Alex Marquez beginnt seinen ersten echten MotoGP-Testtag mit einem Sturz, ebenso wie Bruder Marc – (noch) kein direkter Austausch zwischen beiden in der Box.

Im Honda-Werksteam hat am Dienstag eine neue Ära begonnen. Neben Weltmeister Marc Marquez griff am ersten von zwei Tagen beim Valencia-Test (beide Tage im Livestream auf ServusMotoGP.com) auf dem Circuit Ricardo Tormo erstmals dessen jüngerer Bruder Alex Marquez als neuer Teamkollege ins Geschehen ein.

Und der MotoGP-Einstand des aktuellen Moto2-Weltmeisters begann gleich mal mit einem Sturz. Direkt auf seiner ersten professionellen Ausfahrt mit der Honda RC213V stürzte Alex Marquez. Er selbst blieb dabei unverletzt, das Motorrad wurde aber stark beschädigt.

Unglaubliche Szene: Zarco nach Sturz von Bike umgemäht

Alex Marquez früher Sturz: „Kann doch nicht wahr sein“

Was ging dem jungen Marquez durch den Kopf, als er in Kurve 10 unsanft abstieg? „Ich dachte, das kann doch nicht wahr sein“, grinst er, verbucht es aber unter „Rookie-Fehler, der passieren kann“. Und sagt: „Wichtig ist, dass ich lerne und die Limits des Bikes kennenlerne.“

Trotz seines frühen Sturzes brachte es Alex Marquez an seinem ersten echten Testtag als MotoGP-Pilot auf 53 Runden. Denn obwohl er 2014 schon für ein paar Demo-Runden die MotoGP-Honda seines älteren Bruders fuhr, bezeichnet er den Dienstag als „kompletten Neustart“. Dass er dabei als 23. der langsamste aller auf der Strecke gewesenen Piloten war, kratzt den jungen Marquez nicht.

Angetan ist der Rookie von seinem neuen Arbeitsgerät allemal. „Der größte Unterschied im Vergleich zur Moto2 sind die Carbonbremsen. Aber auch die Reifen und natürlich die Leistung sind beeindruckend“, sagt Alex Marquez. Und versichert: „Abgesehen vom Sturz, der den Plan ein bisschen durcheinander gebracht hat, hatte ich heute wirklich Spaß. Es ist mir gelungen, mich Runde für Runde und Ausfahrt für Ausfahrt zu steigern. Das ist das Wichtigste.“

Marc Marquez mit „seltsamem Sturz“ bei der Boxenausfahrt

Kurz nach dem Sturz von Alex Marquez legte auch Bruder Marc Marquez einen Sturz hin. Der sechsmalige Weltmeister der Königsklasse ging in Kurve 13 zu Boden und produzierte dabei ebenfalls einiges an Schrott.

„Es war ein seltsamer Crash“, schildert Marc Marquez mit Verweis darauf, dass das Ganze direkt auf einer Runde aus der Box kommend passierte: „Ich fuhr langsam aus der Box und beim Hochschalten flog ich plötzlich durch die Luft.“

„Ein mechanisches Problem am Motorrad gab es aber nicht“, insistiert der Weltmeister, der im Gegensatz zu seinem Bruder mit einem Prototypen für 2020 unterwegs war. Und weil die neuen Teile noch nicht in großer Anzahl vorliegen, sammelte der ältere Marquez nach seinem Sturz einige davon wieder ein: „Das Bike war zerstört, aber ein paar Teile lagen herum. Die habe ich aufgelesen und zum Tank dazu gelegt.“

Zwei Brüder im gleichen Team: (Noch) kein direkter Austausch

Den Sturz seines jüngeren Bruders Alex hat Marc Marquez nicht nur mitbekommen. Er hatte sogar eine Vorahnung: „Ich dachte mir schon, dass er zu früh raus geht. Denn zu diesem Zeitpunkt waren gerade mal drei oder vier Fahrer unterwegs und die Strecke war noch sehr kalt. Da dachte ich mir, er weiß doch gar nicht, wie sich die Michelin-Reifen bei diesen Bedingungen verhalten.“

Alex Marquez bemerkt in diesem Zusammenhang, dass es bei seinem Einstand noch keinen direkten Informations-Austausch mit seinem Teamkollegen und Bruder gab. „Das ist schwierig, denn er ist auf seine Arbeit fokussiert und ich auf meine. Wir sind schließlich Profis und müssen da schon getrennt arbeiten.“

Erschwerend kommt noch hinzu, dass Alex Marquez beim Valencia-Test noch gar nicht direkt aus der Repsol-Honda-Box, sondern aus der von LCR-Honda arbeitet. Dort ist Stammfahrer Takaaki Nakagami aufgrund seiner kürzlichen Schulter-Operation noch nicht wieder einsatzbereit. Die Box neben Cal Crutchlow ist somit frei. Denn Johann Zarco, der noch am Sonntag die zweite LCR-Honda im Rennen fuhr, ist beim Test nicht dabei.

Alex Marquez übernimmt die Crew von Jorge Lorenzo

Schon bald aber wird der junge Marquez nicht mehr aus der LCR-Box, sondern aus der Repsol-Box an der Seite seines Teamkollegen und Bruders auf die Strecke gehen. „In Jerez werde ich in dann in der Repsol-Box zu finden sein“, blickt der Rookie auf den Test am Montag und Dienstag der kommenden Woche voraus.

Personal aus seinem Weltmeister-Team von Marc VDS in der Moto2-Klasse hat Alex Marquez beim Aufstieg in die MotoGP-Klasse übrigens keines mitgenommen. „Ich arbeite mit der Crew, mit der Lorenzo aufgehört hat. Also mit Ramon Aurin als Crew-Chief, und auch sonst ist alles gleich“, bemerkt der neue Honda-Werkspilot.

Und wie beurteilt man im Team die Konstellation, dass man es nun mit zwei Brüdern als Stammpiloten zu tun hat? „Es hört sich natürlich seltsam an, dass zwei Brüder im selben Team fahren“, meint Honda-Teammanager Alberto Puig gegenüber ‚MotoGP.com‘ und erklärt: „Wir bei Honda blicken aber einfach auch in die Zukunft und schauen nach jungen Fahrern.“

Den ersten Testtag von Alex Marquez auf der RC213V beschreibt Puig trotz des morgendlichen Sturzes als Erfolg. „Es war kein einfacher Beginn, denn er kam gleich bei seinem ersten Run zu Sturz. Heute war es kalt und da ist er gestürzt. Es war nicht einfach, aber wir sind zufrieden. Wichtig ist, dass er Spaß hat auf dem Motorrad. Das ist der Schlüssel und ein gutes Zeichen.“

Auch Stefan Bradl stürzt: Honda gehen die Teile aus

Nach den Stürzen der Marquez-Brüder musste zu allem Überfluss auch noch Testfahrer Stefan Bradl in den Kies. Genau wie Alex Marquez musste der Bayer in Kurve 10 vom Bike. Dadurch drohen dem Honda-Werksteam für den zweiten Tag des Valencia-Tests die Ersatzteile auszugehen.

„Ich glaube, wir müssen es mit einer Kombination probieren. Aber ich denke, wir können den Test fortsetzen“, so Puig.