Beide Werkspiloten tun noch ziemlich geheimnisvoll – aber Davide Tardozzi gibt sich keine Mühe, die neueste Technik-Entwicklung aus dem Hause Ducati kleinzureden.

Während Suzuki am ersten Tag des MotoGP-Tests auf dem Losail International Circuit in Katar mit Alex Rins und Joan Mir das Tempo vorgab, waren die Augen in puncto Technik auf Ducati gerichtet. Denn die Italiener waren am Samstag gleich bei mehreren Bikes mit einer Weiterentwicklung des Holeshot-Device unterwegs.

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In der Saison 2019 wurde dieses dazu verwendet, um die Gabel beim Start einfedern zu lassen und damit die Tendenz zum Wheelie zu minimieren. Nun aber beschränkt sich die Weiterentwicklung des Systems nicht allein auf das Vorderrad.

Dank eines neuen Schalters, der rechts neben dem linken Lenkerstummel angebracht ist, können die Ducati-Piloten nun während der Fahrt auch das Hinterrad einfedern. Genutzt wird das System am Kurvenausgang, um mehr Traktion für anschließende Geraden zu bekommen. Positiver Nebeneffekt: Ein geringerer Reifenverschleiß.

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Dovizioso und Petrucci tun (noch) geheimnisvoll

Dovizioso, der den ersten von drei Testtagen auf P11 abschloss, nachdem er zwischenzeitlich sogar geführt hatte, hält sich auf Nachfrage zur technischen Neuentwicklung noch bedeckt. Einen Sturz in Kurve 8, der gerade dann passierte, als er die Neuerung testete, will der Italiener nicht überbewerten.

„Leider bin ich eine halbe Stunde vor Schluss gestürzt. Das tut mir leid für das Team, weil es jetzt die ganze Nacht hindurch Arbeit gibt. Es war aber zum Glück nichts Schlimmes. Wir waren gerade dabei, etwas Interessantes zu testen. Ich hatte ein gutes Gefühl. Jetzt müssen wir abwarten, ob wir es morgen wieder testen können“, so Dovizioso.

Auf die konkrete Nachfrage, was er dazu sagen kann, dass sich das Heck der Ducati GP20 nun auf den Geraden absenken lässt, antwortet „Dovi“ mit einem Grinsen: „Dazu kann ich nichts sagen.“

Immerhin lässt sich der Italiener noch entlocken, dass das, was er getestet hat, „eine unserer Stärken sein kann. Und wir müssen versuchen, es einzusetzen“. Teamkollege Danilo Petrucci hilft auch nicht weiter. Denn auf die Frage, was er zum Absenken des Hecks der GP20 sagen kann, antwortet er: „Ich kann mich nicht erinnern.“

Ducati kündigt „Bike der Zukunft“ an

Ducati-Teammanager Davide Tardozzi versucht dagegen gar nicht erst, die Neuerung kleinzureden. „Ich kann sagen, dass wir etwas Neues haben“, erklärt er gegenüber ‚MotoGP.com‘. Und fügt hinzu: „Ducati ist ja dafür bekannt, Innovationen zu bringen. Wir können mit Stolz behaupten, dass wir seit mindestens fünf Jahren alle Innovationen, die es an MotoGP-Bikes gegeben hat, zuerst hatten.“

„Und wir sind ziemlich zuversichtlich“, so Tardozzi weiter, „dass wir in naher Zukunft wieder einen Schritt nach vorne machen werden.“ Dabei ist sich der Ducati-Teammanager auch sicher, dass das neue System regelkonform ist.

Denn ein elektronischer Einfluss auf die Bodenfreiheit eines MotoGP-Bikes ist verboten. Das Ducati-System aber funktioniert mechanisch. Am bereits erwähnten neuen Schalter am linken Lenkerstummel ist ein Bowdenzug angebracht.

„Wir besprechen unsere Neuerungen grundsätzlich mit der Dorna und den Technischen Direktoren“, sagt Tardozzi. Und verweist auf eine Ducati-Innovation aus dem letzten Jahr: „Das war bei dem, was als ‚Spoon‘ bekannt ist, genauso.“ Neben dem angesprochenen Carbon-Element an der Schwinge sind andere Ducati-Innovationen aus den vergangenen Jahren beispielsweise die Winglets an der Verkleidung oder die Carbon-Verkleidungen an Vorder- und Hinterrad.

Rins fiel Ducati-Neuerung schon 2019 auf

Die Weiterentwicklung des Holeshot-Device, um das Bike nicht nur vorne, sondern auch hinten absenken zu können, beschränkt sich übrigens nicht auf das Werksteam. Auch Pramac-Ducati-Pilot Jack Miller war am Samstag damit unterwegs, wie Aufnahmen beim Beschleunigen seiner GP20 aus Kurve 10 heraus zeigten.

Dem Vernehmen nach soll Miller das System sogar schon am Vorjahres-Modell eingesetzt haben. Nämlich Anfang November 2019, beim Grand Prix von Malaysia in Sepang. Suzuki-Pilot Alex Rins, der sich damals im Rennen mit dem Pramac-Ducati-Piloten duellierte, war der festen Überzeugung, eine entsprechende Beobachtung gemacht zu haben.

„Ich kämpfte in Sepang einige Runden lang gegen Miller. Wir lagen dicht beisammen und ich konnte sehen, wie sich sein Bike auf den Geraden absenkte. Als er in eine Kurve einbog, hob es sich wieder an“, so Rins. Nun, gut drei Monate später, macht man daraus im Ducati-Lager nur noch bedingt ein Geheimnis.

Einen Namen für die neueste Entwicklung habe man im Ducati-Werk in Borgo Panigale zwar noch nicht gefunden, wie Teammanager Tardozzi anmerkt. Doch der denkt ohnehin schon weiter und kündigt an: „Wir haben noch andere Sachen in Planung. Ich denke, wir werden bald das Bike der Zukunft haben.“