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EU sichert sich Corona-Impfstoff von Biontech

10. Nov.
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Epizentrum / Wikimedia

Der Liefervertrag der EU mit dem deutschen Corona-Impfstoff-Hersteller Biontech steht. Am Montag gab Biontech vielversprechende Informationen zur aktuellen Studie.

Den Menschen in Europa soll der Corona-Impfstoff der Pharmafirmen Biontech und Pfizer schnell nach einer Zulassung zur Verfügung stehen. "Die Verhandlungen mit der Pharmaindustrie sind abgeschlossen", bestätigten Kommissionskreise am Dienstag in Brüssel. "Der Vertrag ist in trockenen Tüchern."

Nach Vertragsabschluss in der EU haben alle 27 Länder gleichzeitig Zugriff auf erste Lieferungen. Sie sollen nach Bevölkerungsstärke verteilt werden. Das würde für Österreich etwa zwei Prozent der verfügbaren Dosen ausmachen.

Biontech: Corona-Impfstoff biete 90-prozentigen Schutz

Biontech und Pfitzer hatten am Montag bekanntgegeben, dass ihr Impfstoff einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor Covid-19 biete. Eine Zulassung zunächst in den USA soll frühestens kommende Woche beantragt werden. Etwaige Langzeitfolgen müssen in den kommenden zwei Jahren aber erst untersucht werden.

Die EU-Kommission verhandelt seit Monaten mit Biontech und Pfizer. Nach Vorgesprächen hatte die Behörde schon im September erklärt, sie wolle bis zu 300 Millionen Impfstoff-Dosen der Hersteller beziehen. Ein Rahmenvertrag war aber noch nicht zustande gekommen - anders als bei drei anderen Impfstoff-Herstellern.

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn erwartet einen zügigen Zulassungsprozess. So würden nicht wie üblich erst alle Daten gesammelt und dann nach Ende der Zulassungsstudie bei den Behörden eingereicht. Diesmal laufe das in direktem Austausch. Sowohl eine Zulassung in den USA als auch eine in Europa würden sehr zügig geschehen. Spahn versicherte: "Die Anforderungen, die wir stellen (...), sind nicht irgendwie abgesenkt oder geändert."

EU-Länder haben sich zu gemeinsamem Liefervertrag durchgerungen

Deutschland als attraktiver Pharmamarkt hätte wie andere große EU-Staaten mit den Unternehmen auch alleine einen Vertrag schließen können, sagte Spahn. Doch mit Frankreich, Italien und den Niederlanden habe man sehr stark dafür geworben, dass dies die Kommission für alle EU-Staaten macht. Denn sonst hätten kleinere Staaten das Nachsehen gehabt. "Das ist manchmal etwas mühsamer, aber am Ende, wenn wir zusammenstehen, sind wir zusammen stärker."

Der CSU-Europapolitiker Manfred Weber sagte, es habe am Schluss noch Diskussion darüber gegeben, dass Pfizer auch das Haftungsrecht Europas zu respektieren habe. Europa habe mit einer Stimme gesprochen, gegenüber dem US-Konzern Pfizer habe man so stärker auftreten können.

NGOs wie Amnesty International und World Vision mahnten unterdessen die Verfügbarkeit des Impfstoffes auch für Länder mit geringeren finanziellen Möglichkeiten ein. Die Gewinne der Pharmaunternehmen dürften nicht über die Gesundheit von Milliarden von Menschen gestellt werden, betont Tamaryn Nelson, Researcherin bei Amnesty International.

Markus Zeitlinger, Leiter der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie der MedUni Wien, warnt vor einer Zulassung für ältere Menschen, bevor diese Studien eingeschlossen werden. Ältere Menschen zu impfen, ohne dass es eine eigene Zulassung gibt, sei dann die Entscheidung der einzelnen Ärzte, sie müssen verantworten, ob sie ein Medikament verabreichen.

Anschober will Impfquote von über 50 Prozent

Gesundheitsminister Rudolf Anschober sagt, sein Ziel sei, in Österreich „eine Impfquote jedenfalls von 50 Prozent zu erreichen“. "Alle in Österreich lebenden Personen sollen sich auf freiwilliger Basis impfen lassen können", meinte er am Dienstag in einer Aussendung.

"Wir habe gute Chancen, im ersten Quartal 2021 die ersten Lieferungen von Impfdosen nach Österreich zu erhalten. Eine strenge Sicherheitsüberprüfung ist der entscheidende Faktor bei den Zulassungsverfahren. Wir bereiten aktuell die Impfstrategie und Impflogistik vor", so Anschober.

Corona-Impfstoff von Biontech basiert auf Technologie einer Krebstherapie

Gegründet wurde Biontech im Jahr 2008 von den Wissenschaftern Uğur Şahin und dessen Frau Özlem Türeci zusammen mit dem österreichischen Krebsforscher Christoph Huber. Vor der Corona-Pandemie arbeiteten die rund 1.500 Beschäftigten des Unternehmens an neuen Immuntherapien für Krebspatienten auf Basis der sogenannten mRNA-Technologie.

Dabei wird der genetische Bauplan für modifizierte Virus-Bestandteile in den Körper injiziert. Zellen nehmen diese Erbinformation auf und produzieren daraus harmlose Erregerteile, worauf das Immunsystem reagiert. Es speichert die Immunantwort ab, die später gegen eine echte Infektion schützt.

Auf diese Technologie setzte Biontech auch bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs. Der Vorteil gegenüber traditionellen Impfstoffen besteht nicht zuletzt darin, dass die Entwicklung schneller möglich ist. (APA/Red.)

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