Lin Jarvis arbeitete lange mit Jorge Lorenzo zusammen. Der Yamaha-Rennchef blickt traurig auf dessen Situation bei Honda – und glaubt, die RC213V wurde speziell für Marquez konzipiert.

Yamaha war in dieser MotoGP-Saison 2019 früh raus aus dem Titelkampf. Doch auch der Rest der Hersteller, allen voran Ducati und Suzuki, konnte gegen die Konstanz von Honda-Pilot Marc Marquez bald nichts mehr ausrichten. Bei noch fünf zu fahrenden Rennen führt er die WM-Tabelle mit satten 300 Punkten souverän an.

Auf seinen nächsten Verfolger Andrea Dovizioso (Ducati) hat Marquez 98 Zähler Vorsprung. Besonders krass wird der Vergleich auf Team-Ebene. Stellt man Marquez allein ihnen gegenüber, hat nur Ducati bisher mehr Punkte gesammelt – und das mit allen drei Fahrern zusammen. Neben Dovizioso sind das Danilo Petrucci und Michele Pirro.

Die beiden Yamaha-Werkspiloten Valentino Rossi und Maverick Vinales kommen nach 14 Saison-Rennen gemeinsam auf 284 Punkte – also 16 weniger, als Marquez im gleichen Zeitraum eingefahren hat. „Wenn wir ehrlich sind, hat im Moment nur ein Fahrer die Fähigkeit, den Titel zu gewinnen. Und das ist Marc Marquez“, gibt Lin Jarvis zu.

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Honda auf Fahrstil von Marquez zugeschnitten

Der Yamaha-Renndirektor spricht dem Spanier im Interview mit ‚GPOne.com‘ ein großes Lob aus. „Angesichts des Levels der Fahrer und Motorräder liefert Marquez eine erstaunliche Saison ab. Den Sturz in Austin ausgenommen, hat er alle Rennen als Erster oder Zweiter beendet.“

Die anderen seien deshalb nicht schlecht, nur Marquez derzeit eben um eine Klasse besser. „Ich denke, wir sehen hier die perfekte Kombination aus Motorrad und Fahrer“, meint Jarvis. „Diese zwei Dinge müssen zusammenpassen. Und ich glaube, dass das Motorrad für ihn gebaut wurde, für seinen speziellen Fahrstil. Wenn er auf dem Höhepunkt seiner Form ist, wird er unglaublich.“

Dabei erkennt der Yamaha-Rennleiter auch Fortschritte beim Hersteller. „Honda hat die Motor-Leistung in diesem Jahr verbessert. Und jetzt ist das Motorrad sehr schnell – in den Händen von Marquez. Momentan bilden sie eine einzigartige Einheit. Marc fährt dieses Motorrad wirklich gut. Das macht die Lage für alle anderen schwierig.“

Jarvis: „Traurig, Lorenzo so sehen zu müssen“

Mit was oder wem ist Marquez beizukommen? „Wenn man diese Frage Ducati oder Suzuki stellt, werden sie dieselbe Antwort geben. Wir müssen unsere Werkzeuge, unser Team und unsere Fahrer verbessern, um mit ihm mitzuhalten“, sagt Jarvis. Wie schwer das ist, zeigt auch ein Blick auf die anderen Honda-Fahrer neben Marquez.

Keiner von ihnen konnte in dieser Saison bisher ein Rennen gewinnen. Cal Crutchlow (LCR-Honda) schaffte es nur zwei Mal auf Podest. Und für Marquez‘ Teamkollegen Jorge Lorenzo entwickelte sich der Wechsel zu Honda sogar zu einem regelrechten Albtraum. Verletzungspech und Anpassungsprobleme machten dem Spanier zu schaffen.

„Ich bin total überrascht“, kommentiert Jarvis Lorenzos Schwierigkeiten. Bei Yamaha arbeitete er viele Jahre mit ihm zusammen. „Jorge ist ein fünffacher Weltmeister. Drei Mal hat er den Titel in der MotoGP mit uns gewonnen und wir wissen, wozu er imstande ist. Es war traurig, ihn in den letzten Rennen so weit weg von der Spitze zu sehen.“

„Er hat ganz klar Probleme, selbst körperlich wegen seiner Verletzungen. Aus meiner Sicht hat er auch Angst zu stürzen, insbesondere nach dem letzten Unfall. Und dann fühlt er sich nicht wohl auf dem Motorrad. Es ist schwer, ihn in dieser Situation zu sehen. Er hat sein Talent ganz sicher nicht verloren. Aber dafür sein Selbstvertrauen.“