündet und das Feuer durch 24 Stunden von drei Männern, meist Großvater, Vater und Sohn, schweigend genährt. Das auf dem Pechstein aufgeschichtete harzige Kiefer- und Lärchenholz wird mit Wasenziegel abgedeckt und kann wegen Sauerstoffmangel nicht verbrennen, sondern nur langsam „verglosen“. Dabei wird durch die Hitze das Harz als Pechöl "ausgeschwitzt".
Das Pechöl, das in den ersten Stunden gewonnen wurde, war der "Heilsam", welcher entweder pur verwendet oder mit Butter und Bienenhonig zu einer Salbe verarbeitet das Jahr über in Haus und Stall die Grundlage für besondere Hausmittel lieferte. Heilsam bei Sehnenverletzungen, Asthma, Fersensporn, Gelenksentzündungen und eitrigen Wunden. Das noch weiter gewonnene Öl wurde mit Fett aus Schweinedärmen vermengt und als Wagenschmiere verwendet.
„Der Holzschläger kauft Pechöl gegen jegliche Verletzung, der Kohlenbrenner gegen Brandwunden, der Branntweinbrenner für sein Fäßlein und des Kleinbäuerlein kauft Pechöl für sein ganzes Haus und Vieh, gegen alle bösen Zustände!“ So schrieb schon Peter Rossegger in den „Schriften des Waldschulmeisters“.
Moderation: Bertl Göttl

