Viele Fahrer kritisieren sie Entscheidung der Rennleitung nach dem Öl-Verlust von Francesco Bagnaia. Vor allem Takaaki Nakagami nahm sich kein Blatt vor den Mund.

Beim zweiten MotoGP-Rennen in Jerez war Francesco Bagnaia auf dem besten Weg zu seinem ersten Podestplatz. In der zwölften Runde überholte er seinen Mentor und Kumpel Valentino Rossi für den zweiten Platz. In der Folge setzte sich Bagnaia von seinem Landsmann ab und war sicherer Zweiter.

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Aber fünf Runden vor Rennende kam das plötzliche Aus. Eine Rauchfahne kündigte ein technisches Problem an der Ducati an. Bagnaia rollte aus, blieb stehen und konnte im ersten Moment sein Pech gar nicht fassen.

„Ich bin traurig, aber wenn ich an das gesamte Wochenende denke, bin ich mit der Arbeit zufrieden“, sagt der Moto2-Weltmeister von 2018. Jerez 2 war neben Phillip Island im Vorjahr sein bisher stärkstes MotoGP-Wochenende.

„Ich weiß nicht was genau passiert ist. Die Ducati-Ingenieure müssen sich den Motor erst genau ansehen und herausfinden, was wirklich passiert ist“, meint Bagnaia. „Drei Runden zuvor spürte ich, dass das Motorrad etwas langsamer lief.“

So gefährlich war das Öl für die nachfahrenden Piloten

Der Rauch wurde vor allem von den nachfolgenden Fahrern mit Sorge aufgenommen, denn die Ducati versprühte Öl auf der Strecke. Rossi, Maverick Vinales, Takaaki Nakagami und Joan Mir lautete die Reihenfolge hinter Bagnaia.

„Das war schlecht“, sagt Rossi zu dieser Situation. „Weil ich der erste Fahrer war, habe ich 0,7 Sekunden an Maverick verloren. Ich habe den Rauch gesehen und habe verlangsamt. Das ist gefährlich, weil man sehr schnell fährt. Ein Desaster!“

„Öl ist immer ein Bastard! Auf der einen Seite musste ich pushen, weil Maverick hinter mir war und es um das Podium ging. Ich habe auf der Geraden ein Zeichen gegeben und dann haben sie es Pecco signalisiert.“

Bagnaia bestätigt, dass er erst auf Anweisung der Offiziellen gemerkt hat, dass er Öl verliert: „Ich habe auf dem Dashboard die schwarz-orange Fahne gesehen.“ Daraufhin stellte er die Ducati auf der Geraden Richtung Kurve 6 ab.

„Pecco hat es gut gemacht, denn er ist eineinhalb Runden gefahren und hat dann angehalten“, findet Rossi. Die übrigen Fahrer sind nicht ganz dieser Meinung. Die Rennleitung hätte viel früher auf die rauchende Ducati reagieren müssen – so der Tenor.

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Nakagami: „Rennleitung hat Fehler gemacht“

„Die Rennleitung hat einen Fehler gemacht“, betont Nakagami. „Wir sind zwei Runden hinter ihm gefahren und sein Motorrad hat stark geraucht. Auch der Geruch war sehr seltsam. Ich hatte Angst, dass mir das Vorderrad wegrutschen könnte.“

„Die Rennleitung sagt immer, dass die Sicherheit an erster Stelle steht, aber diesmal haben sie einen Fehler gemacht. Sie hätten das Motorrad früher anhalten müssen. Eine Runde ist okay, aber zwei Runden nicht. Sie müssen mehr an die Sicherheit denken.“

Dass es eine gefährliche Situation war, findet auch Suzuki-Pilot Mir: „Im ersten Moment dachte ich, dass der Rauch von einer der beiden Yamahas stammt. Dann merkte ich, dass es Bagnaia war. Ich dachte mir, wenn der Motor wirklich hochgeht, dann stürzen wir alle. Es war eine wirklich gefährliche Situation.“

„Man hat das Öl gerochen“, bestätigt auch Vinales. „Wir sind in dieser Runde mindestens eine halbe Sekunde langsamer gefahren. Wir wollten auf jeden Fall nicht auf diesem Öl stürzen. Ein gefährlicher Moment! Zum Glück ist nichts passiert. Nachher konnte man wieder attackieren.“

Bagnaia: Vorfreude auf Brünn und Österreich

Schließlich rutschte kein Fahrer auf diesem Öl aus. Für Bagnaia war es wohl der bitterste Ausfall seiner Karriere. Mit Startplatz drei und seiner starken Fahrt im Rennen hat der Italiener dennoch Eindruck hinterlassen, denn Andrea Dovizioso und Danilo Petrucci hatte er locker im Griff.

„Ich habe versucht, seit der ersten Session zu pushen. An diesem Wochenende hat alles viel einfacher funktioniert. Wir haben an der Pace gearbeitet“, sieht Bagnaia die positiven Aspekte. „Die anderen Ducati-Fahrer hatten mehr Mühe. Für Brünn glaube ich, dass sie schneller sein werden.“

Ein Unterschied zu Dovizioso und Petrucci ist die Bremsphase. So wie Bagnaia bremst, scheint es besser zu funktionieren: „Im Vorjahr war die Bremse für mich ein Problem. Daran habe ich gearbeitet. Außerdem achte ich darauf, dass ich beim Beschleunigen den Hinterreifen nicht durchdrehen lasse.“

Der Blick in die Zukunft ist optimistisch, denn es kommen Strecken, die für Ducati gut sein sollten: „Brünn passt viel besser zum Motorrad. Mir gefällt die Strecke auch sehr gut. Wenn wir so wie an diesem Wochenende arbeiten, dann können wir in den Top 5 kämpfen. Ich habe mich hier sehr stark gefühlt. Auf einer Strecke, die mehr dem Bike und mir passt, sollten wir noch stärker sein.“