Die Diskussion um die Nachfolge von Andrea Dovizioso bei Ducati hat begonnen.

Die Nachricht, dass Andrea Dovizioso mit Jahresende Ducati verlassen wird, hat in der MotoGP-Welt wie eine Bombe eingeschlagen. Derzeit hat Ducati nur einen einzigen Fahrer für die Saison 2021 bestätigt. Und das ist Jack Miller, der im nächsten Jahr einen Einjahresvertrag im Werksteam bekommen hat.

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„Als die News heraußen war“, sagt Miller, „habe ich zu ihm im Scherz gesagt: ‚Willst du nicht mit mir eine Box teilen? Es ist schade. Er hat diese Entscheidung getroffen. Man muss das respektieren. Er ist lange dabei und weiß, was er tut.“

„Ich muss mich in erster Linie bei ihm bedanken, denn er ist seit acht Jahren bei Ducati. Er hat einen großen Anteil daran, dass unser Paket konkurrenzfähig ist.“ Die große Frage lautet: Wer wird im nächsten Jahr Teamkollege von Miller werden?

Zarco: „Meine Chancen sind gestiegen“

Ducati spricht offen drei Namen aus. Das sind Francesco Bagnaia, Johann Zarco und Jorge Lorenzo. „Um mir ein Werksmotorrad zu verdienen“, hält Zarco fest, „muss ich mehrmals auf das Podium fahren.“

Mit der GP19 aus dem Vorjahr klappte das erstmals in Brünn. Sein Avintia-Teamkollege Tito Rabat hat übrigens mit dem Rennstall einen Vertrag für 2021 und nicht mit Ducati. Er kommt auch nicht für einen Platz im Werksteam oder bei Pramac infrage.

Zarco hat einen Ducati-Vertrag in der Tasche, aber nur für das aktuelle Jahr. „Ich muss bestätigen, dass sie auf mich zählen können. Ein Platz in einem Werksteam bedeutet, dass man in mehr oder weniger allen Rennen in den Top 3 kämpfen muss“, weiß der Franzose.

„Für mich ist es positiv, dass ‚Dovi‘ nicht weitermacht, denn dadurch habe ich größere Chancen in der MotoGP zu bleiben. Vor einigen Monaten hat sich die Situation ergeben, dass ich 2020 für Avintia fahren kann. Für 2021 ist aber noch gar nichts sicher.“

Eine Rolle für Doviziosos Entscheidung soll auch das zerrüttete Verhältnis zu Gigi Dall’Igna gespielt haben, der schlussendlich mit Ducati-CEO Claudio Domenicali die Entscheidungen trifft. Wie gut kommt Zarco, der im Paddock nicht als einfachster Charakter gilt, mit den beiden Italienern klar?

„Momentan ist alles positiv. Ich habe sie im Winter kennengelernt. So wie ich die Dinge mache, besteht das Gefühl, dass wir viele Ansichten teilen“, glaubt der zweimalige Moto2-Weltmeister. „Wir haben eine gute Beziehung. Für mich ist es mit Gigi sicherlich positiver, als es für Dovizioso ist.“

Jack Miller: „Bagnaia wäre die logische Wahl“

Wer Teamkollege von Miller werden wird, liegt in den Händen des Ducati-Managements. In Jerez 2 fuhr Bagnaia ein starkes Rennen. Ohne Motorschaden wäre er wohl Zweiter geworden. In Brünn brach er sich dann das rechte Bein und muss bis Misano pausieren.

Trotzdem hieß es nach Jerez, dass Bagnaia bei Ducati bleiben wird. Offen sei nur noch, in welchem Team. „Ich bin nicht Gigi und muss mich Gott sei Dank nicht um diese Aufgaben kümmern“, sagt Miller, als er mit der Frage konfrontiert wird, wen er gerne als Teamkollegen hätte.

Lorenzo? „Jorge hat in den vergangenen Jahren mit Ducati, Honda und Yamaha viel gemacht. Es gibt einen großen Medienhype um ihn“, meint Miller und fügt hinzu: „Für mich wäre die logische Entscheidung ‚Pecco‘.“

„Er hat die Juniorakademie absolviert, er ist ein junger Fahrer, er ist hungrig. Leider ist er nach seiner großen Show in Jerez momentan verletzt. Wenn ich ehrlich wäre, dann wäre er derzeit die logische Wahl. Wie wir wissen, kann aber alles passieren.“

Testfahrer Pirro: „Ducati muss sich auf die Jugend konzentrieren“

Die Meinung von Miller teilt auch Ducati-Testfahrer Michele Pirro, der in Spielberg wieder für Bagnaia einspringt. Pirro glaubt, dass Ducati auf die Jugend setzen sollte anstatt den „alten“ Lorenzo aus der Rente zurückzuholen.

„Es wäre logisch, auf junge Leute zu setzen“, sagt Pirro. „Ich weiß nicht, was ich über Jorge sagen soll. In dieser Welt wartet niemand auf dich. Wenn man vier Zehntel hinten ist, dann ist man nicht mehr bei der Musik dabei. Das ging mir heute so.“

„Ich weiß, dass Lorenzo mit der Idee aufgehört hat, dass er nach dem schwierigen Jahr wieder zurückkommen könnte. Aber es ist nicht so einfach, wenn man das Motorrad wechselt. Außerdem könnte das eine Jahr Pause einen Einfluss haben.“

„Lorenzo ist sehr stark, aber niemand kann prophezeien, ob er zurückkommen und Marc schlagen kann“, gibt Pirro zu Bedenken. „Wir sehen gerade einen Generationenwechsel. Selbst Ducati hat sich dazu entschieden, sich auf junge Leute zu konzentrieren.“

Miller ist nämlich auch erst 25 Jahre alt. Bagnaia befindet sich in seiner zweiten MotoGP-Saison. Im Pramac-Team soll Jorge Martin der Wunschkandidat sein. Außerdem soll Ducati auch mit Enea Bastianini Gespräche führen, der zuletzt zwei Moto2-Rennen gewonnen hat.

„Die Sache ist, wenn man nicht damit anfängt, dann wird man es nie wissen“, meint Pirro. „Wenn bei uns alles gleich bleibt, dann würde das bedeuten, dass es von Yamaha und KTM falsch ist, auf junge Leute zu setzen.“