Nach einem sehr aggressiven Manöver in der ersten Kurve stürzen Tom Sykes und Eugene Laverty – Garrett Gerloff sieht sich nicht als Schuldigen

In der BMW-Box herrschte nach der Superpole in Magny-Cours ausgelassene Stimmung. Eugene Laverty hatte sich in Frankreich die erste Pole-Position als BMW-Pilot gesichert. Teamkollege Tom Sykes komplettierte das starke Teamergebnis mit Platz zwei. Die Erwartungen für Lauf eins am Samstagnachmittag waren hoch. Doch das Rennen war für die BMW-Piloten zeitig gelaufen.

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Bereits in Kurve 1 landeten Eugene Laverty und Tom Sykes im Kiesbett. Was war passiert? Yamaha-Pilot Garrett Gerloff erwischte von Startplatz aus fünf einen guten Start und attackierte innen. Der US-Amerikaner kollidierte mit Sykes, der dadurch zu Sturz kam und Laverty abräumte.

Die Rennleitung stufte den Zwischenfall als Rennunfall ein. Die ersten Reaktionen aus der BMW-Box allerdings signalisierten, dass Laverty und Sykes eine andere Sichtweise hatten. Lavertys führte seinen Zeigefinger an den Kopf und drückte damit klar aus, was er von Gerloffs Aktion hielt. Sykes machte ebenfalls eine klare Handgeste.

Wie hat Gerloff die Situation erlebt? „Ich hatte einen sehr guten Start und holte die Fahrer vor mir ein. Ich fuhr nach innen. Die anderen Fahrer bremsten eher als ich. Ich zog in Richtung innerer Randstein. Ich sah nur noch Jonathan (Rea) vor mir. Dann spürte ich an meinem Stiefel einen gewissen Druck, der aber wieder nachließ“, schildert der WSBK-Rookie den Vorfall im Gespräch mit ‚Motorsport-Total.com‘.

„In der Runde danach sah ich, dass gelbe Flaggen geschwenkt wurden. Ich fühle mich sehr schlecht. Ich wollte nicht, dass jemand zu Sturz kommt. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich etwas falsch gemacht habe. Aber es ist nie gut, wenn es eine Berührung gibt“, bemerkt Gerloff.

French Round: Rennen 1

Was die anderen Fahrer zum Zwischenfall sagen

WM-Herausforderer Scott Redding konnte den Zwischenfall nicht genau beobachten. Nach dem Rennen wurde der Ducati-Pilot befragt. „Ich sah nur, dass zwei BMWs nicht mehr dabei waren, als wir aus Kurve 3 kamen“, gibt der Brite in seiner gewohnt lockeren Art und Weise zu Protokoll.

Kawasaki-Pilot Alex Lowes konnte besser verfolgen, was in Kurve 1 passiert war. „Garrett war ein bisschen aggressiv. Er hatte durch das vergangene Rennen sehr viel Selbstvertrauen. Er fuhr sehr gut“, bemerkt Lowes und kritisiert: „Wenn es so nass ist, dann ist es schwierig, so aggressiv zu fahren.“

Yamaha-Markenkollege Loris Baz stuft die Situation als klassischen Rennunfall ein. Der Franzose kämpfte zu Beginn ebenfalls mit Gerloff. „Garrett wollte so schnell wie möglich vorbei, um mit Johnny an der Spitze zu fahren“, erklärt Baz.

„Es war ein Rennunfall“, kommentiert Baz, der das erste Rennen auf Position zwei beenden konnte. „In Montmelo berührten wir uns in Kurve 1. Es war wie mit dem Zwischenfall von Zarco und Dovizioso. Er hat nichts zu verlieren. Und wenn man nichts zu verlieren hat, dann ist es einfacher.“

Gerloff befindet sich auf Podestkurs und stürzt

Gerloffs Rennen endete in Runde sieben. Auf Position drei liegend flog der GRT-Pilot von seiner Yamaha R1. „Das Motorrad fühlte sich von Runde zu Runde besser an. Mein Vertrauen wurde mit jeder Runde größer, vermutlich zu meinem Nachteil“, bemerkt Gerloff.

„Ich hatte das Gefühl, dass ich nichts falsch machen kann. Doch dann passierte genau das. Das Limit ist im Nassen so fein. Leider endete mein Rennen im Kiesbett. Das tut mir leid für das Team. Immerhin blieb ich unverletzt und kann morgen noch einmal angreifen“, berichtet der Yamaha-Pilot.

Obwohl Gerloff nicht viele Erfahrungen mit den Pirelli-Regenreifen hat, war er zwischenzeitlich der schnellste Fahrer auf der Strecke. „Sie fühlen sich sehr gut an. Ich fuhr bisher mit anderen Regenreifen. Diese vermittelten mir kein perfektes Gefühl. Die Pirelli-Regenreifen verhalten sich konstanter und vermitteln dem Fahrer ein besseres Gefühl. Ich habe das Gefühl, dass man mehr spielen kann. Das schenkt mir mehr Vertrauen“, erklärt der US-Pilot.