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Servus Reportage

Das Milliardengeschäft mit gutem Schlaf

25. Okt.
Wristwatch, Person, Human

© Shutterstock

Immer mehr Unternehmen – vom Start-Up bis zu Weltkonzernen wie Google und Apple – entdecken, wie lukrativ das Milliardengeschäft mit dem guten Schlaf ist.

Rund um Ein- und Durchschlafhilfen wie Medikamente, Apps und Schlaf-Tracker, Nahrungsergänzungsmittel oder optimierte Bett-Ausstattung ist eine regelrechte Industrie entstanden, genannt: Sleeponomics.

Mehr Schlafstörungen seit Pandemie-Beginn

Seit Beginn der Corona-Pandemie sind Schlafstörungs-Erkrankungen in Österreich von sieben auf mehr als fünfzehn Prozent gestiegen. Studien belegen, dass bereits mehr als 80 Prozent der Erwerbstätigen einen schlechten, gestörten und damit auch biologisch zu kurzem Schlaf haben. Dass es auch deutlich mehr Schlafstörungen bei Kindern und Jugendlichen gibt, belegt eine Untersuchung der Universität Salzburg: jeder dritte Sechs- bis Vierzehnjährige leidet unter Problemen mit dem Ein- und Durchschlafen.

Die Gründe sind vielfältig: Gestörte Routine, anhaltende Unsicherheit und Zukunftsängste. Dazu kommt, das blaue Licht von Smartphone- oder Laptopbildschirmen verzögert die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin und hält uns länger munter. Auch dazu forschen die Mediziner an der Uni Salzburg und empfehlen zumindest Blaulicht-Filter zu nutzen. Vor allem der Mangel an Tageslicht und wenig Bewegung können vor allem bei Kindern zu Schlafproblemen führen.

Bei Problemen mit dem Schlaf ist Präzisionsmedizin erforderlich

Im Schlaflabor des AKH in Wien haben Experten so einen Zulauf registriert, dass sogar ein Aufnahme-Stopp verhängt worden ist. Dr. Stefan Seidel ist der Leiter des Institutes und erklärt: „Viele kommen ins Schlaflabor und glauben wir können sagen, warum sie schlecht schlafen, aber das Schlaflabor kann keine Aufschlüsse über die Kausalzusammenhänge geben. Bei Schlafproblemen ist Präzisionsmedizin erforderlich. Jeder Mensch reagiert anders auf das Problem, daher ist kein Medikament allein hilfreich. Und daher gibt es damit auch so viel Geschäftemacherei.“

Dazu zählen die populären, smarten Tracker von Gesundheitsdaten, die Schlafdauer-Tiefe und Qualität überwachen. Schlafmediziner wie Dr. Stefan Seidel bewerten den Boom kritisch. „Sich verstärkt selbst zu beobachten, ist kontraproduktiv, Anspannung ist der Feind des Schlafes.“ In Österreich sind bis zu 250.000 Menschen abhängig von Schlaf- und Schmerzmitteln. Tendenz steigend. Der Grund: Viele Ärzte verschreiben diese Medikamente oft zu leichtfertig.

Aber auch im Internet sind rezeptpflichtige Medikamente problemlos zu bekommen. Immer erfolgreicher wird auch Cannabidiol, kurz CBD. Rund 53 Prozent der 16- bis 29-Jährigen glauben an die Wirksamkeit von CBD für die Nachtruhe, so eine Studie. Laut dem Schlafmediziner Dr. Stefan Seidel ist um CBD gerade ein Hype entfacht. Dass immer mehr Menschen auch in Österreich CBD-Präparate zum abendlichen Entspannen nutzen, wird viel zu unkritisch behandelt, warnt der Experte. Zwar wird durch CBD das Einschlafen beschleunigt, allerdings wirkt sich die Substanz langfristig negativ auf die Schlaftiefe aus.

Den Wunsch, dass durch teure technische Hilfsmittel zu erreichen, sieht Dr. Stefan Seidel aber kritisch: „Wir müssen wieder lernen, uns auf die Nachtruhe einzulassen, den Tag abzuschließen und nicht schon am Abend wieder an die nächste To-Do-Liste zu denken.“

Servus Reportage: Reich im Schlaf – wie gesunde Nachtruhe vermarktet wird, am Donnerstag, 28. Oktober um 21:10 Uhr bei ServusTV.

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