Gigi Dall’Igna erklärt, wie der typische Arbeitsprozess bei Ducati aussieht – und welchen langwierigen Prozess Ideen durchlaufen, bis sie auf die Strecke kommen.

Es ist wohl unumstritten, dass Ducati in den vergangenen Jahren der innovativste unter den MotoGP-Herstellern war. Angefangen bei den Winglets, über den sogenannten „Holeshot Device“ bis hin Hinterrad-Flügel, der sogar zum Rechtsfall wurde.

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Kaum einem Rennstall gelingt es so gut, die immer strikter werdenden technischen Regularien derart auszureizen wie Ducati. Allerdings hält der dadurch entstandene Vorteil meist nur eine gewisse Zeit vor. Nämlich bis die Konkurrenz Ducatis Ideen adaptiert und entsprechend eigene Lösungen entwickelt und verbaut hat.

Als Mastermind hinter Ducatis Innovationsfreude gilt Gigi Dall’Igna, seit 2014 Rennsport-Chef des MotoGP-Teams der Italiener. Doch im Interview mit ‚Crash.net‘ versichert der 53-Jährige: „Die Ideen kommen immer von einem Team von Leuten. Ich glaube nicht, dass alle Ideen von einem einzigen Mann kommen müssen.“

Schwierig zu sagen: „Das war von Honda, das von Yamaha“

„Es ist wichtig, die Leute dazu zu bringen, neue Ideen zu finden, neue Ideen zu erklären. Und das ist der typische Arbeitsprozess bei Ducati. Manchmal haben wir lange Meetings, mit vielen Leuten. Nur um neue Ideen zu entwickeln oder um neue Ideen zu finden.“

Dass dabei auch immer die Konkurrenz eine Rolle spiele, verheimlicht Dall’Igna nicht – im Gegenteil. „Wir studieren die anderen Hersteller ziemlich viel. Wir kopieren nicht, aber manchmal lasse ich mich von ihnen inspirieren.“ Insofern sei es eher schwierig zu sagen, „das war von Honda, das von Yamaha“, gibt der Ducati-Rennchef zu.

„Ständig versuchen wir, die Entwicklungen, die sie gemacht haben, zu verstehen und einige Ideen daraus zu übernehmen. Es ist ein konstanter Prozess.“ Und an dessen Ende muss eine Entscheidung fallen, welche der Ideen weiterverfolgt und umgesetzt wird und welche nicht. Oft kein leichtes Unterfangen, wie Dall’Igna weiß.

Ducati von Fortschritten beim Honda-Motor nicht überrascht

„Manchmal ist es vom technischen Standpunkt aus gesehen recht einfach herauszufinden, welche die beste Idee ist und auf welche man ‚wetten‘ sollte. Andere Male ist es nicht einfach, nicht so klar. Und so muss ich letztlich entscheiden, welchen Ideen wir folgen müssen.“ Wie viele es nie auf die Strecke schaffen, vermag er nicht zu sagen.

Was die Entwicklung für die kommende Saison angeht, verrät der Italiener: „Sicherlich ist die Priorität nicht der Motor. Aber es ist wahr, dass vor allem Honda in diesem Jahr einen guten Schritt gemacht hat.“ Ducati habe das aber nicht wirklich überrascht.

„Wenn ich der technische Direktor von Honda wäre, würde ich den Motor auch weiterentwickeln. Denn ich muss zumindest auf dem gleichen Niveau wie die anderen Wettbewerber sein. Deshalb überrascht mich die Entwicklung des Honda-Motors nicht. Aber gleichzeitig würde ich gerne einen weiteren Schritt (mit dem Ducati-Motor) machen.“

Denn nur so ließe sich der momentane Vorsprung gegenüber der Konkurrenz halten. „Sicher werden die anderen Ingenieure auch während der Winter-Tests arbeiten. Und wenn wir dort bleiben wollen, wo wir sind, müssen wir uns verbessern. Sonst werden wir zurückfallen. Es ist also nicht unsere Priorität, aber es ist wichtig“, sagt Dall’Igna.