Valentino Rossi und Maverick Vinales fehlt auch mit dem neuen Motor Topspeed – trotzdem sieht Yamaha insgesamt Fortschritte und eine bessere Ausgangslage.

Bei Yamaha herrscht Aufbruchstimmung: Der Herbst verlief für die Japaner aus sportlicher Sicht vielversprechend. Und bei den Testfahrten in Valencia und Jerez gab es einige neue Entwicklungen. „Als wir in den vergangenen zwei, drei Jahren neue Teile probiert haben, haben wir diesen Punkt nie erreicht“, sagt Teammanager Massimo Meregalli. „Es sieht vielversprechend aus.“ Der Fokus lag auf dem neuen Motor. In Jerez probierte auch das Petronas-Team den neuen Prototypen aus.

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Allerdings sind die Rückschlüsse zum Teil ernüchternd. „Yamaha arbeitet sehr hart. Aber es haben wieder 10 km/h beim Topspeed auf Ducati gefehlt“, nennt Maverick Vinales die nackten Zahlen. „Wir müssen härter arbeiten. In verschiedenen Bereichen sind wir recht stark. Aber unsere Schwäche ist mehr oder weniger gleich. Vielleicht ist es auf anderen Strecken etwas besser, aber hier in Jerez war es gleich.“

Macht man sich Sorgen, dass man das Defizit bei der Höchstgeschwindigkeit nicht reduzieren konnte? „Ja“, sagt Valentino Rossi. „Mit dem Motor sind wir auf einem guten Weg. Aber der Rückstand ist immer noch zu groß. In Jerez fehlen 9 bis 10 km/h. Wenn wir auf einer Strecke mit einer längeren Geraden sind, ist es ein großes Problem. Wir spüren Fortschritte, aber wir brauchen mehr. Ich hoffe, sie können den Motor für das nächste Jahr etwas verbessern.“

Neuer Yamaha-Motor „sanfter und nicht so aggressiv“

Mit dem neuen Motor versucht Yamaha auch im Zusammenspiel mit der Elektronik mehr Traktion und Grip zu finden. „Wir haben versucht, den Motor sanfter zu machen und den Topspeed zu verbessern“, erklärt Meregalli. „Beides haben wir geschafft. Den Topspeed müssen wir weiter verbessern. Wir können vielleicht für Sepang noch Updates erwarten. Aber die Basis des Motors für das nächste Jahr ist dieser Motor.“

In Jerez testeten Fabio Quartararo und Franco Morbidelli erstmals den neuen Reihen-Vierzylinder. „Sagen wir so“, meint Quartararo, „die Leistungsentfaltung ist anders. Vielleicht ist er etwas sanfter und nicht so aggressiv. Es ist aber schwierig zu erklären. Man sieht in den Daten mehr als ich fühle. Ich bin mit einem 28 Runden alten Reifen 1:38,1 Minuten gefahren. Das war sehr gut, obwohl ich mich nicht so wohlfühle wie mit dem bisherigen Motorrad.“

Denn die Rennpace mit einem gebrauchten Reifen steht bei Yamaha ebenso im Vordergrund. Vor allem Rossi hatte damit in der abgelaufenen Saison oft zu kämpfen gehabt. „Das Gefühl ist gut und die Rundenzeit ist auch gut“, nennt Vinales einen positiven Aspekt. „Wir versuchen das Motorrad so gut es geht zu verbessern und haben für Yamaha viele Daten gesammelt.“ Nun haben die japanischen Ingenieure Zeit, sich um die Details und die Feinabstimmung zu kümmern.

Dennoch mehr Optimismus als letztes Jahr

Insgesamt erkennt Vinales einen Unterschied zum vergangenen Winter: „Wir haben jetzt eine andere Mentalität und ein anderes Arbeitsprogramm. Ich schätze, wir haben viel mehr Bereiche abgedeckt. Früher haben wir viele Runden gedreht und viel probiert, aber die Situation war nicht klar. Jetzt fahren wir weniger Runden, pushen aber ans Maximum. Das ist eine wichtige Veränderung.“

Dienstagnachmittag drehten Vinales und Rossi auch Runden auf nasser Strecke, um zu verstehen, ob der Motor auch bei rutschigen Verhältnissen prinzipiell funktioniert. Auch wenn man mit dem Topspeed noch nicht zufrieden ist, ist Yamaha an einem Punkt, auf dem man aufbauen kann. „Maverick war mit dem neuen Motorrad schneller“, hält Meregalli fest. „Der Ausgangspunkt mit diesem Motorrad ist gut, es funktioniert. Trotzdem müssen wir noch viel bis zum ersten Rennen arbeiten.“

Sowohl in Valencia als auch in Jerez konnte Vinales die Testbestzeit aufstellen. „Maverick ist bei Testfahrten immer fantastisch“, sagt Teamkollege Rossi. „Das bedeutet, dass das Motorrad gut ist. Aus dieser Sicht sind wir glücklich. Für das nächste Jahr haben wir aber noch viel Arbeit. Wir haben gestern an der Abstimmung gearbeitet, aber ich war nicht zufrieden. Heute war es recht gut. Mir fehlt zwar eine halbe Sekunde auf die Bestzeit, aber ich bin deutlich näher dran als gestern.“

Weiter geht es dann im Februar mit dem Test in Sepang. Für Malaysia wird es dann die finale Motor-Spezifikation geben, die vor dem ersten Rennen in Katar „eingefroren“ wird. Allerdings glaubt Vinales nicht, dass man in Sepang das wahre Bild sehen wird – selbst wenn Yamaha dort sehr gut unterwegs wäre: „Ich weiß nicht, ob es der beste Ort für uns ist, denn in Sepang waren wir auch in diesem Jahr stark. Ich denke, wir werden erst in Katar ein klareres Bild erhalten.“