Die Bedingungen kamen Danilo Petrucci in Le Mans entgegen. Er sorgte eben dort für den ersten Ducati-Sieg.

Der Bugatti-Circuit in Le Mans und Danilo Petrucci passen zusammen. 2018 stand er als Zweiter auf dem Podest, 2019 als Dritter und 2020 als Sieger. Zum ersten Mal überhaupt hat ein Ducati-Fahrer auf dieser französischen Traditionsstrecke gewonnen.

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Für Petrucci ist sein zweiter MotoGP-Sieg seit Mugello 2019 eine große Genugtuung: „Es war bisher ein verrücktes Jahr. Die Saison hatte noch nicht einmal begonnen und ich hatte schon meinen Platz verloren. Es hatte den Anschein, dass niemand auf mich vertraut.“

Denn noch während der Corona-Pause war klar, dass Petrucci keine Zukunft mehr bei Ducati hat. Im nächsten Jahr wird der Italiener für Tech-3-KTM an den Start gehen. „Es war nicht schön, dass ich meinen Platz verloren habe, bevor die Saison begonnen hat“, sagt er jetzt.

„Man hat dann nicht mehr die richtige Motivation, für dieses Team zu fahren. Mir war schon Ende vergangenen Jahres klar, dass ich nicht mehr auf dieser Liste stehe. Aber andere Leute haben Vertrauen in mich. Deshalb bedanke ich mich bei allen Leuten, die mir vertrauen.“

„Ich habe eine lange Geschichte mit Ducati und musste schon gegen große Namen kämpfen, um diesen Platz zu bekommen. Vielleicht haben die Leute bei Ducati andere Ideen. Das habe ich verstanden. Im Endeffekt ist es besser so. Ich freue mich, dass ich wieder gewonnen habe.“

Danilo Petrucci: „Kann gar nicht verstehen, was ich vollbracht habe"

Petrucci wollte von Beginn an Rennen kontrollieren

Den Grundstein für den Sieg legte Petrucci schon im Qualifying mit Startplatz drei. Im Laufe der 26 Runden wurde er zwar vereinzelt überholt. Laut der offiziellen Rundentabelle führte er jede einzelne Runde an. In die Statistik fließt sein Triumph als Start-Ziel-Sieg.

„Nach Barcelona war ich zuversichtlich. Ich wollte hier unbedingt auf das Podest. Den Regen habe ich heute aber nicht erwartet. Nach dem Warm-up wusste ich, dass ich auch im Trockenen um das Podium kämpfen kann.“

„Beim Start habe ich sofort versucht, die Führung zu übernehmen und mich aus Problemen herauszuhalten“, schildert Petrucci seine Taktik. „Ich wusste nicht, wie viel Wasser auf der Strecke ist. Ich habe meinen Rhythmus gefunden, aber dann sind andere Fahrer näher gekommen.“

„Auf dem großen Monitor habe ich gesehen, dass Rins und Pol aufholten. Einmal war Alex um 1,2 Sekunden schneller als ich. Ich wusste nicht, wo er war, aber er war schnell. Ich habe gepusht. Dovi hat mich dann überholt, aber dann hatte ich plötzlich einen Vorsprung.“

„Es war eine Hilfe, dass Fans hier waren. Deswegen gab es hier einige Monitore. Deshalb konnte ich sehen, dass Alex schnell war. Ich hatte schon Angst, denn ich weiß, dass Alex ein sehr guter Fahrer im Nassen ist. Er hat so wie ich schon vor der Saison seinen Platz im Werksteam verloren.“

„Er ist ein Weltmeister und er ist auch in der MotoGP sehr schnell“, lobt Petrucci Alex Marquez. „Zum Glück ist er von weit hinten gestartet, während ich führte. Vielleicht hat mir auch Dovi etwas geholfen und ihn aufgehalten – auch wenn er das nicht absichtlich gemacht hat.“

„Aber es hat geholfen, um eine Sekunde Vorsprung zu haben. Es gab eine schmale trockene Ideallinie. Mein Hinterreifen war aber schon fertig. Ich konnte es in den letzten Runden managen und habe gewonnen. Ich bin sehr glücklich, dass ich zurück bin!“

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Petrucci glaubt: Probleme sind jetzt gelöst

Es war Petruccis erstes Top-6-Ergebnis seit dem Sachsenring im Juli 2019. Was hat den Ausschlag gegeben? War es lediglich der Regen, denn Petrucci ist als guter Regenfahrer bekannt? Er selbst glaubt, dass er jetzt mit der Ducati und der Reifencharakteristik besser zurechtkommt.

„Als die Saison begonnen hat, hatte ich große Mühe mit dem neuen Hinterreifen. Zunächst habe ich an der Elektronik gearbeitet, aber das war nicht der richtige Weg. Beim Misano-Test haben wir etwas gefunden. In Barcelona hat sich das Motorrad so angefühlt, wie ich wollte.“

„Im Nassen geht es um das Gefühl. Wenn man sich im Trockenen nicht gut fühlt, dann passiert es nicht oft, dass man dann im Nassen schnell ist. Ja, ich bin im Nassen gut, aber alle MotoGP-Fahrer sind bei allen Bedingungen schnell. Im Nassen fährt man sicher etwas anders.“

Trotzdem betont Petrucci: „Die Fortschritte in Barcelona haben mir geholfen, in die erste Startreihe zu fahren. Ich habe jetzt ein viel besseres Gefühl für das Motorrad. Das Motorrad funktioniert jetzt besser und gefällt mir.“

In der WM ist der 29-Jährige nun Zehnter. Fünf Rennen wird er noch mit Ducati bestreiten, ehe sich der gemeinsame Weg trennt. „Ich freue mich, dass ich wieder ein gutes Gefühl mit dem Motorrad gefunden habe, womit ich bei den restlichen Rennen um das Podium kämpfen kann“, nennt er ein klares Ziel.