Laut Ex-HRC-Manager Livio Suppo gehört Jonathan Rea vom Talent her in die MotoGP – doch erst dank seiner Erfolge in der WSBK wurde der Nordire zur Motorrad-Legende.

Laut Statistiken ist Jonathan Rea der mit Abstand erfolgreichste Fahrer der WSBK-Geschichte. Mit fünf Titeln und 89 Laufsiegen führt er die beiden wichtigsten Erhebungen an. Das Thema MotoGP dürfte für den Nordiren allerdings erledigt sein – schließlich wäre er zu Beginn der Saison 2021 schon 34 Jahre alt. Zudem gibt es kaum noch attraktive Sitze für die kommende Saison.

Advertisement

Vor knapp acht Jahren hatte ihm Honda zwei MotoGP-Einsätze ermöglicht. Seinerzeit schlug Rea sich beachtlich, fuhr beide Male in die Top 8. Und musste sich dabei als Ersatz für Casey Stoner binnen kürzester Zeit an die Honda RC213V, die Carbon-Bremsen und die Bridgestone-Reifen gewöhnen.

Damals saß Livio Suppo bei HRC am Kommando-Stand. Der Italiener erinnert sich an Reas Einsätze: „Er leistete unglaublich gute Arbeit. Vor allem wenn man bedenkt, dass er an vier Wochenenden in Folge im Einsatz war. Erst in der MotoGP, dann in der Superbike-WM, danach wieder in der MotoGP und schließlich in der Superbike-WM, wenn ich mich richtig erinnere.“

Professor Nebel: Vorbereitung aufs Renn-Training

Rea bekam viel Lob von HRC-Ingenieuren

„Das bedeutet, dass er sich Woche für Woche umgewöhnen musste. Und mit verschiedenen Reifen, unterschiedlichen Bremsen und so weiter klar kommen musste. Wenn man sich vor Augen führt, dass er zuvor nie getestet hatte, leistete er wirklich gute Arbeit“, lobt Suppo im Gespräch mit ‚Motorsport-Total.com‘.

„Wir waren von seinen Leistungen beeindruckt. Ich erinnere mich, dass auch die Ingenieure, mit denen er arbeitete, richtig angetan waren, wie er sich anpasste und wie er lernte“, berichtet Suppo.

Für Rea war es beim ersten MotoGP-Einsatz in Misano umso schwieriger, weil die Freien Trainings am Freitag und Samstag allesamt verregnet waren. Im Qualifying war er dann erstmals auf trockener Strecke unterwegs und für mit 1,5 Sekunden Rückstand auf Startplatz neun. Im Rennen kam er dann 43 Sekunden hinter Sieger Jorge Lorenzo (Yamaha) ins Ziel und wurde Achter.

Am Wochenende nach dem MotoGP-Rennen in Misano ging es für Rea nach Portimao (Portugal). Beim WSBK-Event fuhr er mit der Honda Fireblade auf das Podium. Eine Woche später stand dann in Aragon (Spanien) sein zweiter MotoGP-Einsatz auf dem Programm.

Deutliche Steigerung beim zweiten MotoGP-Start

Im Qualifying lag Rea nur noch 1,006 Sekunden zurück, stand in Reihe drei auf Platz sieben. Im Rennen konnte der Nordire diese Platzierung halten und kam mit 32 Sekunden Rückstand ins Ziel. Es sollte Reas letzter Auftritt in der MotoGP gewesen sein.

„Ich denke, dass er vom Talent her einen Platz in der MotoGP verdient hätte“, bemerkt Suppo. „Aber so ist das Leben – und aus irgendeinem Grund bekam er nie so richtig die Chance, als er jung war. Dann fühlte er sich zu alt, um zu wechseln und bevorzugte es, bei Kawasaki zu bleiben. Denn dort bekam er einen sehr guten Vertrag.“

„In unserem Sport gibt es Helden wie zum Beispiel Troy Bayliss. Sie sind Helden wegen dem, was sie in der Superbike-WM erreicht haben. Und nicht wegen dem, was in der MotoGP passiert ist. Ich denke nicht, dass Jonathan in der MotoGP fünf Titel geholt hätte, wie ihm das in der Superbike-WM gelungen ist“, sinniert Suppo.

„Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass Jonathan ein Kaliber wie Marc (Marquez) fünf Mal besiegt hätte. Er hätte in der MotoGP ein Spitzenfahrer sein können. Doch jetzt ist er eine Legende, weil er so viel in der Superbike-WM gewonnen hat“, so Suppo.