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Hat man gegen radikale Islamisten zu wenig unternommen?

26. Nov.
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Der Terror-Anschlag in Wien kam für viele Experten, die die sich mit radikalen Islamisten beschäftigen, nicht überraschend. Eine Servus Reportage und der Talk im Hangar-7 beleuchten den Islamismus in Österreich und Europa.

Paris, Wien und jetzt die Messerattacke in Lugano. Die blutige Spur des radikalen Islamismus zieht sich quer durch Europa. Am 2. November 2020 ist Österreich erstmals zur Zielscheibe des islamistischen Terrors geworden. Ein Angreifer tötet innerhalb von neun Minuten vier Menschen und verletzt 22 weitere.

Wurde gegen radikale Islamisten zu wenig unternommen?

Bundeskanzler Sebastian Kurz will nach dem Attentat gegen den radikalen Islam in Österreich vorgehen. Lange Zeit wurde politisch allerdings nichts unternommen. Und das, obwohl Islamisten immer wieder für Schlagzeilen gesorgt haben. Berüchtigte Hassprediger bilden ihren "Nachwuchs" schon seit der Jahrtausendwende in Österreich aus. Mirsad O., der bekannteste von ihnen, hat bereits dutzende Jugendliche radikalisiert. Er hat sie aufgefordert, sich dem sogenannten Heiligen Krieg im Nahen Osten anzuschließen. 2016 ist der Prediger wegen Anstiftung zum Mord und Mitwirkung in einer terroristischen Vereinigung zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. 

Wieso hat der Staat nicht längst gegen den Islamismus entschlossen durchgegriffen und radikale Vereine und Organisationen verboten? Extremismusforscher, Historiker, Politologen und islamische Religionspädagogen in Österreich und Deutschland warnen schon lange vor radikalen Islamisten, türkischen Nationalisten und der Bildung gefährlicher Parallelgesellschaften. Viele von ihnen werden deshalb als "islamophob" diffamiert.

Hat falsch verstandene Toleranz, systematisches Wegschauen, Mutlosigkeit und Desinteresse in eine Sackgasse geführt? Bisher hat man nach Frankreich und Deutschland geblickt, doch nun betrifft Radikalisierung und Extremismus das eigene Land.

Deradikalisierung: Mythos oder Wahrheit?

Die Servus Reportage wirft einen Blick auf die islamistische Szene in Österreich und zeigt, wie die Behörden mit islamistischen Gefährdern und ehemaligen IS-Kämpfern umgehen, die aus den Bürgerkriegsgebieten in Syrien und dem Irak zurück nach Österreich gekehrt sind. Können Jihadisten wirklich deradikalisiert werden oder handelt es sich dabei um einen Trugschluss?

Wie verbreitet ist radikalislamisches Gedankengut unter den in Österreich lebenden Muslimen? Was passiert in der Parallelgesellschaft der islamischen Kindergärten, in den Schulen, Vereinen? Und wie kann man der jungen Generation begegnen, die zwar in Österreich geboren worden ist, aber über Religion und Regeln sozialisiert worden ist.

Zusammenhänge hinter der Terror-Nacht in Wien

Heiko Heinisch, Historiker und Sachbuchautor, warnt seit Jahren vor falsch verstandener Toleranz gegenüber islamistischen Organisationen wie den Muslimbrüdern oder den Grauen Wölfen. Sein Vorwurf: Viel zu oft schauen Behörden aus falsch verstandener Toleranz bewusst weg. Der Referatsleiter der Polizei-Spezialeinheit Cobra, Oberst Gerald Haider, erklärt, warum der islamistische Terror die Behörden vor gänzlich neue Herausforderungen stellt.

Franz Schabhüttl, dreizehn Jahre lang Leiter des Erstaufnahmezentrums für Asylwerber in Traiskirchen, wirft der Politik vor, dass es jahrzehntelang keine aktive Integrationspolitik gegeben hat, stattdessen wurde Toleranz gepredigt. Der Meinung von Psychiater und Gerichtsgutachter Reinhard Haller nach sind vor allem Außenseiter und junge Männer besonders empfänglich für die radikalen Hassbotschaften. Politikwissenschaftler und Extremismusforscher Vedran Džihić sieht den Balkan als das wichtigste jihadistische Zentrum Europas.

Servus Reportage: Radikalisierte Islamisten – Die ignorierte Gefahr, am Donnerstag, 26. November, um 21:10 Uhr bei ServusTV.

Talk: Zu viel Toleranz?

Führende Islamwissenschaftler schlagen Alarm. Europas Regierungen wirkten zusehends hilflos gegenüber Islamisten, die in manchen Metropolen wie Paris längst die Kontrolle über komplette Stadtviertel übernommen hätten. Kritisiert wird eine viel zu tolerante Integrationspolitik.

Auch liberale Muslime sehen ihre Idee eines aufgeklärten, europäischen Islams zusehends in Gefahr. Sie warnen vor einer jungen Generation an Glaubensbrüdern, die sich allzu leicht durch religiöse Agitatoren radikalisieren ließen.

Was läuft falsch im Umgang mit dem radikalen Islam? Haben Politik und Behörden zu lange billigend weggeschaut? Oder kommen Großrazzien wie zuletzt in Österreich, bei der Spezialeinheiten Wohnungen von Muslimbrüdern und Hamas-Mitglieder durchsuchten, gerade noch rechtzeitig, um Strukturen des radikalen Islams zu schwächen?

Die Gäste beim Talk im Hangar-7

Österreichs Integrationsministerin Susanne Raab sieht die Politik in der Pflicht, den radikalen Islam mit harten Maßnahmen zu bekämpfen und hofft dabei auf die Unterstützung der friedlich im Land lebenden Muslime. Konvertitin Katja Schneidt fand Halt im Koran und sieht im liberalen Islam eine Bereicherung für die europäischen Gesellschaften.

Der deutsch-israelischer Psychologe und Bestsellerautor Ahmed Mansour warnt vor einer zunehmenden Gefahr durch religiöse Fanatiker und zweifelt an der Reformierbarkeit des Islams. Der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide hofft auf die Idee eines aufgeklärten Islams, der für ihn zu Europa gehört wie auch das Christentum.

Talk im Hangar-7 zum Thema „Radikaler Islam: Sind wir zu tolerant?“, am Donnerstag, 26. November, um 22:10 Uhr bei ServusTV.

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