Nebel zeigt sich von Reddings Performance in der BSB beeindruckt. Er glaubt an ein Duell Redding vs. Rea an der Spitze.

Am Wochenende wird die Superbike-WM-Saison 2020 in Jerez fortgesetzt. Ducati-Pilot Scott Redding reist als WM-Zweiter nach Andalusien und zählt zum Kreis der großen Favoriten. Beim WM-Auftakt in Australien schaffte es der Brite als einziger Fahrer in allen drei Rennen aufs Podium. Folgt in Jerez der erste WSBK-Laufsieg?

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In der Coronavirus-Pause quälte sich Redding auf dem Rennrad und spulte etliche Kilometer ab, um sich körperliche auf die Fortsetzung der Saison vorzubereiten. „Rennradfahren macht noch nicht schnell, aber es verdeutlicht, wie groß sein Wille ist“, bemerkt ServusTV-Experte Stefan Nebel. „Den nötigen Biss hat er, um auf das Podium zu fahren.“

„Die körperliche Fitness ist wichtig. Das wissen aber auch die anderen Fahrer. Ein Jonathan Rea hängt das nicht so an die große Glocke. Aber wenn man weiß, wie hart und diszipliniert Rea trainiert, dann verfügt er zweifellos über die richtige Basis, auch wenn es nicht so radikal aussieht“, kommentiert Nebel.

Kann Redding den Schwung aus der BSB mitnehmen?

Im vergangenen Winter kam Redding als BSB-Champion in die WM. Bereits in seiner ersten Saison in der hart umkämpften Britischen Meisterschaft setzte sich Redding durch, obwohl die Strecken, das Motorrad, die Reifen und das Fahren ohne Elektronikhilfen neu für den langjährigen Grand-Prix-Piloten waren.

„Das hat mich am meisten beeindruckt. Es ist schon richtig heftig, im ersten Jahr die BSB zu gewinnen. Ich hoffe, dass er den Schwung mitnehmen kann“, bemerkt Nebel mit Blick auf Reddings Werdegang. „Wenn man sich in Donington Park, Oulton Park oder Brands Hatch wohl fühlt, dann fühlt man sich auf jeder Strecke wohl. Dann kann man auf jede andere Strecke gehen und es kommt einem spielerisch vor. So fährt er ja auch.“

„Trotzdem ist Rea der Endgegner auf eine gesamte Saison hin gesehen. Ich kann mir vorstellen, dass Redding in Rea seinen Meister findet. Es kann aber auch dazu führen, dass er Rea das eine oder andere mal so unter Druck setzt, dass man gespannt sein darf, wie das ausgeht. Wer zieht den Kürzeren?“, fragt sich ServusTV-Experte Nebel.

„Ich bin gespannt, wie es sich über die Saison hin gestaltet. Redding ist bereit für alles und deswegen auch regelmäßig vorne zu finden. Er liefert ab und ist bereit. Rennen sind aber immer etwas anderes“, warnt Nebel, der die WSBK auch in diesem Jahr bei ServusTV als Experte begleitet.

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Findet Chaz Davies zu alter Stärke?

Gespannt sein darf man auch, ob Chaz Davies in diesem Jahr zur gewohnten Stärke findet. Der Waliser erlebte 2019 eine durchwachsene Saison mit der neuen Ducati Panigale V4R. Nach einem enttäuschenden Saisonstart steigerte sich Davies in der zweiten Saisonhälfte und feierte in Laguna Seca den ersten Sieg mit der V4-Ducati. In diesem Jahr muss er sich steigern, wenn er seinen Platz im Team behalten möchte.

„Es ist schön, wieder zu fahren. Es wird alles ungewohnt sein, doch die Welt hat sich in den vergangenen Monaten verändert“, so Davies. „Wie wir bei der MotoGP sehen konnten, wird die Temperatur das beherrschende Thema sein für alle. Es wird aus vielerlei Hinsicht eine große Herausforderung für die Fahrer, für die Reifen und für die Abstimmung.“

„Es wird wichtig sein, ab Freitagmorgen gut zu arbeiten. Körperlich fühle ich mich gut. Ich habe intensiv gearbeitet und kann es kaum erwarten, wieder auf meine Panigale V4R zu steigen“, berichtet Davies, der nach den Testfahrten optimistisch ist: „Die Tests in Misano und Barcelona haben uns positive Hinweise geliefert.“

Nebel erkennt keinen mangelnden Willen bei Davies

Und was sagt ServusTV-Experte Stefan Nebel zur Situation des dreimaligen WSBK-Vize-Weltmeisters? „Ich glaube, dass Ducati einige Dinge erkennt, die Chaz Davies sensationell gut macht. Ich rede von den Datenaufzeichnungen. Sie wissen, dass nicht viel fehlt, um den Anschluss zu finden. Sie wissen, dass er mit seiner ruhigen Art gut ins Team passt“, analysiert der Ex-Racer.

„Aber es ist jetzt Zeit, um abzuliefern“, stellt Nebel klar. „Denn sonst ist auch er nicht zufrieden. Man sieht es ihm im Fahrerlager an. Die Frage ist, wie lange er noch leiden muss, bis es wieder so läuft, wie er es sich vorstellt“, fragt sich der ServusTV-Experte.

„Mangelnden Willen kann man ihm nicht vorwerfen. Das ist auf jeden Fall gegeben, wenn man ihn fahren sieht“, so Nebel. „Manchmal holt er seine Zeiten mit der Brechstange und manchmal mit Stil. Und wenn er locker lässt und wie in Laguna Seca seinen Stil fährt, dann sieht es auch gut aus.“

Doch nachdem Alvaro Bautista im vergangenen Jahr die Aufmerksamkeit auf sich zog, hat Davies in diesem Jahr mit Scott Redding erneut einen starken Teamkollegen in der Nachbarbox, der für Schlagzeilen sorgt. „Redding als Teamkollege zu haben und immer zu sehen, wie dem Fahrer in der Box nebenan zugejubelt wird, ist ein schweres Los. Er kann die Antwort nur auf der Strecke geben. Sonst starten irgendwann die Diskussionen“, ist Nebel überzeugt.