Das erhoffte „Dream Team“ blieb aus: Während Honda-Star Marc Marquez von Sieg zu Sieg eilte, verlor Jorge Lorenzo den Anschluss, seine Motivation – und trat zurück.

Betrachtet man die reine Zahl an Titeln, hat Honda in der MotoGP-Saison 2019 alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Ob in der Fahrer-, der Team- oder der Hersteller-Wertung: Überall stand nach 19 Rennen Honda an der Spitze.

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Zu verdanken haben die Japaner das einmal mehr Marc Marquez. Der MotoGP-Dominator zeigte mit zwölf Siegen und 18 Podestplätzen eine seiner bislang konstantesten Saisons überhaupt. Überhaupt nur einmal verpasste er das Podium. Am Ende standen sein sechster Titel in der Königsklasse und ein neuer Punkterekord von 420 Zählern zu Buche.

Umso enttäuschender mutet die Bilanz auf der anderen Seite der Honda-Box an. Neuzugang Jorge Lorenzo kam – von Problemen mit dem Bike und Verletzungen gebeutelt – nicht über 28 Punkte hinaus. Nicht ein Mal schaffte es der Ex-Weltmeister in die Top 10. Und kehrte am Ende nicht nur Honda, sondern auch der MotoGP den Rücken.

Honda-Erwartungen nur zur Hälfte erfüllt

Entsprechend zwiegespalten fällt das Fazit von Honda-Teammanager Alberto Puig zur Saison 2019 aus. „Auf der einen Seite hat Marquez den Titel gewonnen. Auf der anderen Seite lief es ganz offensichtlich nicht so, wie wir es erwartet hatten.“

„Leider kam Jorge nicht mit unserem Motorrad zurecht. Und er hat für sich letzten Endes eine Entscheidung getroffen. Wir haben das akzeptiert, aber es war sicherlich unser Negativ-Höhepunkt in diesem Jahr“, räumt Puig ein. „Doch wir freuen uns natürlich, dass Marc einmal mehr eine sehr gute Saison und Performance gezeigt hat.“

Honda habe seinerseits versucht, „das Motorrad anzupassen, um noch konkurrenzfähiger zu werden“, erklärt der Teammanager. „Und das haben wir auch geschafft. Insofern sind wir glücklich mit dem Erreichten.“ Die begehrte Triple Crown sicherte sich Honda nach 2017 und 2018 zum dritten Mal in Folge.

Puig: Darum ist die Honda kein „Marquez-Bike“

Immer wieder wurde zuletzt Kritik laut, dass man die Entwicklung zu sehr nach Marquez ausrichte und deshalb auch nur mit ihm siegfähig sei. Diesem Punkt jedoch widerspricht Puig genauso vehement wie der Weltmeister selbst. Der Behauptung, die RC213V sei ein „Marquez-Bike“, musste sich der Spanier wiederholt erwehren.

„Honda baut ein Motorrad, und der Fahrer muss die Fähigkeit zur Anpassung haben. Das Positive für unser Team und unsere Struktur ist, dass alle drei Fahrer, also Jorge, Cal (Crutchlow, Anm. d. Red.) und ich, die gleichen Kommentare und Rückmeldungen zur Entwicklung hatten“, erklärt Marquez.

Und weiter: „Hinter uns steht eine große Gruppe von Technikern. Sie sind Menschen und anhand der Ergebnisse ihrer Arbeit muss man wissen, wie man sich anpassen und das Beste aus jeder Situation herausholen kann.“ Diese Fähigkeit hat Marquez auch 2019 einmal mehr am besten unter Beweis gestellt.

Ob sein jüngerer Bruder Alex ähnlich anpassungsfähig ist, wird sich zeigen. Als MotoGP-Rookie dürfte es für ihn 2020 in der Honda-Box doppelt schwer werden. Nicht nur, um das Bike zu zähmen, sondern sich zudem dem direkten Bruder-Vergleich zu stellen…