Vor seinem ersten Match bei den bett1ACES sprach der Weltranglisten-Dritte Dominic Thiem über das Steffi-Graf-Stadion, Rasentennis und die Zeit des Lockdowns.

Innerhalb einer Woche spielen Sie einen Belags-„Grand Slam“. Letzte Woche auf Sand in Kitzbühel, diese Woche Gras und Hardcourt bei bett1ACES in Berlin. Das ist eine ziemliche Herausforderung?

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Dominic Thiem: Ja, eine sehr große. Zuerst Kitzbühel mit der Höhenlage und jetzt hier bei bett1ACES in Berlin. Es ist mein erstes Rasenmatch seit Wimbledon 2019. Ich fühle mich wohl und habe zuletzt auf vielen verschiedenen Belägen gespielt.

Am Sonntag hatten Sie Ihr erstes Training im Steffi-Graf-Stadion. Ihr erster Eindruck?

Ich kannte das bisher nur vom Internet. Ich bin am Sonntag das erste Mal hergekommen und war sehr positiv angetan von der Anlage und dem Stadion. Super Sache – schade, dass hier kein WTA-Turnier in diesem Jahr stattfinden kann, aber es ist richtig cool, dass die bett1ACES jetzt gespielt werden.

Es geht am Dienstag (16:00 Uhr live bei ServusTV) für Sie bei bett1ACES los. Sinner oder Haas – zwei sehr unterschiedliche Typen, auch vom Alter her. Gegen wen würden Sie lieber spielen?

Ich habe gegen beide noch nicht gespielt. Ich würde gerne mal ein echtes Match gegen Tommy spielen, er ist ein großes Vorbild in vielen Sachen, vor allem bei der Rückhand. Er hat ein sehr ästhetisches Spiel. Ich habe  bisher nur einmal bei den Tiebreak-Tens in Wien gegen ihn gespielt und würde gerne mal ein richtiges Match gegen ihn bestreiten. Gegen Jannik werde ich in der Zukunft sicher noch öfter spielen.

Ihre Beziehung zu Rasen?

Es macht mir Riesenspaß, auf Rasen zu spielen. In den letzten Jahren hat die Vorbereitung darunter gelitten, weil ich in Paris so weit gekommen bin, was natürlich positiv war. Aber mir haben halt dann die Stunden auf Rasen gefehlt. 2016 hatte ich echt große Erfolge – Sieg in Stuttgart, Halbfinale in Halle. Ich freue mich darauf, dass ich trotz ATP-Absage jetzt noch zwei Spiele auf Rasen haben kann. Deutschland und Rasen passen für mich gut zusammen.

Denken Sie, dass es soweit ist, dass man die Tour wieder starten soll?

Wenn es losgeht, würde ich sowieso nur Cincinnati und die US Open spielen. Die Entscheidung liegt beim US-Verband, beim Bürgermeister von New York und der US-Regierung. Ich denke, es steht alles auf wackligen Beinen. Wenn es stattfindet, sollte es auch für jeden sicher sein, dorthin zu reisen. Wir werden dort in einer Riesen-Bubble sein, wie man es bei der Formel 1 in Spielberg gesehen hat. 

Wie haben Sie die vergangenen Wochen und Monate im Lockdown und das Zurückarbeiten erlebt?

Es war eine komische und spezielle Zeit, die ich und wir alle so noch nie erlebt haben. Ich habe die ersten beiden Wochen gar nichts gemacht, bin nur daheim auf der Couch herumgelegen. Danach habe ich mit etwas Sport begonnen – in die Berge gehen, Inlineskaten und so. Ab 20. April durfte man in Österreich wieder Tennis spielen. Wir waren dann auch die Ersten in Österreich, die wieder ein Turnier hatten. Das war ein Ziel, auf das ich hinarbeiten konnte. Mit den ganzen Einladungsturnieren ist jetzt wieder eine gewisse Normalität zurückgekehrt. Mein Alltag schaut wieder relativ normal aus.

Sie waren in Topform vor dem Corona-Virus. Fühlen Sie sich um eine herausragende Saison „betrogen“?

Überhaupt nicht, die Situation kann man ja auch nicht ändern. Es gibt ja auch Wichtigeres als Sport und Tennis, von dem her muss man die Dinge abwägen. Es gibt auch Spieler, die es viel schlimmer als mich erwischt hat. Ich hatte sechs, sieben unglaubliche Jahre auf der Tour. Die Pause jetzt ist bitter, aber was sollen die Leute sagen, die jetzt gerade raufgekommen sind oder Spieler, die bald ihre Karriere beenden werden und jetzt ein halbes Jahr verloren haben? Zurzeit sind andere Sachen wichtiger als Sport, das muss man sich immer vor Augen führen.

Sie haben in letzter Zeit viele private Turniere gespielt. Wie sicher fühlen Sie sich hier?

Ich denke, dass es hier total sicher ist. Die Regeln hier sind sehr strikt – so wie letzte Woche in Kitzbühel. Wir haben dort versucht, jedes Risiko zu vermeiden. Hier sind alle Maßnahmen ebenfalls perfekt.

Würden Sie sagen, dass die Adria Tour ein Fehler war?

Natürlich war es ein Fehler, das kann man nicht bestreiten. Es war so, dass wir aus dem Lockdown dorthin gereist sind und plötzlich wieder Normalität vorhanden war. Es hat niemand irgendwelche Gesetze gebrochen. Aber wir haben ein bisschen den Bezug zur Realität dort verloren und uns von der Euphorie der Fans anstecken lassen. Ich denke, das wurde besprochen und seitdem sind genug positive Dinge passiert.

Die Absage von Alexander Zverev für die bett1ACES in Berlin hat viel Staub aufgewirbelt. Es hat auch einige Zwischenrufe aus Australien gegeben. Können Sie noch was dazu sagen oder ist das Thema für Sie durch?

Das ist generell für mich durch. Sascha wird Gründe für seine Absage haben, das hat er auf Social Media auch argumentiert. Gewisse Meinungen, vor allem aus Australien, sind entbehrlich.

Sind Sie enttäuscht, dass Sie so viel Kritik wegen der Adria Tour bekommen haben?

Nein, die Kritik war ja nicht unfair. Wir machen alle Fehler, aber irgendwann wurde es vielleicht ein bisschen zu viel. Novak und wir anderen haben kein Verbrechen begangen und wir haben aus den Fehlern gelernt.

Sie betonen immer, dass Sie gerne Turniere in Deutschland spielen. Welche Beziehung haben Sie zu Berlin?

Ich war einmal vor vier Jahren hier für ein Fußballmatch und habe mir da ein paar Sachen angeschaut. Berlin ist eine sehr geile Stadt mit unglaublich unterschiedlichen Stadtteilen. Ich spiele nach wie vor sehr, sehr gerne hier in Deutschland. Letztes Jahr musste ich leider Halle absagen, aber ich bin froh, dass ich jetzt wieder einige Zeit in Berlin sein kann.

Dominic Thiem im Livestream:

ALles zu bett1aces in berlin: