HRC-Teammanager Alberto Puig äußert Zweifel an der Motivation von Jorge Lorenzo – versichert aber, dass sich Honda noch nicht nach Alternativen umgesehen hat.

Dass der Wechsel von Jorge Lorenzo zu Honda nicht einfach werden würde, damit haben sowohl er selbst als auch das Team laut eigener Aussage gerechnet. Dass es dem Spanier nach zwölf Saisonrennen aber noch immer nicht gelungen ist, in die Top 10 vorzudringen, während Teamkollege Marc Marquez stets auf dem Podest stand, hat viele überrascht.

Das vor der Saison heraufbeschworene „Dream-Team“ ist für Lorenzo zum Albtraum geworden. Auf der RC213V fühlt sich der Ex-Weltmeister bis heute nicht wohl. Und das trotz zahlreicher Anpassungen, die er gemeinsam mit Honda vorgenommen hat. Hinzu kamen Stürze und Verletzungspech, die Lorenzo zusätzlich zurückwarfen.

Nach seinem Sturz in Assen verpasste er vier Grands Prix, schleppte sich beim Comeback-Rennen in Silverstone unter Schmerzen als Vierzehnter ins Ziel. Den jüngsten MotoGP-Test in Misano brach der 32-Jährige vorzeitig. Vor dem Großen Preis von San Marino zeigte er sich zuversichtlich und betonte: „Jeden Tag fühle ich mich stärker.“

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Puig fordert: Lorenzo muss risikobereiter werden

Honda-Teammanager Alberto Puig hofft darauf, dass Lorenzo das auch auf der Strecke umsetzen kann. „Für Jorge ist es wie ein Neustart. Aber er muss es wollen, muss hungrig und motiviert sein. Er muss bereit sein, Risiken einzugehen. Und akzeptieren, dass man sich in diesem Sport verletzen kann. Es ist, als würde man in den Ring steigen.“

So wirklich zuzutrauen scheint Puig das seinem Fahrer momentan jedoch nicht. „Ich glaube nicht, dass Lorenzos Problem die Technik ist, sondern Mut und Einsatzwille“, sagt der Teammanager. „Wir würden uns freuen, wenn er so schnell wie früher bei Yamaha wäre. Das wäre ein Traum.“ Doch davon ist Lorenzo derzeit weit entfernt.

Einen Plan B habe man bei Honda trotz der anhaltenden Schwierigkeiten mit Lorenzo aber nicht, versichert Puig. „Sollte er beschließen, seinen Zweijahres-Vertrag vorzeitig zu beenden, was wir nicht wollen, ist Honda im Moment nicht darauf vorbereitet, ihn zu ersetzen. Wir haben noch nicht an mögliche Ersatzfahrer gedacht.“

Zarco als möglicher Lorenzo-Ersatz keine Option

„Aber ich sage auch: Wenn der Fall eintreten sollte, würden wir reagieren und nach einer Option suchen. Auch wenn das nicht optimal wäre“, ergänzt Puig. In der jüngsten Vergangenheit hatte es immer wieder Gerüchte um einen möglichen Wechsel oder gar Rücktritt Lorenzos gegeben. Der reagierte aber mit einem klaren Bekenntnis zu Honda.

Doch in der „Silly Season“ ist bekanntlich viel möglich. Ein Fahrer, der für 2020 frei wäre, ist Johann Zarco. Hondas Teammanager stellt allerdings klar, mit ihm selbst im Ernstfall nicht zusammenarbeiten zu wollen. „Wir haben Zarco das Motorrad angeboten (in der letzten Saison, Anm. d. Red.), aber er sagte Nein“, erinnert sich Puig.

„Danach kam er zu uns, entschuldigte sich und entließ seinen Agenten, weil er von ihm über nichts informiert worden war. In diesem Sinne blieb er ein Gentleman, und zwischen uns und ihm ist alles in Ordnung. Aber wir denken nicht über ihn als Option nach. Denn unser Pilot ist Lorenzo“, stellt der Teammanager abschließend klar.