Der Auftakt-Gegner von Dominic Thiem bei den Australian Open scheint schon mal machbar. Doch wie könnte es danach für ihn auf dem Weg zum erhofften Grand-Slam-Erfolg weitergehen?

Runde eins: Der Auftakt-Gegner

Der erste Prüfstein für Dominic Thiem in Melbourne heißt Adrian Mannarino und kommt aus Frankreich. Gegen den Linkshänder hat Österreichs Nummer eins bislang eine weiße Weste und konnte alle sieben Duelle für sich entscheiden. Seit 2016 hat Thiem gegen seinen 31-jährigen Kontrahenten sogar keinen Satz mehr abgegeben. Das letzte Aufeinandertreffen fand bei den Australian Open 2018 statt, als der Lichtenwörther glatt mit 6:4, 6:2 und 7:5 ins Achtelfinale stürmte. Hier sollte Thiem nichts anbrennen lassen.

Runde zwei: Ein Pflichtsieg

Als nächstes würde Dominic Thiem auf den Sieger der Begegnung zwischen Alex Bolt und Albert Ramos-Vinolas treffen. Der 27-jährige Australier Bolt ist ein alter Bekannter von Thiem. Beide standen sich nämlich schon 2012 gegenüber – damals noch auf der Future-Tour. Im Head to Head steht es hier 1:1. Weil das letzte Duell aber fast acht Jahre zurückliegt, hat diese Statistik nur wenig Aussagekraft. Der Blick auf die Weltrangliste zeigt die Kräfteverhältnisse da schon eher: Hier liegt Thiem über 150 Plätze vor dem Lokalmatador.

Wahrscheinlicher ist aber, dass sich der Spanier Ramos-Vinolas durchsetzen wird. Der liegt in der Weltrangliste auf Platz 42 und konnte Dominic Thiem in bislang drei Duellen einmal besiegen. Das letzte Mal standen sich beide im Finale von Kitzbühel gegenüber, als Thiem nach einem Zweisatz-Erfolg einen viel umjubelten Heimsieg feierte.

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Bei den Australian Open trifft Dominic Thiem in Runde eins auf Adrian Mannarino. Erster möglicher gesetzter Gegner wäre in Runde drei der US-Amerikaner Taylor Fritz.

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Runde drei: Der Knackpunkt

Entscheidend für Thiems Abschneiden in Melbourne könnte der dritte Auftritt des Österreichers werden. Aller Voraussicht nach stehen ihm dabei entweder Taylor Fritz oder Kevin Anderson gegenüber. Im Zweitrunden-Duell der beiden ist der Südafrikaner Anderson leichter Favorit, obwohl der US-Boy fast 100 Plätze vor ihm rangiert. Die schlechte Platzierung Andersons im Ranking rührt aber von der langen Verletzungspause, die der zweimalige Grand-Slam-Finalist im Vorjahr einlegen musste. Beim ATP Cup präsentierte sich Anderson aber wieder bärenstark.

Auch das Head to Head mit Thiem spricht für den Aufschlag-Riesen. In den bisherigen neun Duellen behielt Anderson sieben Mal die Oberhand. Auch das letzte Aufeinandertreffen bei den ATP Finals 2018 ging an den Südafrikaner.

Sollte sich Youngster Taylor Fritz durchsetzen, sieht es für Dominic Thiem schon deutlich besser aus. Gegen den 22-Jährigen führt der Österreicher im Head to Head mit 2:1. Im letzten Duell beim Laver-Cup musste Thiem allerdings eine bittere Niederlage einstecken.

Achtelfinale: Das Traumlos

Wenn es so etwas in einem Grand-Slam-Achtelfinale überhaupt geben kann, dann hat es Dominic Thiem erwischt. Sowohl gegen Gael Monfils als auch gegen Felix Auger-Aliassime wäre der Lichtenwörther in einem möglichen Achtelfinale klar der Favorit. Gegen den Franzosen Monfils ist Thiem in bislang fünf Duellen noch unbesiegt. Und bei den letzten French Open zeigte er dem 33-Jährigen in drei Sätzen klar die Grenzen auf.

Gegen Auger-Aliassime hat Thiem dagegen bis dato noch kein Match bestritten. Dennoch würde dabei einiges für den Österreicher sprechen. Zum einen liegt er allein in der Weltrangliste 17 Plätze vor dem Kanadier. Zum anderen befindet sich der Youngster aktuell in einem Tief, konnte beim ATP Cup alles andere als überzeugen.

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Viertelfinale: Ein Kracher

In der Runde der letzten Acht könnte dann mit Rafael Nadal ein absoluter Hochkaräter auf Thiem warten. Beide kennen sich bestens und standen sich in den letzten zwei French-Open-Finals gegenüber. In beiden Partien war der Mallorquiner am Ende eine Nummer zu groß für Thiem. Und auch bei den US Open 2018 behielt Nadal in einem Fünfsatz-Thriller die Oberhand. Was gäbe es also schöneres aus Sicht von Thiem, als sich beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres zu revanchieren?

Zwar liegt der Weltranglisten-Erste im Head to Head mit 9:4 recht deutlich in Front. Doch chancenlos wäre Thiem in diesem möglichen Viertelfinal-Duell auf keinen Fall. Seine starke Vorjahres-Form auf Hartplatz müsste der Österreicher aber mindestens wiederfinden, um Nadal erstmals bei einem Grand Slam zu schlagen.

Der Aufstieg von Nadal ins Viertelfinale ist aber alles andere als in Stein gemeißelt. Besonders der Name Nick Kyrgios im Turnier-Ast des Spaniers dürfte vielen Nadal-Fans nur so mittel gefallen. Der Lokalmatador ist die personifizierte Tennis-Wundertüte. Wenn Kyrgios Lust hat, kann er jeden Spieler auf dem Planeten schlagen – das weiß auch Roger Federer. Wie der „Maestro“ musste auch Nadal schon bittere Niederlagen gegen den Showman aus Australien einstecken, liegt im Head to Head aber dennoch knapp mit 4:3 in Front.

Sollte Kyrgios aber so auftreten wie über weite Strecken des ATP Cups, dürfte es ein ganz heißer Tanz um den Einzug ins Viertelfinale werden. Thiem und Kyrgios trafen erst einmal aufeinander, seinerzeit musste der Australier im ersten Satz aufgeben. Thiem hätte aber sicher nichts gegen ein Wiedersehen im Rahmen eines Grand-Slam-Viertelfinals einzuwenden.

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Halbfinale: Das direkte Duell

Um nicht weniger als Platz vier in der Weltrangliste könnte es dann im Halbfinale gehen. In letzter Sekunde hatte Daniil Medvedev Thiem noch den vierten Platz im ATP-Ranking weggeschnappt. Das bescherte dem Russen die bessere Setzung bei den Australian Open. Dennoch trennen beide nur wenige Punkte in der Weltrangliste. Ergo winkt dem Gewinner dieses Duells die Rolle des ersten Verfolgers der großen Drei im ATP-Ranking.

Ein Sieg von Thiem wäre aber wohl eine kleine Sensation. Denn Medvedev präsentierte sich in den letzten Monaten gerade auf Hartplatz in Top-Form. Zwar liegt der Österreicher im Head to Head mit 2:1 in Front, kam im letzten Aufeinandertreffen aber böse unter die Räder. Aber: Steht Thiem erstmal im Halbfinale, ist dem Lichtenwörther alles zuzutrauen. Denn wie stark er ist, hat der Österreicher noch vor kurzem bei den ATP Finals eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Der Vollständigkeit halber ist hier auch noch Alexander Zverev zu nennen. Der an Nummer sechs gesetzte Deutsche befindet sich derzeit aber in einer absoluten Formkrise. Zverev müsste schon eine 180-Grad-Drehung hinlegen, um bei den Australian Open ein Wörtchen mitreden zu können. Dass in dem Deutschen das Zeug zum Grand-Slam-Champion schlummert, ist aber unbestritten. Das zeigt nicht zuletzt sein sensationeller Erfolg bei den ATP Finals 2018. In einem Halbfinale gegen Zverev wäre dann aber Thiem der Favorit. Im Head to Head liegt er mit 6:2 in Front und konnte das letzte Duell bei den ATP Finals relativ klar für sich entscheiden.

Finale: Die letzte Hürde

Thiems „Endgegner“ auf dem Weg zum ganz großen Triumph würde wohl Novak Djokovic heißen. Der Serbe ist nach seinen starken Leistungen beim ATP Cup, wo er ungeschlagen blieb und so den Titel für Serbien beinahe im Alleingang holte, einer der absoluten Top-Favoriten in Melbourne. Gegen Djokovic hat Thiem aber eine absolut vorzeigbare Bilanz aufzuweisen. Im Vorjahr konnte der Österreicher zwei der drei Duelle für sich entscheiden. Und bei den ATP Finals bog er den „Djoker“ sogar auf Hartplatz. Natürlich ist es aber eine andere Hausnummer, Djokovic dessen achten(!) Australian-Open-Titel streitig machen zu wollen. Keinem anderen Spieler liegen die Verhältnisse in „Down Under“ so sehr wie dem Weltranglisten-Zweiten.

Aber auch Roger Federer will bei den Australian Open ein Wörtchen mitreden. Fernab des ATP Cups bereitete sich der „Maestro“ auf die neue Saison vor. Und dürfte daher so ausgeruht wie kein anderer Spieler ins erste Grand Slam des Jahres gehen. Aber auch an den Schweizer hat Dominic Thiem durchaus positive Erinnerungen. Konnte er doch im Duell mit Federer seinen bislang größten Erfolg feiern und das ATP Masters in Indian Wells für sich entscheiden. Und auch im letzten Duell der beiden behielt der Lichtenwörther die Oberhand, besiegte Federer im Auftakt-Match der ATP Finals glatt in zwei Sätzen.

Bis Dienstag müssen sich Österreichs Tennis-Fans aber noch gedulden, bis Dominic Thiem in Melbourne ins Geschehen eingreifen wird. Thiem hat bei den Australian Open die Chance, als zweiter Österreicher nach Thomas Muster einen Grand-Slam-Titel im Einzel zu erringen. Was also könnte zu diesem Vorhaben besser passen als Muster selbst? Der frühere Weltranglisten-Erste wird neben Coach Nicolas Massu in der Box von Dominic Thiem Platz nehmen…