Experten sind sich einig: Die Wahrscheinlichkeit eines überregionalen Stromausfalls steigt. Doch ein Blackout hätte weitreichende Konsequenzen.

Auch wenn es für viele schwer vorstellbar ist, aber das Leben kommt durch ein Blackout fast gänzlich zum Stillstand. Wie gut ist man vorbereitet? Was tut die Politik? Wie sicher sind Stromnetze und Notfallsysteme?

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„72 Stunden ohne Strom“-Szenario

Eine Studie hat das Worst-Case-Szenario eines Blackouts beschrieben. Innerhalb von Sekunden würden sich Strom, Wasser, Mobilfunknetze, Internet und Ampelanlagen deaktivieren. Nach 24 Stunden würde begonnen werden Supermärkte, Banken und Tankstellen mit Bundesheer-Soldaten und Polizisten zu bewachen.

Nach 48 Stunden erwarten Experten, dass Brandherde entstehen würden und Abwässer Teile des Stadtgebietes überfluten. Nach 72 Stunden kommt es, laut Experten, zu ersten Ausschreitungen.

Ausfälle bereits vorgekommen

Zu den ersten größeren Ausfällen kam es bereits in jüngster Vergangenheit. 19. Februar 2019: Im Berliner Stadtgebiet kommt es zum großflächigsten und längsten Stromausfall seit dem Ende des 2. Weltkriegs. Betroffen waren über 35.500 Haushalte. 

Februar 2021: Texas ist „Out of Power“, tagelang müssen die Menschen ohne Strom auskommen. Heizung, fließendes Wasser und Licht fallen aus. Die Folgen sind dramatisch. Jänner 2021, 14:05 Uhr: In einem kroatischen Umspannwerk kommt es zu einer Störung. das Stromnetz in Europa steht kurz vor dem Kollaps.

Gibt es stromautarke Gemeinden?

Besonders im Stadtgebiet kann ein Blackout massive Folgen haben, warnt Herbert Saurugg, Blackout- und Krisenvorsorgeexperte. Saurugg beschäftigt sich seit Jahren mit den Auswirkungen eines totalen Stromausfalls: „Wir warnen seit Jahren vor der Problematik, doch in der Politik stoßen wir auf taube Ohren. Es gibt kaum eine Gemeinde, geschweige denn ein Bundesland, das sich tatsächlich auf die Auswirkungen eines Blackouts vorbereitet hat.“ 

Feldbach in der Steiermark bereitet sich allerdings schon seit längerem für ein Blackout-Szenario vor. Wasserversorgung, Stominseln und Betriebe, die für die Versorgungssicherheit sorgen, wurden geplant. Bürgermeister Josef Ober hat das Projekt seit Beginn vorangetrieben. Aber auch für Landwirte wären die Folgen dramatisch. Ein Beispiel zeigt ein Landwirt in Oberösterreich auf, der etwa 70 Kühe in seiner Obhut hat. Milchpumpen oder vollautomatische Melkroboter funktionieren ausschließlich mit Strom. Die Tiere nicht zu melken, würde ihren Tod bedeuten.

Proben für den Ernstfall

Bei Dunkelheit werden regelmäßig Blackout-Übungen abgehalten. Hektisch beginnen die Offiziere, Befehle zu kommandieren. Die Soldaten aktivieren ihre Taschenlampen und gehen an den Gefechtsstand. Interne Studien haben gezeigt, dass es wichtig ist, Einrichtungen wie Kasernen zu schützen, diese aber auch weiterhin funktionstüchtig zu erhalten.

Von hier aus kann man die Zivilbevölkerung schützen und wenn nötig auch versorgen. Stromaggregate werden aufgestellt und Feldfernsprecher kommen zum Einsatz. Das Netz der A1-Telekom würde eine Stunde nach einem Blackout zusammenbrechen. Deswegen ist es wichtig, eine eigene unabhängige Kommunikationsmöglichkeit zu haben. Auch die Tankstelle wäre nicht mehr einsatzfähig. Die Soldaten bauen daher eilig eine Pumpe auf, um die Fahrzeuge weiterhin befüllen zu können.

Servus ReportageBlackout – Kein Plan für den Notfall, am Donnerstag, 29. April um 21:10 Uhr bei ServusTV.