Nach dem Highsider im FP1 wird Marc Marquez ins Krankenhaus eingeliefert und fährt wenig später im FP2 schon wieder Spitzenzeiten: Wie kam es zum Horror-Abflug?

Die MotoGP-Welt hielt am Freitagmorgen kurz den Atem an, als Marc Marquez in der Schlussphase des FP1 in Buriram (Thailand) zu Sturz kam. Der Spanier flog im hohen Bogen von seiner Honda und konnte daraufhin nicht richtig atmen. Erst nach einigen Sekunden bekam der 26-Jährige wieder Luft. Nach dem FP2 erklärte Marquez, wie es zum Sturz kam und wie er sich dabei fühlte.

„Ich hatte einen merkwürdigen und heftigen Abflug am Morgen. Es war lange her, dass ich in der MotoGP einen Highsider hatte“, bemerkt Marquez. „Es war ein Albtraum, weil ich fünf Sekunden lang nicht atmen konnte. Deshalb blieb ich liegen.“

„Es waren nur fünf Sekunden, aber es fühlte sich an, als wären es 20 Sekunden. Es war ein heftiger Aufprall. Es wurde aber wieder besser. Als ich im Medical Center ankam, war es bereits okay“, schildert der Honda-Werkspilot, der sich von Doktor Charte begutachten ließ.

Buriram: Marquez' Horror-Sturz aus mehreren Perspektiven

Die Ärzte wollen kein Risiko eingehen

„Er hatte einen sehr schweren Unfall“, bestätigt Charte im Gespräch mit ‚MotoGP.com‘. „Wenn Marc stürzt, dann steht er normalerweise schnell auf. In diesem Fall bewegte er sich nach dem Unfall nicht. Er konnte nicht atmen. Der Aufprall war sehr hart. Er hatte Schwierigkeiten, aufzustehen und zu atmen. Das hielt aber nur für ein paar Sekunden an.“

„Wir brachten ihn ins Medical Center und erkannten, dass er im Lendenbereich, am linken Schienbein und am rechten Gesäßmuskel einige Prellungen hatte. Wir beobachteten ihn und erkannten, dass er schnell wieder seine normale Atem- und Herzfrequenz hatte. Wir machten einige Röntgenbilder. Sein allgemeiner Zustand war gut, als er ins Medical Center eingeliefert wurde“, erklärt der Experte.

„Das Bein sah gut aus, doch wir waren uns beim Rücken unsicher. Deshalb trafen wir die Entscheidung, ihn ins Krankenhaus von Buriram zu bringen, um ein MRT der kompletten Wirbelsäule zu machen“, begründet Charte den Besuch im Krankenhaus. „Wir erkannten keine Verletzung in diesem Bereich. Es gibt einige Prellungen, doch es ist kein Knochen beschädigt. Weder Frakturen noch Risse in der Wirbelsäule.“

Überall Schmerzen, doch der FP2-Stress blendet diese aus

„Wichtig ist, dass es mir gut geht. Auch wenn ich überall Schmerzen habe“, hält Marquez fest. „Die stärksten Schmerzen habe ich im Rücken. Im FP2 spürte ich bei den ersten Runden etwas, doch als ich mich richtig konzentrierte, vergaß ich das.“

Doch wie kam es zum Sturz? „Ich fuhr langsamer als sonst. Ich kam aus der Box. Ich war mit frischen Reifen unterwegs. Vielleicht war der Kurs nicht sauber genug“, grübelt Marquez. Und er nennt den Hauptgrund: „Normalerweise gehe ich in dieser Kurve nicht komplett vom Gas. Wir gehen vom Gas, schließen es aber nicht komplett. Bei meiner Out-Lap schloss ich das Gas komplett.“

„Wenn man komplett vom Gas geht, setzt die Motorbremse ein und dadurch verlor ich das Heck. Es war kein mechanisches Problem. Es war mein Fehler“, nimmt er den Abflug auf seine Kappe. „Das Honda-Team hat gute Arbeit geleistet. Ich habe das Motorrad komplett zerstört. Ihnen fehlte die Zeit, um die zweite Maschine für das FTP fertig zu bekommen. Ich fuhr die Session mit einem Motorrad. Es war besser, weil man sich beim Neuaufbau nach so einem Sturz komplett sicher sein will.“

Miller bestätigt Marquez-Theorie, Quartararo staunt

Fabio Quartararo (Petronas-Yamaha) beendete den Freitag als Tagesschnellster. Der junge Franzose schob sich beim finalen Angriff im FP2 an die Spitze. Quartararo nahm Marquez knapp eine halbe Sekunde ab. Die Leistung des Spaniers stuft Quartararo hoch ein: „Er stürzte, wurde ins Krankenhaus eingeliefert und war nach der ersten Runde ganz vorn. Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Ich denke, er wird um den Sieg kämpfen.“

Jack Miller (Pramac-Ducati) hatte keine Zweifel daran, dass Marquez den Sturz selbst verursacht hat. Der Australier weiß, wie gefährlich der Chang International Circuit ist, vor allem auf der Out-Lap. „Das kann sehr schnell passieren“, bemerkt er.

„Ich fahre an dieser Stelle wie im Nassen mit Stützgas, um das Motorrad nicht unruhig zu machen. Es ist rutschig, es ist keine schöne Stelle. Ich sah, wie Oliveira dort heute Morgen ebenfalls in der Out-Lap stürzte. Es war seine erste Runde des Tages. Es ist nicht gerade ideal. Ich erinnere mich an das Rennen im Vorjahr und den Test. Uns ist das bewusst“, so Miller.