Jeremy Burgess arbeitete in der MotoGP lange erfolgreich mit Valentino Rossi zusammen – die jüngsten Leistungen des Altmeisters sieht er allerdings mit Sorge.

Nach zwei schwierigen Jahren bei Yamaha blieb Valentino Rossi auch in der MotoGP-Saison 2019 hinter den Erwartungen zurück. Auf einen starken Auftakt mit zwei Podestplätzen in Argentinien und Austin folgte die Ernüchterung. Kein einziges Mal schaffte es Rossi seitdem wieder aufs Podium – auch, wenn er ihm zuletzt wieder näher kam.

In der kommenden Saison, seiner womöglich letzten als aktiver Fahrer, soll David Munoz in der Box der Nummer 46 für Aufwind sorgen. Rossi verpflichtete den Spanier als neuen Crew-Chief. Er wird Silvano Galbusera ablösen, der in dieser Funktion seit 2014 für den Yamaha-Pilotem arbeitete, nach sechs Jahren aber nun ausgedient hat.

Auf die Frage, warum er diesen personellen Wechsel nicht schon während der laufenden Saison vollzogen hat, bekräftigt Rossi: „Das hätte man tun können. Aber in meiner Situation wäre das nicht gut gewesen. In dieser Welt ist es so: Wenn man eine Vereinbarung trifft, sollte man sie einhalten. Für mich ist es so besser.“

Burgess: „Vielleicht ist er schon zu lange hier“

Zwar gibt er zu: „David startet nächstes Jahr bei Null und hat nicht viel Erfahrung. Wir haben über den Winter aber genug Zeit.“ In den vergangenen Jahren war Munoz als Crew-Chief von Rossis Moto2-Team tätig. 2018 wurde er mit Francesco Bagnaia Weltmeister und beeindruckte den „Doctor“ dadurch offenbar so sehr, dass er nun selbst zu ihm wechselt.

Ob das den erhofften Aufschwung bringen wird, bleibt abzuwarten. Jeremy Burgess, der Rossi von 2000 bis 2013 als Crew-Chief betreute, sorgt sich jedenfalls um die Form des neunmaligen Weltmeisters. Am Rande des Großen Preises von Australien grübelte er gegenüber ‚MotoGP.com‘: „Vielleicht ist er schon etwas zu lange hier.“

Hat Rossi also den Absprung verpasst? Diese Frage scheint sich Burgess ernsthaft zu stellen. „Was mich am meisten besorgt und traurig macht, ist die Tatsache, dass er die Rennen dort beendet, wo er sich qualifiziert hat“, erklärt er. „Vor ein paar Jahren haben wir uns nie Sorgen gemacht, ob er im Qualifying nur Zehnter wird.“

Rossi grübelt über neuen MotoGP-Vertrag

Denn damals war Rossi ein echter Sonntags-Fahrer: „Wir wussten, dass er im Rennen vier oder fünf Plätze gutmachen und auf dem Podium stehen wird. Oder zumindest um einen Podestplatz kämpfen wird.“ Zuletzt gelang das dem Yamaha-Piloten immer seltener. „Ob das ein weiterer Schritt in Richtung Abstieg ist oder nicht, wer weiß“, rätselt Burgess.

Rossi selbst versichert trotz aller Probleme auf der Strecke, dass er „trotzdem noch eine Weile fahren“ will. Was das für sein Engagement über 2020 hinaus bedeuten wird, kann oder will der 40-Jährige allerdings noch nicht genau sagen. „Denn im nächsten Jahr wird sich der Markt sehr bald, vielleicht zu früh bewegen“, weiß er.

„Es ist wirklich schwierig, sich Anfang 2020 schon für 2021 zu entscheiden. Das Problem ist, dass man zumindest sehen können sollte, wie die Dinge in den ersten sechs oder sieben Rennen laufen“, erklärt Rossi weiter. „Es ist sehr schwer zu verstehen, wer in der MotoGP stark ist – oder wer bereit ist, von der Moto2 aufzusteigen.“

Marquez würdigt Rossis Leistung für die MotoGP

Sollte sich Rossi für einen Rücktritt entscheiden, wäre das für die MotoGP ein großer Verlust. Darin sind sich viele Fans und auch Fahrer-Kollegen einig. „Valentino hat eine unglaubliche Geschichte, er ist 40 Jahre alt. Wie jeder Athlet hatte er Höhen und Tiefen. Was er tut, ist aus meiner Sicht unglaublich“, sagt etwa Weltmeister Marc Marquez.

Im Gespräch mit der spanischen Sportzeitung ‚Marca‘ analysiert er: „Rossi hat viele Generationen überlebt und viele geschlagen. Auf jeden Fall kommen immer neue Generationen, um Dich zu jagen. Valentino hat seine Karriere um einiges verlängert und sich darum verdient gemacht. Dieser Moment wird irgendwann auch für mich kommen.“