Bis Mitte November kann es dauern, dass im Doping-Prozess um Andrea Iannone ein Urteil fällt. Der Aprilia-Rennchef äußert sein Unverständnis und erklärt, warum er abwartet.

Die MotoGP-Zukunft von Andrea Iannone bleibt ungewiss. Auch nach der jüngsten Anhörung vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) ist unklar, ob die Doping-Sperre des 31-jährigen Italieners aufgehoben, bestätigt oder gar verlängert wird. Ein Urteil wird bis Mitte November erwartet. Bis dahin herrscht Ungewissheit.

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Aprilia-Rennchef Massimo Rivola stärkt seinem Fahrer trotz der erneuten Verzögerung weiterhin den Rücken. Er wohnte der Anhörung am 15. Oktober bei. Im Gespräch mit MotoGP-Reporter Simon Crafar verrät er: „Die Anhörung war ziemlich lang, fast zwölf Stunden. Ich kann Ihnen nicht sagen, was genau passiert ist.“

Aus seiner Enttäuschung, dass bisher kein Urteil zugunsten Iannones gefallen ist, macht Rivola aber keinen Hehl. „Was ein bisschen, ich will nicht sagen frustrierend, aber ärgerlich ist: Das CAS hat schon Fälle entschieden, bei denen nicht so viele wissenschaftliche Erklärungen vorgebracht wurden, wie wir es für Iannone getan haben“, sagt er.

Acht Wissenschaftler zu Rate gezogen

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) vertrete jedoch eine „aggressive Haltung“ und „hat es überhaupt nicht akzeptiert“, verrät Rivola weiter. „Aber das ist ihr Job. Glücklicherweise ist es die Aufgabe des Richters, eine Entscheidung zu treffen.“

Freilich hofft der Apilia-Rennchef, dass das Gericht der Argumentation von Iannones Verteidigung folgt, die die positive Dopingprobe mit einer Lebensmittelkontamination begründet. „Es gibt einen Fall der kanadischen Athletin Dominika Jamnicky (ähnlich wie bei Iannone), aber es gibt noch viele andere“, in denen ein Freispruch erfolgte.

Um diesen auch für Iannone zu erwirken, habe man viel Zeit investiert und acht Wissenschaftler zu Rate gezogen, die den MotoGP-Piloten verteidigten, betont Rivola. „Einer von ihnen ist Professor Pascal Dietzel, der seit 35 Jahren gegen Doping kämpft. Wenn er also bei uns bleibt, hat das einen Grund. Er muss niemandem etwas vormachen.“

Rivola hofft auf „Urteil in angemessener Weise“

Umso ärgerlicher sei es, noch einen weiteren Monat warten zu müssen. „Das ist offensichtlich ein Schaden für Aprilia“, weiß der Renndirektor. „Aber auch wenn wir in gewisser Weise Zeit verschwenden, bin ich glücklich über unsere Entscheidung. Wir werden noch einen Monat warten“, bekräftigt er die Treue zu Iannone.

„Es ist eine Art ganz anderer Kampf, aber wir sind zu 100 Prozent sicher. Denn all die wissenschaftlichen Demonstrationen, die wir durchgeführt haben, wurden nicht wirklich von der WADA bekämpft. Vielleicht sprechen wir also über etwas anderes.“

Rivola sieht jedenfalls keinen Grund für sie, Iannone für vier Jahre zu sperren. Diese Höchststrafe hatte die WADA im Verfahren gefordert. „Ich bin zuversichtlich, dass das Urteil in angemessener Weise fallen wird“, sagt er. Ursprünglich wurde Iannone Ende vergangenen Jahres für 18 Monate gesperrt (bis 16. Juni 2021).

Warten auf Iannone: Aprilia verpasst Chance auf verfügbare Fahrer

Indem Aprilia weiterhin mit einer Aufhebung dieser Sperre rechnet und auf den Italiener wartet, riskiert der Hersteller, andere mögliche Fahreroptionen zu verlieren. So sind etwa Cal Crutchlow und Andrea Dovizioso für 2021 noch auf der Suche nach einem neuen Team. Doch dieses Risiko nimmt Rivola gezwungenermaßen in Kauf.

„Um ehrlich zu sein, bin ich nicht bereit dafür. Aber ich denke, es ist wichtig für Andrea. Denn was ihm passiert ist, kann jeden treffen. Es ist also auch eine Botschaft. Wir wollen das Doping bekämpfen. Aber ich habe das Gefühl, dass jeder, der Doping kontrolliert, von niemandem kontrolliert wird. Also tun sie, was sie wollen.“

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