Welchen Anteil hat Testfahrer Sylvain Guintoli am Erfolg der GSX-RR? Rückblickend erklärt der Franzose, warum gerade das Jahr 2017 entscheidend für den Aufschwung war.

Mit Alex Rins (23 Jahre) und Joan Mir (21) setzt Suzuki auf zwei junge Fahrer. Der Mann mit der meisten Erfahrung bei den Japanern ist Sylvain Guintoli. Der Franzose fuhr schon 2007 und 2008 in der MotoGP und verbrachte dann einige Jahre in der Superbike-WM, wo er 2014 Weltmeister wurde. Der 37-Jährige hat in seiner Karriere schon die verschiedensten Motorräder gefahren und kann Suzuki in seiner Rolle als Testfahrer weiterhelfen.

„Er ist nützlich, um Teile auszusortieren, weil die Testzeit sehr eingeschränkt ist“, hält Suzuki-Teammanager Davide Brivio fest. „Wir nutzen seine Erfahrung für die erste Auswahl. Die finale Entscheidung liegt dann bei den Stammfahrern.“ Neue Entwicklungen testet oder fährt Guintoli zum Beispiel bei Wildcard-Einsätzen. Was Fortschritte bringt, geht anschließend weiter an Rins und Mir.

Guintoli will nicht im Mittelpunkt stehen

Dass Guintoli maßgeblich beim Aufschwung von Suzuki beteiligt ist, will er selbst so nicht sehen: „Manchmal fühlt es sich peinlich an, wenn Leute zu mir kommen und sagen, dass ich es toll mache. Ich finde es schön, ein Teil des Prozesses zu sein. Die Arbeit, die wir jetzt im Test-Team machen, ist ein wirkliches Element des Teams. Wir haben ein vollwertiges Test-Team, das wie ein Renn-Team funktioniert.“

Als Crew-Chief fungiert Tom O’Kane, der schon seit 2005 mit kurzen Unterbrechungen für Suzuki gearbeitet hat. „Wir arbeiten sehr effizient und es ist schön, ein Teil davon zu sein“, sagt Guintoli über seine Mannschaft. „Aber das meiste Lob gebührt Suzuki und unseren beiden jungen Fahrern, die wissen, wie man das Gas aufdreht.“ Mittlerweile zählt Rins bei den meisten Rennen zu den Podestkandidaten.

2017 für Suzuki ein prägendes Jahr

Die GSX-RR war aber nicht immer so konkurrenzfähig. Nach dem Sieg von Maverick Vinales 2016 erlebte Suzuki mit Rookie Rins und Andrea Iannone ein schwieriges Jahr ohne Top-Ergebnisse. Suzuki hatte beim Motor einen Fehler gemacht, den man nicht korrigieren konnte, weil man 2017 keine Freiheiten durch die Konzessionspunkteregel hatte. Man konnte nur an Chassis, Gewichtsverteilung, Dämpfung und Elektronik arbeiten.

„Nachdem wir identifiziert hatten, was nicht richtig war, haben wir an Gegenmaßnahmen gearbeitet, weil wir nichts daran ändern konnten“, blickt Guintoli zurück. „Gegen Ende 2017 wurden wir in Phillip Island und Valencia konkurrenzfähiger. 2018 war das Motorrad sofort besser. Die ganze Arbeit, die wir in der zweiten Saisonhälfte 2017 gemacht haben, wurde dann sehr nützlich. Also die ganze Arbeit und Mühe machen dich stärker, wenn du weniger Probleme hast.“

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Deswegen glaubt der Franzose, dass das schwierige Jahr 2017 charakterbildend und wertvoll war: „Ich denke, es hat alle im Team angefeuert. Selbst in einer schwierigen Situation haben alle zusammengehalten und weitergearbeitet. Das hat zu einem starken Zusammenhalt im Team geführt. Diese tolle Einstellung macht sich jetzt bezahlt. Jetzt sieht man an den meisten Wochenenden glückliche Gesichter, weil es schön ist, dass unsere Jungs konkurrenzfähig sind.“

Guintoli selbst bekommt pro Jahr drei Wildcard-Einsätze und muss ansonsten diverse Testfahrten absolvieren. Vermisst er es, ein Stammfahrer zu sein? „Nein, ich liebe was ich mache. Natürlich ist es nicht einfach, mitten im Jahr Rennen zu fahren, aber für mich ist es die richtige Balance. Ich kann eine Pace halten und es macht Spaß. Dieses Motorrad ist auch fantastisch zu fahren und es ist toll, ein Teil des Teams zu sein. Für mich funktioniert diese Balance sehr gut.“ Außerdem ist Guintoli bei den 8 Stunden von Suzuka mit Yoshimura-Suzuki am Start.