ServusTV-Moderatorin Andrea Schlager über die Faszination MotoGP, die Besonderheit der Arbeit, lustige Anekdoten sowie Erwartungen für die neue Saison 2020.

Am 6. März hätte in Katar die neue MotoGP-Saison 2020 beginnen sollen. Diese wurde nun jedoch aufgrund des Coronavirus auf das Rennwochenende in den USA ab 3. April verschoben. Die spektakulärste Rennaction gibt es auch wieder LIVE bei ServusTV im Free-TV und im gratis Livestream. Moderatorinnen sind auch in diesem Jahr wieder Andrea Schlager und Eve Scheer. Wir haben uns vor Saisonstart mit Andrea Schlager unterhalten:

servusmotogp.com: Was ist für Sie die Faszination MotoGP?

Andrea Schlager: Das ganze Paddock-Leben. Alles, was sich dort bewegt und passiert. Von Donnerstag angefangen, wenn du hinkommst und die Emotionen sich aufbauen, bis hin zum Rennen am Sonntag. Das hat alles einen Zauber, den Motorsport für mich immer schon gehabt hat. Und je länger ich dabei bin, desto größer wird das. Am Anfang war alles neu, aber jetzt in der fünften Saison ist der Zauber noch immer gleich.

servusmotogp.com: Was hat sich über die Jahre verändert?

Andrea Schlager: Es hat sich viel verbessert. Für mich zum Beispiel arbeitstechnisch: Man kennt nun wirklich alles und jeden. Am Anfang war es schwieriger: Mit wem rede ich? Wie komme ich zu etwas? Und jetzt kennen einen die Leute – im Idealfall mögen sie dich auch und reden gerne mit dir. Das ganze Wochenende wird dadurch viel einfacher und überschaubarer.

servusmotogp.com: Was ist die Besonderheit bei der Arbeit in der Boxengasse?

Andrea Schlager: Dass du wirklich hautnah dran bist an dem, was ein Team mit dem Fahrer leistet. Wie viele Parteien da zusammenspielen müssen – auch was die Sicherheit betrifft. Oder das Selbstverständnis, das jeder hat, der sich dort bewegt. Und der Respekt vor dem, was der andere leistet. Egal ob Kameramann, Reporter, Team-Manager oder Fahrer – das ist ein Werk, von allen gemeinsam, um das Wochenende gut über die Bühne zu bringen. Das weiß jeder und das ist sehr cool.

servusmotogp.com: Was ist die größte Herausforderung Ihres Jobs?

Andrea Schlager: Nicht überfahren zu werden (schmunzelt). Das wäre mir schon öfters passiert und am knappsten war es mit Franco Morbidelli. Das war letztes Jahr in Argentinien: Nach dem Rennen war die Siegerehrung und ich musste runter gehen in Richtung KTM-Box und Mike Leitner. Die Boxengasse ist da eigentlich schon leer, weil schon alle drinnen sind. Ich hatte meine In-Ear-Kopfhörer drinnen und dann hörst du auch nichts mehr – außer die Regie. Ich gehe also zielstrebig Richtung KTM und auf einmal streift mich jemand am Ärmel. Der ist wirklich direkt an mir vorbei in seine Box reingefahren. Nachdem sonst niemand dort war, müsste er mich schon gut gesehen haben… Ich habe einen Herzinfarkt bekommen vor Schreck. Am Abend hat er sich dann bei mir entschuldigt. Er meinte, dass er selber nicht wusste, wie genau das passiert ist. Und er hofft, dass es mir eh gut geht. Es ist zum Glück nichts passiert.

Und es ist ein bisschen Multitasking – vor allem in den letzten Runden der einzelnen Rennen. Denn: Auf der einen Seite sollst du mitbekommen, was auf der Strecke passiert. Gleichzeitig musst du rechtzeitig schauen, dass du sofort einen Team-Manager, Angehörigen oder sonst einen passenden Interview-Partner an deiner Seite hast. Da herrscht dann oft hinter den Kulissen etwas das Chaos. Wer das Rennen gewinnt, das bekommst du mit. Aber wer hat beispielsweise den Kampf um Platz drei gewonnen? Das bekommt man dann ab und zu unten in der Boxengasse gar nicht mit, obwohl du quasi direkt neben der Zielgeraden stehst.

servusmotogp.com: Was sind Ihrer Meinung nach die Unterschiede zu anderen Rennserien?

Andrea Schlager: Meiner Meinung nach ist die MotoGP im Vergleich zur Superbike noch einen Schritt drüber. Bei der Superbike ist alles etwas kleiner und familiärer. Die Formel 1 finde ich eher steril und weniger zugänglich. An der MotoGP ist man näher dran und hat auch schon diesen Glamour-Faktor.

servusmotogp.com: Welche ist für Sie die schönste Rennstrecke?

Andrea Schlager: Natürlich der Red Bull Ring, da kann ich nichts anderes sagen. Ich finde aber auch die Strecke in Texas – den Circuit of The Americas (CoTA) – einfach cool. Dort ist alles riesig groß und das Design ist typisch amerikanisch mit den „Stars and Strips“. Von dem Turm in der Mitte hat man auch eine tolle Aussicht.

servusmotogp.com: Wer ist der lustigste/schwierigste Fahrer?

Andrea Schlager: Jack Miller – der ist einfach für jeden Spaß zu haben und wirklich lustig. Es sind viele lustig, aber er ist einfach „outstanding“. Schwierig hingegen ist Andrea Iannone. Mit ihm hatte ich in den letzten fünf Jahren so gut wie nichts zu tun gehabt. Außer im ersten Jahr, da ist er ein paar Mal aufs Podium gefahren und ich habe mit ihm Interviews geführt. Mit jedem Fahrer hast du irgendwo Berührungspunkte in irgendeiner Form – man reist um die ganze Welt, lernt die Familie kennen etc. Andrea hat einen sehr netten Bruder und Vater, aber ihn kann ich nicht einschätzen, wie er eigentlich tickt. Über ihn kann ich am wenigsten von allen sagen.

servusmotogp.com: Was war 2019 Ihr Highlight?

Andrea Schlager: Das war der Grand Prix von Österreich. Es war zwar schon das vierte Mal, aber es ist jedes Jahr so etwas Besonderes. Für mich ist es jedes Jahr das Highlight. Es ist auch das eine Mal im Jahr, wo wir auch alle Zuseher so extrem hautnah erleben – denn gefühlt ist halb Österreich vor Ort. Wenn wir so viel unterwegs sind, gibt es wenig Interaktion mit den Fans – außer natürlich über Social Media. Aber am Red Bull Ring gibt es zum Beispiel die KTM-Tribüne oder Autogramm-Stunden, und jeder kennt unsere Namen. Es ist schön, die Freude der Leute zu sehen – nicht nur mit der sportlichen Action, sondern auch mit der Sendung, die wir machen.

servusmotogp.com: Gibt es lustige Anekdoten aus den vergangenen Saisonen, die Sie uns erzählen dürfen?

Andrea Schlager: In den letzten Jahren waren viele witzige Sachen dabei. Andrea Dovizioso, sein Crew-Chief und einer seiner Buddys waren beispielsweise mit mir einmal in Kalifornien surfen. Es war durchaus lustig, denn typisch Italiener und Profisportler unter dem Motto „das kann er ja“. Andrea ist dann aber nach zehn Minuten wieder aus dem Wasser raus, weil er mit dem Brettl überhaupt nicht über die Wellen gekommen ist. Er meinte dann, dass wäre der „volle Assi-Sport“ und das mache er nie wieder. Er lag dann nur mehr auf dem Strand herum.

Ich hatte außerdem eine Autofahrt mit Johann Zarco vom Flughafen in Australien in Richtung Phillip Island. Das war dann ebenfalls eine „Überlebenssituation“, weil er noch schlimmer Auto fährt als Motorrad. Er hat es zwar im Griff, aber ich habe noch nie erlebt, wie jemand so durch einen Kreisverkehr fährt. Ich dachte ich muss sterben. Ich habe mit ihm damals geschrien und ihn auch als „Straßenrowdy“ beschimpft… (schmunzelt). Eine weitere einmalige Erfahrung für mich war, dass Dani Pedrosa mich in Barcelona zu Sete Gibernau mitgenommen hat. Dort sind wir dann Supermoto gefahren und Sete hat mir Kurvenfahren beigebracht, also wie man sich richtig in die Kurven reinlegt. Das war eine mega Erfahrung.

servusmotogp.com: Wer ist der lustigste Teil der MotoGP-Crew von ServusTV?

Andrea Schlager: Wenn der Bradl lustig ist, dann kann er ganz lustig sein – wenn er nicht mal den Bayer raushängen lässt (schmunzelt). Er singt außerdem gerne Schlager. Auch der Gustl (Anm.: Auinger) hat einen sehr trockenen Humor. Zwar nicht permanent, aber immer wieder dropt er in Momenten Sachen, wo du denkst: „Das gibt es grad gar nicht.“ Und Christian Brugger kann extrem gut Leute imitieren, vor allem bei den technischen Sprechproben vor der Sendung!

servusmotogp.com: Welche Erwartungen haben Sie für die Saison 2020?

Andrea Schlager: Dass es eine schöne, gute, coole und vor allem gesunde Saison wird – mit sportlichen Überraschungen. Das hoffe ich ganz stark. Und dass es spannend ist, aber das wird es heuer auf jeden Fall sein.

servusmotogp.com: Welchen Tipp haben Sie für 2020?

Andrea Schlager: Es wird darauf ankommen, ob Marc Marquez fit ist oder nicht – seine Schulter verheilt oder nicht. Die Saison 2019 zu toppen wird für ihn, glaub ich, schwierig. Einerseits wegen der Schulter und andererseits bin ich gespannt, wie er in der Kombination mit seinem Bruder im eigenen Team ist. Denn er war bisher immer der große Bruder und somit der Beschützer von Alex. Das merkt man, wenn man mit ihm redet oder wie er an der Rennstrecke ist. Marc hat Alex immer gepusht. Aber nun ist er sein Gegner. Ich bin gespannt, wie die beiden tun werden. Und ob Alex, die emotionale Achillessehne von Marc sein könnte…

Interview: Julia Baumgartner