Vor Beginn der zweiten Saisonhälfte verrät Jochen Kiefer exklusiv, wie zufrieden er mit Moto2-Rookie Lukas Tulovic ist. Was schätzt er am Deutschen besonders?

Als Alleinkämpfer im Kiefer-Racing-Team fuhr Moto2-Rookie Lukas Tulovic bei der Dutch TT in Assen jüngst seine ersten WM-Punkte ein. Zuvor ließ er beim Großen Preis von Frankreich mit Startplatz neun bereits aufhorchen. Im Rennen schrammte er dann als 16. aber knapp an den Punkte-Rängen vorbei – wie in den meisten Läufen der bisherigen Saison.

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Trotzdem zieht Teamchef Jochen Kiefer im Gespräch mit ‚Motorsport-total.com‘ ein positives Zwischenfazit: „Ich bin komplett zufrieden mit der Leistung, die Lukas abgeliefert hat bis jetzt. Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, nicht Letzter zu werden. Das haben wir absolut perfekt hingekriegt. Aber wir haben insgeheim gehofft, dass wir Akzente setzen können wie zum Beispiel in Le Mans oder kürzlich in Assen.“

Ausgerechnet beim Heimspiel am Sachsenring wollte das nicht gelingen. Kiefer weiß warum. „Der Sachsenring war komplett speziell, gerade weil Lukas gar nicht damit gerechnet hat, dass da so viel auf ihn einprasselt“, blickt der Teamchef zurück. „Er hat sich auch selbst Riesendruck gemacht“, und das obwohl das Team gerade dort versuchte, Druck von ihm zu nehmen.

Jochen Kiefer hofft auf „einen guten Flow“

„Aber da war wirklich viel los und der Manager macht das auch zum ersten Mal. Ich habe zwar alle gewarnt, aber sie haben jetzt live gesehen, dass es nicht so einfach ist“, weiß Kiefer um die besondere Situation beim ersten Heim-Grand-Prix in der Moto2. „Man hat auch gesehen, er wollte es richtig gut machen und was war: Erste Kurve, erstes Training liegt er auf der Nuss. Dann ging das schon nach hinten los.“

Mit dem 24. Platz waren weder Tulovic noch das Team zufrieden. „Aber gelernt hat er daraus“, sagt Kiefer und zeigt sich mit Blick auf das Rennwochenende in Brünn sowie die zweite Saisonhälfte zuversichtlich: „Ich denke auch, dass wir jetzt hier wieder einen ganz guten Flow haben können.“ In das Talent seines Schützlings setzt der Teamchef großes Vertrauen.

„Wenn ich ihn sehe und auch wenn ich die Daten analysiere, ist da einfach noch viel Luft. Er ist jetzt permanent zwischen einer Sekunde oder anderthalb Sekunden hinten dran. Und ich sehe, dass da überall noch mehr geht und dass er das auch hinkriegen kann. Irgendwann muss der Knoten platzen, dass er das abrufen kann. Aber ich sehe, dass er das Potenzial dazu hat und auch physisch kann er das.“

Bisher wenig Stürze: Lob für Lukas Tulovic

Bis es soweit ist, übt sich Kiefer in Geduld. Denn er weiß: „Irgendwann kommt das von selbst. Meistens ist es so gewesen: Nach der Saison geht er dann in die neue und ist eine Sekunde schneller und keiner weiß warum. Das habe ich schon bei ganz vielen Fahrern gesehen. Ich hoffe, dass es früher so kommt, aber wenn nicht, warten wir auf die Winterpause.“

Wenn er auf die bisherige Zusammenarbeit mit Tulovic blickt, schätzt er vor allem eines. „Lukas ist sehr intelligent und die Sachen, die wir ihm erzählen, nimmt er auf und kann sie auch relativ gut umsetzen. Er ist jemand, der nicht auf Biegen und Brechen alles probiert, sondern eher abwartet. Deshalb hat er selten Stürze. Das ist eine Sache, die sehr positiv ist, nicht nur weil es aufs Budget geht“, erklärt Kiefer.

Dabei zieht er einen interessanten Vergleich zu Jake Dixon, ebenfalls Moto2-Rookie auf einer KTM: „Auch für ihn sind viele Strecken neu. Er ist in den ersten zwei Trainings eigentlich immer so gut eine Sekunde schneller. Aber meistens übertreibt er es und stürzt, während wir übers Wochenende stärker werden. Ohne Sturz und mit konstanteren, besseren Zeiten.“

Genau das zeichne Tulovic aus. „Dass er abwarten kann und nicht alles auf einmal braucht“, sagt Kiefer. „Das kann natürlich im Qualifying auch mal nach hinten losgehen, wo man denkt: Jetzt müsste er mal ein bisschen über sein Limit gehen. Aber das ist halt schwer zu händeln.“ Mit der Erfahrung der ersten Saisonhälfte hofft der Teamchef jedoch, dass sein Rookie sich auch in diesem Punkt noch steigert.

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