Talk im Hangar-7
- Thema: Kein Herz für Tiere - Dürfen wir töten, um zu leben?
- Freitag | Sendung vom 21.09.12 | 0:55 Uhr
- Talk, AT 2012
- Resolution:HD
Mensch und Tier: Wir schlachten und schützen, lieben und quälen sie - auch zu Forschungszwecken. Aber dürfen wir töten, um besser zu leben?
Wir lieben sie - trotzdem lassen wir Tiere leiden, damit wir besser leben können. Die EU will dieses Leiden nun mit einem neuen Tierversuchsgesetz reduzieren, Österreich muss dieses Gesetz bis Mitte November 2012 erlassen. Ein Großteil der Bevölkerung ist gegen Tierversuche, aber gleichzeitig sind viele Menschen auf Medikamente angewiesen, für deren Entwicklung Tiere gelitten haben.
Laut einer aktuellen IFES-Studie sprechen sich rund 85 Prozent der Österreicher für ein Verbot von Tierversuchen aus, sofern sie keinen ausreichenden Nutzen für den Menschen bieten. Doch wo liegt diese Grenze? Dass Medikamente, die an Tieren getestet worden sind, Leben retten können, steht außer Frage. Sind sich die Versuchsgegner dessen bewusst? Wo wäre die Medizin heute, wenn es Tierversuche niemals gegeben hätte, und was würde ein solches Verbot für den medizinischen Fortschritt bedeuten? Wann haben wir das Recht, ein Tier für unseren Nutzen zu töten, und wann nicht? In Deutschland und der Schweiz hat der Tierschutz bereits Verfassungsrang, und auch in Österreich sprechen sich knapp drei Viertel der Befragten dafür aus.
Die Diskussion rund um Tierversuche ist also hoch philosophisch. Wer bestimmt das Recht der Tiere? Ist jeder, der ein Medikament einnimmt, für das ein Tier sterben musste, indirekt ein Mörder? Aus religiöser Sicht sind wir Menschen die Krone der Schöpfung - müssen wir diese Geschöpfe dann nicht schützen, anstatt sie zu töten? Wer bestimmt den Wert eines Lebewesens, und ist ein Schimpanse lebenswerter als eine Fruchtfliege? Fest steht, dass der Mensch das Tier zum Leben braucht - ob als Lieferant von Lebensmitteln, zum Schutz oder eben für die Forschung. Eine Abhängigkeit, die sehr einseitig erscheint, und daher viele moralische Fragen aufwirft.
Nicht nur der aktuelle Talk im Hangar-7 beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Mensch und Tier, sondern auch das renommierte Symposium Philosophicum Lech - einige seiner Teilnehmer sind bei Hans Martin Paar in der Sendung zu Gast.
Gäste:
Kurt Kotrschal - der Verhaltensbiologe und Experte für die Beziehung zwischen Mensch und Tier fordert: Tiere sollten ein tiergerechtes Leben führen dürfen.
Martin Balluch - der Tierethiker und Tierrechts-Aktivist ist überzeugt: Wir haben ethisch gesehen nicht das Recht, Tierversuche durchzuführen.
Karen Duve - die Bestseller-Autorin, die den Menschen zu den Tieren zählt, warnt: Wir halten uns für das interessanteste Tier, aber das ist zu kurz gedacht.
Weihbischof Andreas Laun - der Moraltheologe meint: Wir sind den Tieren überlegen, weil wir einen Geist, eine Seele und ein Bewusstsein haben.
Richard Greil - der weltweit anerkannte Krebsforscher stellt fest: Tiermodelle sind in der medizinischen Forschung von enormer Bedeutung.
Moderation: Hans Martin Paar
Buchtipps zur Sendung:
Kurt Kotrschal: „Wolf, Hund, Mensch - Die Geschichte einer Jahrtausende alten Beziehung“
Brandstätter Verlag, Wien 2012
ISBN 978-3-85033-675-8 - Preis: 22,50 Euro
Karen Duve: „Anständig Essen - Ein Selbstversuch“
Galiani Verlag, Berlin 2010
ISBN 978-3-86971-028-0 - Preis: 19,99 Euro
Hal Herzog: „Wir streicheln und wir essen sie - Unser paradoxes Verhältnis zu Tieren“
Carl Hanser Verlag, München 2012
ISBN 978-3-446-42922-2 - Preis: 20,50 Euro




