Drei von fünf MotoGP-Rennen wurden von Satellitenteams gewonnen. Es herrscht Ausgeglichenheit zwischen Werks- und Satellitenteams.

Ein Faktor für die Ausgeglichenheit im MotoGP-Feld ist die enge Zusammenarbeit zwischen Werksteams und Satellitenteams. In der Saison 2020 gibt es nur noch drei Motorräder Jahrgang 2019: Takaaki Nakagami bei LCR-Honda sowie die beiden Avintia-Ducati von Johann Zarco und Tito Rabat.

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Früher war das ganz anders. „Mein erstes Jahr in der Top-Klasse bei den 500er-Bikes war im Jahr 2001 mit Olivier Jacque und Shinya Nakano„, erinnert sich Tech-3-Teamchef Herve Poncharal zurück.

„Als es für uns losging, waren die Werksteams da mit den besten Fahrern, dem besten Budget und den besten Bikes, während es nur wenige unabhängige Teams gab. Vor sechs oder sieben Jahren waren unsere Bikes wettbewerbsfähig, aber sie waren auch eineinhalb oder zweieinhalb Jahre alt.“

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Satellitenteams wichtig für die Werke

Dann wurde die Strategie geändert. Ducati setzte als erstes Team auf eine engere Kooperation mit den Kundenteams und vor allem mit Pramac. Honda zog nach und unterstützte LCR mehr. KTM ging eine Kooperation mit Tech 3 ein und Yamaha stellte sich mit Petronas SRT neu auf.

„Wir haben den Werksteams gezeigt, wie wichtig es für ihre Strategie ist, Satelliten-Teams zu haben und das haben wir mit der IRTA, Dorna, MSMA und FIM geschafft, was die Regeln angeht“, betont Poncharal, der auch Präsident der Teamvereinigung IRTA ist.

„Wir haben die Werke auch davon überzeugt, dass es operational und für die Logistik günstiger ist, die vier Fahrer mit einem Spec-Bike auszustatten. Außerdem wissen sie jetzt, dass es ihnen sehr hilft, um die Bikes zu entwickeln. Jetzt, wo wir sie überzeugt haben, sehen sie die Vorteile.

Drei der bisherigen fünf MotoGP-Rennen wurden von Satellitenteams gewonnen, wobei die Fahrer identisches Material wie die Werksfahrer hatten. Außerdem haben mit Fabio Quartararo, Brad Binder und Miguel Oliveira drei junge Fahrer Siege geholt.

„Jetzt haben wir die Werke davon überzeugt, das Spiel mitzuspielen und uns zu helfen, die Fahrer unter Vertrag zu nehmen, weshalb wir jetzt auch bessere Fahrer bekommen können“, sagt Poncharal. „Die Piloten wissen, dass es fast so ist wie bei einem Werksteam.“

„Dadurch sind die Satellitenteams deutlich näher dran und haben sogar eine Chance um den Sieg zu fahren, was nicht möglich war, als ich in die Serie eingestiegen bin.“ Denn damals nahmen die Teams die Fahrer unter Vertrag.

Kundenteams viel konkurrenzfähiger als früher

Es gab zwar Anfang der 2010er-Jahre eine Regel, die besagte, dass ein Rookie in einem Kundenteam beginnen musste und nicht gleich in einem Werksteam. Damit wollte man ermöglichen, dass Satellitenteams aufstrebende Talente bekamen.

Honda machte sich allerdings dafür stark, diese Regel abzuschaffen, damit Marc Marquez für die Saison 2013 direkt von der Moto2 ins Honda-Werksteam wechseln konnte. Seither ist diese Regel Geschichte. Aktuell haben die meisten Fahrer in Kundenteams Werksverträge.

Zahlreiche Maßnahmen wie finanzielle Unterstützung für Satellitenteams oder die Einheitselektronik haben dazu geführt, das Feld nahe zusammenzuführen. Mit Erfolg, denn noch vor zehn Jahren waren die Abstände viel größer und nur wenige Werksfahrer waren siegfähig.

2006 gewann Toni Elias mit einer Kunden-Honda den Grand Prix von Portugal. Dann dauerte es bis 2016, bis wieder ein Kundenteam einen Sieg erobern konnte. Das war Cal Crutchlow mit LCR in Brünn.

Nun haben das auch Petronas SRT und Tech 3 geschafft. „Und Pramac steht kurz davor, ein Rennen zu gewinnen“, sagt Poncharal. „Das hat uns allen geholfen – auch Tech3 – unseren Traum zu verwirklichen, der es ist, in der MotoGP-Klasse Rennen zu gewinnen. Das war vorher sehr schwierig und nahezu unmöglich.“