In einer turbulenten Schlussphase überschlagen sich in Silverstone die Ereignisse: Zwei Reifenschäden kosten das lange Zeit dominierende Mercedes-Duo Hamilton und Bottas einen Doppelsieg.

Lange hatte es am Sonntag in Silverstone nach einem lockeren Mercedes-Doppelsieg ausgesehen. Doch am Ende brauchte Lewis Hamilton eine gehörige Portion Glück. Nach einem Reifenschaden rettete der Formel-1-Weltmeister in der letzten Runde 5,8 Sekunden Vorsprung auf Max Verstappen im Red Bull. Dritter wurde Ferrari-Zukunftsaktie Charles Leclerc, Valtteri Bottas hatte schon zuvor ebenfalls einen Reifenschaden.

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Für Hamilton war es der siebte Heimsieg in Großbritannien und der insgesamt 87. Erfolg seiner Karriere. Die Rekord-Marke von Michael Schumacher mit 91 Siegen rückt damit für den 35-Jährigen immer näher. In der WM-Wertung führt Hamilton jetzt 30 Punkte vor seinem Teamkollegen Bottas, bei dem im Finish wie beim Weltmeister ein Reifen aufgab. Der Finne, der bis dahin das gesamte Rennen hinter Hamilton auf Platz zwei gelegen hatte, fiel dadurch noch aus den Punkterängen und wurde nur Elfter.

Hamilton-Heimsieg urplötzlich in Gefahr

„Auf der Geraden hat der Reifen schlapp gemacht. Das war so ein Moment, wo das Herz fast stehen bleibt“, sagte Hamilton. Wie auch bei Bottas war bei seinem Auto der linke Vorderreifen betroffen. Am Ende hatte sich der Gummi fast komplett von der Felge gewickelt. „Ich habe nur gebetet, es irgendwie noch hinzubekommen. So etwas habe ich auf der letzten Runde definitiv noch nie erlebt.“ Dabei sei er am Ende eigentlich ganz entspannt gewesen.

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Bei Verstappen, der sonst in einem ereignislosen Rennen gefangen war, keimte nur kurz noch einmal die Hoffnung auf den Sieg auf. Der Niederländer fuhr an die Box, um sich noch die schnellste Rennrunde zu sichern. Dann erfuhr er vom Reifenplatzer bei Hamilton – der Vorsprung des Konkurrenten war am Ende aber zu groß. „Im Rennen waren sie natürlich zu schnell“, sagte Verstappen über die Mercedes-Übermacht. „Aber Platz zwei ist ein gutes Ergebnis.“

Auch Leclerc freute sich über das Optimum. „Es war ein sehr schwieriges Rennen. Wir haben das beste Resultat geholt, das wir heute holen konnten“, meinte der Monegasse. Der Ferrari „kann noch nicht sein Potenzial abrufen. Aber wir sind zufrieden mit diesem Podium“.

Vettel erneut mit Horror-Wochenende

Bei Red Bull und Ferrari gab es allerdings einen großen Performance-Unterschied zwischen beiden Piloten. Alexander Albon, der für Thailand startende Red-Bull-Pilot, musste sich auch wegen einer Fünf-Sekunden-Strafe mit dem achten Platz begnügen. Bei Ferrari lahmte das Auto von Sebastian Vettel. Schon das ganze Wochenende hatte der Deutsche mit Technik-Problemen zu kämpfen. Im Rennen fand er nie seinen Rhythmus, holte als Zehnter gerade mal einen WM-Punkt.

Dass es am Ende noch einmal spannend wurde, hatte auch mit zwei Safety-Car-Phasen früh im Rennen zu tun. Auch die verhinderten, dass das Mercedes-Duo einen größeren Vorsprung herausfahren konnte. Zunächst musste der Tempo-Macher nach einem Unfall von Kevin Magnussen und Albon kurz nach dem Start auf die Strecke. Wenig später machte ein schwerer Einschlag von Daniil Kwjat in die Streckenbegrenzung den zweiten Einsatz des Mercedes AMG GT-R notwendig. Der Russe blieb dabei glücklicherweise unverletzt.

Hülkenberg-Comeback platzt vor dem Start

Für Racing-Point-Ersatzpilot Nico Hülkenberg war das Rennen bereits vor dem Start zu Ende. Am Auto, das der Deutsche von dem mit dem Coronavirus infizierten Sergio Perez übernommen hatte, wurde am Sonntag ein gröberes technisches Problem entdeckt. In der Boxengasse schafften es die Mechaniker nicht mehr, den Wagen startklar zu machen. „Es ist natürlich bitter“, sagte der Rheinländer zerknirscht.

Hülkenberg wird aller Voraussicht nach auch nächste Woche in Silverstone den zweiten Racing Point lenken. Eine finale Entscheidung werde aber erst am Mittwoch oder Donnerstag fallen, verriet Teamchef Otmar Szafnauer. Erst dann werde feststehen, ob der Mexikaner Perez von den Ärzten die Freigabe bekommt, um ins Cockpit zurückzukehren. (APA/red.)

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