Ist es sportlich fair, wenn die MotoGP-Saison nur rund zehn Rennen umfasst – und dann noch zwei Grands Prix auf einer Strecke stattfinden? Ein Teamchef wägt Vor- und Nachteile ab.

Die Corona-Krise sorgt für außergewöhnliche Ideen. Ab Sommer plant die MotoGP, auf ein- und derselben Strecke zwei Grands Prix an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden auszutragen. So soll im Juli zunächst zwei Mal in Jerez gefahren werden. Anschließend könnte dann zwei Mal Spielberg folgen, und so weiter. Mit diesem „Not-Kalender“ könnten 2020 insgesamt noch zehn bis zwölf Rennen in Europa stattfinden.

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Doch ist das aus sportlicher Sicht gerecht? Schließlich gibt es Strecken, die einem Motorrad oder auch Piloten besser liegen als dem anderen. „Natürlich wollen wir nicht zwei Mal in Österreich fahren. Aber das könnte passieren“, lacht Suzuki-Teamchef Davide Brivo. Denn die Power-Strecke in Spielberg ist traditionell Ducati-Land.

„Es wird auch kein Rennen in Assen geben, wo wir sehr konkurrenzfähig sein könnten. Wir werden auch nicht in Silverstone fahren, wo wir zwei Mal gewonnen haben“, denkt Brivio an Strecken, die Suzuki liegen würden. „Aber so ist eben die Situation. Irgendjemand wird in Österreich sehr stark sein. In Jerez aber dafür weniger.“

Brivio: MotoGP-Saison 2020 ein „spezielles Jahr“

„Zwei Rennen auf einer Strecke ist eine Lösung, um die Saison fortsetzen zu können. Wir müssen das akzeptieren und uns darauf vorbereiten. So können wir zehn bis zwölf Rennen schaffen. Man muss das akzeptieren. Für die eine Marke ist es nicht gut, zwei Rennen in Jerez zu haben. Und für eine andere ist es nicht gut, zwei Mal in Österreich zu fahren. Aber das ist 2020, es ist ein spezielles Jahr.“

Denn die Voraussetzungen sind im Endeffekt für alle gleich. Brivio lobt auch den Zusammenhalt hinter den Kulissen: „Innerhalb der MSMA waren alle den Vorschlägen gegenüber offen. Alle haben im Interesse der MotoGP gesprochen. Ich hatte nie das Gefühl, dass jemand nur an sich selbst gedacht hat.“

Aber wie wird sich sportlich eine relativ kurze Saison auswirken, wenn man seit Jahren 18 oder mehr Rennen gewohnt war? „Ich weiß es nicht. Aber ich denke nicht, dass es zwischen einer kurzen und einer langen Saison einen großen Unterschied gibt“, meint der Italiener. „Es werden immer die gleichen Fahrer schnell sein.“

„Die schnellen Fahrer werden immer vorne sein“

„Natürlich gibt es Variablen in diesem Jahr. Man wird sehen, ob diese lange Pause den einen mehr oder den anderen weniger beeinflusst hat.“ Vor dem ersten Rennen wird es zumindest noch einen Test-Tag geben. „Aber in Bezug auf Ergebnisse und Wettbewerb sollte es mehr oder weniger gleich sein. Es gibt eine ungefähre Idee, welche Rennen wir fahren werden.“

„Ich habe eine Überlegung angestellt“, nennt Brivio beispielsweise einen Gedanken. „Wir könnten zwei Mal in Jerez und zwei Mal in Österreich fahren. Zieht man die Ergebnisse von Jerez und Österreich vom Vorjahr heran und verdoppelt sie, wäre das Ergebnis für die WM im Endeffekt sehr ähnlich.“

„Ich glaube nicht, dass sich allzu viel verändern wird. Natürlich wird es wichtiger sein, keine Fehler zu machen. Weil man weniger Rennen hat, um wieder aufholen zu können. Vinales hatte zum Beispiel im Vorjahr einen schwierigen Saisonstart – und war dann am Ende sehr stark. Aber für die ersten Positionen in der WM wird sich im Vergleich zu einer langen Saison nicht viel ändern.“

„Suzuki kann die Überraschung sein. Aber ich hoffe, dass wir nicht mehr eine Überraschung sind. Im Vorjahr waren wir im letzten Teil der Saison nicht mehr so gut und hätten es besser machen können. Wir müssen konstantere Ergebnisse haben. Aus dieser Sicht könnte eine kurze Saison hilfreich sein.“