Die Gelbe Flaggen-Regel wurde in Jerez verschärft. Wirkliche Freude damit hat aber keiner der MotoGP-Piloten.

Seitdem die MotoGP zum zweiten Rennwochenende in Jerez eine verschärfte Gelbe-Flaggen-Regel eingeführt hat, steht diese in der Diskussion. Zwar waren sich alle einig, dass die Sicherheit auf der Strecke im Fall eines Unfalls für den Gestürzten und die nachfolgenden Fahrer gewährleistet sein muss, dennoch gab es Kritik.

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So ärgerte sich etwa KTM-Pilot Pol Espargaro im Qualifying für den Grand Prix von Tschechien über eine gelbe Flagge, die ihm den Sprung in die erste Startreihe verhagelte. Seine Rundenzeit wurde gestrichen, weil er sich unter Gelb verbessert hatte.

Im Zentrum seines Ärgers stand bei Espargaro aber nicht das Flaggensignal an sich, sondern wie und wo es gezeigt wurde. „An der Stelle, wo sie die gelbe Flagge zeigen, ist es schon spät. Ich habe sie nicht gesehen“, erklärte der Spanier damals. Auslöser des Signals war ein Sturz von Cal Crutchlow (LCR-Honda) in Kurve 9.

Crutchlow früchtet: Es wird nur noch „riskanter“

Auch er sieht die neue Flaggenregel kritisch: „Auch mir wurde schon eine Rundenzeit gestrichen, weil ich die gelbe Flagge nie genau in der gleichen Kurve sah. Es ist so schwierig, denn man pusht, man sieht, dass die Sektoren besser werden und plötzlich stürzt jemand. Es ist nicht dein Fehler und doch ist deine Runde für den Müll.“

Der Brite glaubt, dass die neue Regel die Situation auf der Strecke entgegen ihres eigentlichen Zwecks sogar noch verschlimmern könnte. „Es könnte dadurch gefährlicher werden… nicht gefährlich, wir müssen mit dem Wort gefährlich vorsichtig sein, aber es könnte es viel riskanter machen“, mutmaßt der Honda-Fahrer.

„Zu Beginn der Session wird jeder Einzelne wie ein Verrückter rausgehen, um sicherzustellen, dass er sofort auf seiner Runde ist. Leider verdirbt das die Show. Die Leute wollen die letzten Runden sehen, mit den schnellsten Runden zum Schluss, wenn die Zeit schon abgelaufen ist. Aber das wird es mit diesem Gelbe-Flaggen-Ding nicht geben.“

Komplette Runde zu streichen, muss nicht sein

Zwar betont Crutchlow, dass er das Ansinnen hinter der neuen Regel durchaus nachvollziehen könne: „Ich war in solche Unfälle verwickelt und das ist nicht schön. Aber wir fahren Motorradrennen, und wir verstehen die Risiken“, so der Brite.

„Die Streckenposten machen einen tollen Job in der Art und Weise, wie sie vorgehen, wenn ein Mann gesichtet wird. Letzten Endes sind sie auch in dieser Hinsicht sehr professionell. Ich bin also nicht wirklich hundertprozentig mit der Regel einverstanden.“ Aus seiner Sicht sollte nicht die komplette Runde gestrichen werden.

„Sagen wir mal, Pol war eine halbe Sekunde unter seiner eigenen Zeit. In diesem Sektor hätte er in dieser Kurve zwei oder drei Zehntel verlieren können, das bedeutet, dass er immer noch zwei Zehntel über seiner eigenen Bestzeit liegt und er diese Runde weiterfahren kann, anstatt die ganze Runde zu verschrotten“, findet Crutchlow.

Rossi für Flaggensignale wie in der Formel 1

Dafür müsste freilich sichergestellt sein, dass die Flaggen für die Fahrer gut sichtbar sind. Hier sieht wie Espargaro und Crutchlow auch Valentino Rossi Nachholbedarf. „Vom Motorrad aus ist es manchmal wirklich schwer, die gelbe Flagge zu sehen“, sagt er.

„Vielleicht können wir das System verbessern. Meistens sind die Auslaufzonen groß – zum Glück. Aber dadurch ist der derjenige mit der gelben Flagge weit weg von der Strecke. Es wäre gut, dahingehend nachzurüsten und vielleicht einen größeren Display zu installieren, wie zum Beispiel in der Formel 1“, schlägt der „Doctor“ vor.

„Sie können näher an der Strecke angebracht werden. Ich denke, das könnte uns dabei helfen, die gelbe Flagge früher zu sehen. Wir sprechen manchmal in der Sicherheitskommission darüber und ich hoffe, wir können das verbessern. Denn den Mann mit der gelben Flagge zu sehen, ist für uns auf dem Motorrad wirklich nicht einfach.“