Ein Jahr nach seiner schweren Beinverletzung feiert Cal Crutchlow auf Phillip Island einen Podestplatz. Er verrät, dass ihn der Unfall bis jetzt sehr belastet hat.

Vor zwölf Monaten musste Cal Crutchlow den Grand Prix von Australien im Krankenhaus verfolgen. Bei einem schweren Trainingssturz in Kurve 1 hatte er sich damals einen komplizierten Bruch des rechten Knöchels zugezogen. „Normalerweise beeindrucken mich Stürze nicht, aber dieser Crash verfolgt mich seit einem Jahr“, gibt der Brite zu. „Als ich zu diesem Grand Prix gekommen bin, habe ich darüber nachgedacht, was alles passieren kann. Der Unfall hätte auch mein Karriereende bedeuten können.“

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Crutchlow musste 2018 die restlichen Rennen und die ersten Testfahrten auslassen. Es war im vergangenen Winter eine langwierige Rehabilitation. „Mein Chirurg war heute an der Strecke. Ich bedanke mich bei ihm, dass er meine Karriere gerettet hat. Zu Jahresbeginn wussten wir nicht, ob ich überhaupt fahren werde können. Dass ich jetzt ein paar Podestplätze erreicht habe und auch hier dabei bin, ist etwas Besonderes.“

Der zweite Platz auf Phillip Island ist für Crutchlow deshalb ein ganz besonderes Ergebnis. Es war erst sein dritter Podestplatz in dieser Saison. Es gab einige schwierige Rennen, in denen der Honda-Pilot nicht im Spitzenfeld vertreten war. Dass er ausgerechnet auf Phillip Island Zweiter geworden ist, hat für Crutchlow einen besonderen Stellenwert.

Gemeinsame Feier mit Kumpel Jack Miller

„Das gesamte LCR-Honda-Team verdient sich diesen Podestplatz. Wir wissen natürlich, dass wir Glück hatten, denn Maverick hätte sich den Podestplatz verdient gehabt“, spricht Crutchlow den späten Sturz von Vinales an, wodurch er Platz zwei geerbt hat. „Aber es ist großartig, gemeinsam mit meinem Kumpel Jack auf dem Podium zu stehen.“

Crutchlow konnte sich in der Startphase auf dem zweiten Platz festsetzen und dann auch die Führung von Valentino Rossi übernehmen. Als dann Vinales und Marc Marquez die Flucht nach vorne antraten, konnte er zunächst mithalten. Aber dann musste Crutchlow die beiden Spanier ziehen lassen. Er fuhr alleine an der dritten Stelle, woraus am Ende eben noch Platz zwei wurde.

„Das Set-up war für das Rennen nicht perfekt, aber ich habe es umsetzen können. Wir haben uns auch für den falschen Reifen entschieden, aber das weiß man eben erst hinterher. Ich dachte, der weiche Reifen könnte riskant sein.“ Vinales und Marquez fuhren mit dem weichen Hinterreifen, Crutchlow mit dem harten.

„Als sie mich überholt haben, habe ich sofort gesehen, dass sie den besseren Reifen hatten. Sie konnten das Motorrad besser aufrichten. Mit Marc und Maverick konnte ich nicht mithalten, aber ich habe das Gefühl, dass es mit dem richtigen Reifen möglich gewesen wäre. Zumindest wäre ich näher dran gewesen.“

Crutchlow: Kein Problem mit Manöver von Marquez

Brenzlig war das Überholmanöver von Marquez, denn der Spanier berührte seinen Markenkollegen. „Ich bin mir sicher, dass er die Sache anders sieht, aber ich habe kein Problem mit seinem Manöver“, hält Crutchlow fest. „Ich habe nie viel Platz gelassen, also weiß ich nicht, wo er die Lücke gesehen hat. Es hätte mir beinahe den Handschuh ausgezogen. Ich habe eine Runde lang versucht, ihn wieder zu richten, auch als ich auf der Geraden Iannone überholt habe. Aber wie gesagt, kein Problem mit diesem Duell.“

In der zweiten Rennhälfte ging es dann nur noch darum, ins Ziel zu kommen. „Mein Reifen war in den letzten fünf Runden komplett am Ende, also bin ich nur mehr gecruist, weil ich nach hinten genug Vorsprung hatte. Nachdem, was im vergangenen Jahr hier passiert ist, ist es sehr schön, auf dem Podest zu stehen. Schon am Freitag hatte ich ein gutes Gefühl, dass ich es auf das Podium schaffen kann. Meinem Team habe ich das aber nicht gesagt.“

Am Abend wird wohl gemeinsam mit Kumpel Miller in Melbourne der Erfolg gefeiert werden. Für Crutchlow ist Platz zwei nicht nur das beste Saisonergebnis sondern auch sein bestes Ergebnis seit dem Sachsenring im Sommer. „Es ist eine große Sache für mich. In Malaysia probiere ich es wieder, aber ich glaube, dort wird es schwieriger“, blickt er aufs kommende Wochenende voraus.