In der letzten MotoGP-Saison stellte Valentino Rossi seine Bremstechnik von drei auf zwei Finger um – Brembo-Ingenieur Andrea Pellegrini verrät, was dahinter steckt.

Um ihre MotoGP-Bikes zu verzögern, nutzen die Piloten unterschiedliche Techniken. Manche betätigen die Vorderrad-Bremse mit zwei Fingern, andere gar nur mit einem wie etwa Weltmeister Marc Marquez. Wiederum andere variieren die Anzahl der Finger – je nachdem, wie hart das jeweilige Bremsmanöver ist.

Yamaha-Pilot Valentino Rossi überraschte in der letzten MotoGP-Saison damit, seinen jahrelang gepflegten Bremsstil in Motegi auf einmal umzustellen. „Ich bremse jetzt nur noch mit zwei statt mit drei Fingern. Damit will ich die Gabel gleichmäßiger belasten“, erklärte der 40-Jährige damals und folgte dem Beispiel der Kollegen.

Denn auch sein aktueller Teamkollege Maverick Vinales und sein Ex-Teamkollege Jorge Lorenzo bremsen mit zwei Fingern, nämlich Zeige- und Mittelfinger. Rossi nahm bislang stets noch den Ringfinger hinzu, und das schon seine ganze Karriere über. Warum entschied er sich ausgerechnet 2019 für die späte Umstellung?

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„Rossi geht es dabei vor allem um das Gefühl“

„Ich denke, dass es dabei vor allem um das Gefühl mit dem Motorrad geht“, sagt Brembo-Ingenieur Andrea Pellegrini im Gespräch mit ‚Motorsport-Total.com‘. Seit Einführung der MotoGP im Jahr 2002 stattet der italienische Hersteller die Königsklasse mit Bremsanlagen aus und beobachtet die unterschiedlichen Vorlieben der Piloten.

Pellegrini weiß: „Heutzutage benutzen alle Fahrer, die aus der Moto2 oder anderen Klassen kommen, nur einen Finger. Valentino hat jede Menge Erfahrung und sehr früh begonnen, eine gewisse Technik anzuwenden. Insofern glaube ich, dass es für ihn schwierig ist (sich umzustellen). Aber er ist ein Fahrer, der hart arbeitet und viel ausprobiert.“

Aber welche Vorteile bringt das konkret mit sich? „Der große Vorteil ist, dass man das Motorrad besser unter Kontrolle halten kann“, erklärt der Brembo-Experte. „Hat man nur einen oder zwei Finger am Bremshebel, hat man die drei oder vier anderen Finger frei, um den Rest im Griff zu halten.“ Und das wortwörtlich!

Je mehr Finger am Lenker verbleiben, umso besser lasse sich das Bike halten und unter den Kräften der Negativbeschleunigung steuern. Außerdem betont Pellegrini: „Mit diesem Stil lässt sich das Gas nach der Kurve früher öffnen. Ich denke, das ist auch das Ziel von Valentino, wenn er zwei statt drei Finger zum Bremsen verwendet.“