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Überfall auf Schulbrüder: Verdächtiger in Kroatien festgenommen

14. Juni
Überfall auf Schulbrüder geklärt

Gilbert Novy / KURIER / picturedesk.com

Der Überfall auf sechs Ordensbrüder der Wiener Schulbrüder in Wien-Floridsdorf kurz nach Weihnachten 2018 ist geklärt.

Ein 49-jähriger Tatverdächtiger ist in Haft und zeigt sich umfassend geständig. Sein Motiv für den Überfall war Hass auf die katholische Kirche, wie die Ermittler bekannt geben. Eine DNA-Spur führte die Kriminalisten zu dem Kroaten, der am 11. Mai in seiner Heimat festgenommen wurde.

Über 500 Spuren wurden nach der Tat am 27. Dezember 2018 laut dem leitenden Ermittler, Chefinspektor Helmut Pöttler vom Landeskriminalamt Wien, gesichert. Viele Spuren hatte der Täter mit einem chemischen Mittel zerstört, bei anderen handelte es sich um Mischspuren, allerdings wurde auf einer Wasserflasche dann eine vollständige DNA-Spur sichergestellt. In Österreich gab es laut Pöttler keinen Treffer zu dem Unbekannten.

DNA-Treffer in Deutschland

Deshalb wurde in den angrenzenden Ländern nachgefragt. Im Frühjahr 2021 kam die Information aus Deutschland, dass die DNA bereits an einem Tatort Anfang der 2000er-Jahre sichergestellt wurde. Die Erbinformation gehört zu einem Kroaten, der im Nachbarland wegen schweren Raubes und Geiselnahme verurteilt worden ist.

Als bekannt wurde, dass sich der Verdächtige in Kroatien aufhalten soll, wurde vonseiten der Wiener Staatsanwaltschaft eine nationale Festnahmeanordnung und ein europäischer Haftbefehl ausgestellt. Ermittler des Landeskriminalamtes Wien arbeiteten da eng mit dem Bundeskriminalamt und den kroatischen Ermittlungsbehörden zusammen. Den 49-Jährigen festzunehmen gestaltete sich nämlich schwierig, weil er keinen festen Wohnsitz hatte und auf der Straße lebte.

Verdächtiger in Kroatien verhaftet

Am 11. Mai konnte er dann endlich von Zielfahndern ausfindig gemacht und in Haft genommen werden. Vergangene Woche wurde er ausgeliefert und befindet sich seit vergangenem Donnerstag in der Justizanstalt Josefstadt, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, Nina Bussek. Er wollte zunächst keine Angaben machen, zeigte sich mittlerweile aber laut der Behördensprecherin nicht nur umfassend geständig, sondern auch "äußerst kooperativ".

Gegen ihn wird wegen des Verbrechen des schweren Raubes, des Verbrechens der Freiheitsentziehung und wegen des Verstoßen gegen das Waffenverbot ermittelt. Die Strafandrohung liegt bei diesen Delikten bei fünf bis 15 Jahren.

Hass auf Kirche als Motiv

Bei dem Verdächtigen handelt es sich um einen gebürtigen Serben, der allerdings die kroatische Staatsbürgerschaft hat. Mit drei Jahren war der 49-Jährige mit seiner Familie nach Deutschland ausgewandert. Er war auch immer wieder in Österreich.

Laut Ermittler Pöttler sei der Mann ein sehr gläubiger Mensch, der "irgendwann den Entschluss gefasst habe, er hasse die Kirche, er muss sich an der Kirche rächen", nachdem es zu Berichten über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche gekommen ist. Aus diesem Grund ist er nach Österreich gereist, hat sich ein Objekt ausgesucht und die Örtlichkeit genau angesehen. Einen persönlichen Bezug zu den Wiener Schulbrüdern hatte er nicht.

Leiter des Ermittlungsdienstes von "Brutalität" überrascht

Der Täter brach am 27. Dezember 2018 kurz nach Mittag durch die katholische Kirche Maria Immaculata in Strebersdorf ins angrenzende Gebäude der von den Geistlichen betriebenen De La Salle-Schule ein. Nach und nach überwältigte er einen Ordensbruder nach dem anderen. "Die Brutalität und Intensität (des Verbrechens) war auch für mich überraschend", sagte der erfahrene Leiter des Ermittlungsdienstes des Landeskriminalamts Wien, Oberst Michael Mimra.

Die Geistlichen wurden brutal durch Schläge - u.a. mit einer Eisenstange - und Tritte zu Boden gebracht. Weitere Misshandlungen seien in einem nahegelegenen Büroraum gesetzt worden. Alle Opfer wurden gefesselt und geknebelt. Fünf Schulbrüder sind schwer verletzt worden, einer der Kirchenmänner befand sich sogar "einige Monate", so Mimra, in Lebensgefahr. Erst nach rund vier Stunden konnte einer der Überfallenen seine Fesseln abstreifen und Hilfe holen.

Waffe nahe des Tatorts vergraben

Nach dem Überfall, bei dem er eine Faustfeuerwaffe, Bargeld, ein iPad, eine Fotokamera und Festplatten geraubt hatte, verschanzte er sich 300 Meter vom Tatort entfernt in einem Waldstück nahe dem Sportplatz, der noch zum Gelände der Schulbrüder gehört. Dort verharrte er einige Stunden versteckt im Gebüsch. Dann vergrub er dort die Waffe, eine SIG Sauer P226 mit sechs Patronen im Magazin, und trat die Flucht Richtung Innenstadt an. Nach einigen Tagen kehrte er wieder zurück in seine Heimat. Die Waffe wurde nun mithilfe des Verdächtigen am Freitag an dem Versteck gefunden und sichergestellt.

Trotz Belohnung keine Hinweise

Jahrelang fehlte vom Täter jede Spur. "Es hat sehr lange so ausgesehen, dass der Fall nicht zu lösen ist", sagt Pöttler im Gespräch mit der APA und zeigt sich stolz auf seine Mitarbeiter. Denn auch eine Belohnung von 30.000 Euro, die Veröffentlichung eines Phantombildes und ein Fahndungsaufruf in der Sendung "Aktenzeichen XY" brachten zunächst keinen entscheidenden Hinweis. Laut Bussek sei der Fahndungserfolg der "akribischen und präzisen Tatortarbeiten" zu verdanken.

Erleichterung bei Christlichen Schulen

Die Kongregation der Brüder der Christlichen Schulen und der Schulverein De La Salle zeigen sich in einer schriftlichen Stellungnahme erleichtert über die Nachricht der Festnahme eines Tatverdächtigen. "Für die engagierte Arbeit dürfen wir unseren besonderen Dank an die Wiener Polizei aussprechen. Sowohl unmittelbar nach dem Überfall, als auch in den darauffolgenden jahrelangen akribischen Ermittlungen, agierten alle Beteiligten höchst professionell und mit sehr viel Einfühlungsvermögen", heißt es. (APA/Red.)

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