Cal Crutchlow spricht über sein bevorstehendes Ende bei LCR-Honda und seine Zukunft: Neben Aprilia würde den Briten noch ein weiteres MotoGP-Engagement reizen.

Cal Crutchlow muss zum Saison-Ende das Honda-Partnerteam von Lucio Cecchinello verlassen. Seit 2015 pilotierte der Brite die RC213V, eroberte bislang drei Siege und insgesamt zwölf Podestplätze. Crutchlow muss für Aleix Marquez weichen, der in der MotoGP-Saison 2021 neben Takaaki Nakagami fahren wird. Wie wird es für Crutchlow weitergehen?

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„Wie gesagt, das ist eben die Situation. Ich weiß es schon seit drei Monaten“, sagt Crutchlow. „Oder eigentlich schon seit sechs Monaten. Denn Ende letzten Jahres habe ich gesagt, dass ich weitermachen will. Ich habe mit Honda darüber gesprochen.“

„Zunächst sah es danach aus, dass ich meinen Vertrag verlängern könnte. Aber dann nicht mehr. Wegen verschiedener Umstände haben sie sich für einen anderen Weg entschieden. Aber ich hatte tolle fünf Jahre mit Honda, wir haben großartige gemeinsame Erinnerungen.“

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„Sie haben sich für einen anderen Weg entschieden“

„Ein Honda-Fahrer zu sein und drei Siege sowie zwölf Podestplätze erobert zu haben, war gut. Für mich ist es keine wirkliche Neuigkeit, ich muss einfach weitermachen. Am kommenden Wochenende habe ich einen Job zu erledigen. Wir werden sehen, wie es laufen wird.“

Seit in den letzten Wochen durchsickerte, dass Crutchlow bei Honda keine Zukunft hat, ranken sich die Spekulationen, dass er bei Aprilia andocken könnte. Die Zukunft des gesperrten Andrea Iannone ist dort weiterhin ungewiss.

„Falls sich die Möglichkeit ergeben würde, für Aprilia zu fahren, wäre das großartig“, sagt Crutchlow konkret über dieses Thema. „Das wäre spannend für mich. Es ist ein interessantes Projekt.“

Aprilia für Crutchlow ein interessantes Projekt

Mit seiner Erfahrung und seinem Speed glaubt der 34-Jährige, dass er mit der Aprilia gute Ergebnisse erzielen könnte. „Ich kenne ihr Investment und weiß, dass sie es mit ihrem Motorrad gut machen. Sie arbeiten hart und entwickeln ihr Bike nach den Aussagen der Fahrer und der Daten.“

„Ich denke, es ist ein gutes Motorrad. Ich wäre an diesem Projekt interessiert, weil ihr Bike immer besser wird. Und ich denke, es kann mit meiner Erfahrung noch besser werden. Aleix hat in den letzten Jahren gute Arbeit geleistet.“

Die neu entwickelte RS-GP 2020 hat bei den Februar-Tests Potenzial gezeigt, einen deutlichen Schritt nach vorne zu machen. „Aleix ist beim Test sehr gut gefahren“, lobt Crutchlow. „Warten wir ab, wie dieses Jahr für ihn laufen wird.“

Crutchlow würde zu Aprilia die Erfahrung von Yamaha, Ducati und Honda mitbringen. Dazu zählt er im Feld zu den Fahrern, die Podestplätze erringen können. Aprilia hat sich bisher noch nicht dazu geäußert, ob man mit Crutchlow zusammenarbeiten will.

Rückkehr zu Ducati eine weitere Option

Eine weitere theoretische Option wäre die Rückkehr zu Ducati. Denn dort ist die Situation mit Andrea Dovizioso immer noch in der Schwebe. 2014 waren Crutchlow und Dovizioso Teamkollegen bei den Roten. Nach einer Saison wechselte Crutchlow dann zu LCR-Honda.

„Die meisten Leute bewerten die Situation von mir und Ducati falsch“, klärt Crutchlow auf. Man sei damals nicht im Schlechten auseinander gegangen. „Als ich Ducati verlassen habe, hatte ich einen Dreijahres-Vertrag von Honda auf dem Tisch liegen.“

„Sie hatten Iannone für das Werksteam unter Vertrag genommen. Meine Beziehung zu Ducati war fantastisch. Vielleicht eine der besten, die ich je zu einem Team hatte. Ich spreche mit Davide und Paolo jeden Monat, mit Davide fast wöchentlich.“

„Habe ich mit ihnen gesprochen? Ja, ich spreche jede Woche mit ihnen. Ich spreche auch mit Gigi. Er hat die Situation verstanden. Sie hat sich vielleicht etwas verändert, seit ich mit ihm gesprochen habe. Aber ich kenne ihren Plan, und der heißt abwarten.“

Was wird aus Ducati und Andrea Dovizioso?

Denn Ducati will einige Rennen warten, bis man wieder konkrete Gespräche mit Dovizioso für das nächste Jahr aufnimmt. „Das passt auch mir besser“, meint Crutchlow. „Ich könnte zu Ducati zurückkehren.“

„Es gibt zwei Dinge. Wenn die Aprilia-Option möglich wird, würde mich das begeistern. Wenn die Ducati-Option möglich wird, würde mich das auch sehr begeistern. Ich streite nicht ab, dass ich mit ihnen gesprochen habe. Denn das habe ich.“

Eine Rückkehr in die Superbike-WM ist für Crutchlow derzeit offenbar kein Thema. Auch ein Rücktritt ist vom Tisch. Stattdessen will der dreimalige Grand-Prix-Sieger seine Karriere in der MotoGP fortsetzen. Das ist sein erklärtes Ziel.

„Man darf nicht vergessen, dass ich das letzte Mal, als ich ins Ziel gekommen bin, mit Marc Marquez auf dem Podest stand. Ich habe meinen Speed nicht verloren. Ich fühle mich gut, konkurrenzfähig und motiviert. Und ich bin fest entschlossen, weiterzumachen.“

„Ich will weiter in der MotoGP fahren, weil es gute Möglichkeiten für mich gibt. In nächster Zeit werden wir sehen, wo ich landen werde. Ich würde sagen, dass die Chance groß ist, dass ich im nächsten Jahr in der MotoGP mit einem tollen Team fahren werde!“