Als Marc Marquez am finalen MotoGP-Testtag in Katar auf die 2019er-Honda von Nakagami umstieg, war die Verwunderung groß. Doch es soll sich gelohnt haben.

Honda in der Krise? Das Weltmeister-Team um MotoGP-Champion Marc Marquez hatte beim letzten Vorsaison-Test in Katar zu kämpfen. Und das nicht nur mit der operierten Schulter des Spaniers. Sowohl er als auch LCR-Pilot Cal Crutchlow, der ebenfalls eine Honda RC213V pilotiert, klagten über anhaltende Handling-Probleme.

Jedes Mal, wenn man das Motorrad ans Limit zu bringen versucht und pusht, neige es zum Sturz. Das resultierte am Sonntag schließlich in Unfällen bei Marquez und auch Crutchlow, der sich sogar einige Blessuren zuzog. Um den Problemen auf den Grund zu gehen, entschloss sich Honda am letzten Testtag zu einer radikalen Maßnahme.

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Für Marc Marquez: Honda „borgt“ Nakagamis Bike

Man marschierte zur LCR-Box von Takaaki Nakagami und stibitzte eines seiner 2019er-Bikes, um Marquez damit Vergleichstests fahren zu lassen. Dass man darauf keineswegs vorbereitet war, zeigte die Tatsache, dass man Nakagamis Verkleidung kurzerhand mit schwarzer Farbe übersprühte, um seine Sponsoren unkenntlich zu machen.

Während der Japaner am Finaltag folglich nur mit einem Motorrad testen konnte, standen Marquez somit drei Motorräder zur Verfügung. Nämlich neben dem 2019er-Modell zwei aktuelle Prototypen. Diese wurden jedoch wahlweise ebenfalls mit älteren Teilen aus der Honda-Entwicklung bestückt, wie Teammanager Alberto Puig zugab.

„Wir sind noch nicht da, wo wir sein wollen. Im Moment probieren wir Dinge aus dem vergangenen Jahr. Ja, sogar von vor zwei oder drei Jahren aus“, erklärt er. Und beschwichtigt: „Noch liegen wir im Zeitplan. Es ist eindeutig nicht die beste Situation. Aber es ist Teil unserer Aufgabe, bis zum Ende zu sehen, was die besten Optionen sind.“

Welche Lösung dabei letztlich herauskommen könnte, blieb zunächst völlig unklar. Auf die Frage, ob womöglich sogar eine Rückkehr zum 2019er-Bike eine Option darstellt, antwortet Puig: „Wenn wir uns in der Rennwoche befinden, kann ich all das vielleicht beantworten. Im Moment kann ich das nicht, weil ich es nicht weiß.“

Marquez nach Sorgen vom Sonntag dann doch erleichtert

Von einer Krise bei Honda wollte der Teammanager aber nichts wissen: „Wir probieren verschiedene Dinge aus. Das ist nicht das Ende der Welt.“ Und tatsächlich schienen die Sorgenfalten am Ende des Testtages auch schon wieder geglättet. Denn der Vergleich zwischen den drei verschiedenen Bikes in Marquez‘ Box trug offenbar tatsächlich Früchte.

„Ich bin sehr glücklich“, bekundet der Honda-Pilot am Montag nach 61 gefahrenen Runden und Platz sieben im Klassement. „Ehrlich gesagt war ich am Sonntag und am ersten Tag ziemlich besorgt über die Situation. Ich machte mir Sorgen über die physische und die technische Seite. Aber wir haben einen großen Schritt gemacht.“

„Wir haben viele, viele Dinge verstanden und am Rhythmus sowie an der Rundenzeit gesehen, dass alles einfacher war. Und sogar weniger anstrengend für die körperliche Verfassung auf dem Motorrad“, äußert sich Marquez erleichtert. Er hofft, dass von den Erkenntnissen auch Crutchlow profitieren wird, der ähnliche Probleme hatte.

Marc Marquez sieht Honda auf dem richtigen Weg

Beide rätselten am Sonntag nicht nur über ihren fehlenden Speed, sondern auch die Stürze. „Ich war daher in zweierlei Hinsicht besorgt. Erstens, weil wir nicht schnell genug waren, und zweitens, weil mir das Gefühl mit dem Motorrad fehlte. Und ich habe nicht verstanden, warum. Ich hatte einen seltsamen Unfall in Malaysia und dann hier.“

Mit den Maßnahmen des finalen Testtages habe er die Fragezeichen jedoch aus dem Weg räumen und den Spaß am Fahren wiederfinden können. „Insofern reise ich mit einem kleinen Lächeln im Gesicht ab. Es stimmt, dass noch viel zu tun ist, weil die anderen ein gutes Tempo haben. Aber die letzte Stunde war wirklich gut.“

Ein Schlüssel zur Steigerung lag laut Marquez in der Aerodynamik. So testete er, wie auch Crutchlow, die alten Flügel des Vorjahres. „Und am Ende habe ich mehr mit diesen Flügeln gearbeitet. Es war eine Mischung aus verschiedenen Dingen, aber eines der Dinge, die wir ausprobierten, war das Aerodynamik-Paket 2019“, verrät Marc Marquez.

Fitness bleibt vor allem auf die Renndistanz Fragezeichen

Daneben kam auch ein anderes, mit Carbon ummanteltes Chassis zum Einsatz, das Marquez zuvor schon einmal testete. „Das Problem ist, dass die ganze Arbeit, die wir in dieser Vorsaison geleistet haben, nicht funktioniert hat“, hält er fest. „Jetzt, wo wir das Problem gefunden haben, müssen wir also alles noch einmal versuchen.“

Auf seine Fitness angesprochen, räumt der Spanier ein, nicht bei 100 Prozent in die Saison starten zu können. Auch wenn er bis zum Auftakt in knapp zwei Wochen weiter daran arbeiten werde. Wie er sich über eine komplette Renndistanz mit seiner rechten Schulter schlagen wird, bleibt unklar. Einen Longrun absolvierte er am Montag nicht.

„Das stand zwar auf dem Plan, aber es war wichtiger, alles auszuprobieren. Wir werden es also erst am Rennwochenende sehen“, sagt Marquez. Honda-Teammanager Puig bleibt in dieser Hinsicht gewohnt pragmatisch: „Wir wissen, dass die Heilung der Schulter Zeit braucht. Aber die Weltmeisterschaft beginnt in Katar, sie endet nicht dort.“

„Vielleicht wird es am Anfang schwierig für ihn. Sagen wir, er wird nicht hundertprozentig fit sein. Aber wenn wir das wissen und verstehen, ist es in Ordnung. Das Problem besteht darin, es nicht zu verstehen und Dinge zu versuchen, zu denen man nicht bereit ist. Sehen wir also, wie er sich entwickelt.“ Die Saison ist bekanntermaßen lang.

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