Mit zwei Podestplätzen ging Yamaha wiedererstarkt in die Sommerpause: Renndirektor Lin Jarvis erklärt, wie man dafür die Zusammenarbeit mit Japan komplett umgekrempelt hat.

Nach längerer Durststrecke stand Yamaha mit Maverick Vinales in der MotoGP-Saison 2019 zuletzt wieder auf dem Podest, und das zwei Mal in Folge. Bei der Dutch TT in Assen konnte der japanische Hersteller seinen ersten Sieg seit Australien 2018 feiern. Von einer Trendwende will Renndirektor Lin Jarvis im Interview mit ‚Motorsport-total.com‘ aber noch nicht sprechen.

„Wir sind noch nicht da, würde ich sagen. Um gegenüber Ducati und Honda wirklich wettbewerbsfähig zu sein, fehlt uns noch etwas. Auf einigen Rennstrecken, die unsere Schwächen nicht offenbaren, machen wir es ganz gut. Aber wir haben noch einen langen Weg vor uns“, analysiert Jarvis. Und dieser Weg reicht bis in die vergangene Saison zurück, wie er offenbart.

Yamaha im Vorjahr in Spielberg am Tiefpunkt

„Unser Aufschwung ist das Ergebnis eines Tiefpunktes, den wir im vergangenen Jahr in Österreich erreicht haben. Das war ein kritischer Moment, als die Dinge nicht gut liefen. Von da an wussten wir, dass wir Änderungen vornehmen mussten.“ Etwa bei der Organisation in Japan: Takahiro Sumi ersetzte Kouiji Tsuya als Projektleiter, Hiroshi Itou wurde neuer Generaldirektor.

Jarvis räumt ein: „Wir haben noch nicht den vollen Nutzen dessen gesehen, was sie bringen werden. Aber wir beginnen, die Zeichen zu erkennen. Außerdem haben wir die Arbeitsweise mit unserem europäischen Ingenieurbüro geändert“, erklärt er weiter. Hier wurden zwei neue Arbeitsgruppen für Elektronik und Fahrzeugdynamik ins Leben gerufen.

Insgesamt spricht der Yamaha-Teamchef von einer „viel offeneren Einstellung“ in der Art der Zusammenarbeit mit Japan. „Früher verhielt es sich so: Wenn wir ein Problem hatten, war Japan geschlossen. Das bedeutete, dass das Problem nicht früh genug entdeckt wurde. Und meiner Meinung nach waren sie auch nicht in der Lage, das Problem zu lösen.“

„Inakzeptabel, wenn wir nicht wettbewerbsfähig sind“

„Jetzt haben wir eine eine viel stärkere Integration zwischen den Ingenieuren in Japan und der europäischen Ingenieursgruppe. Es gibt viele Dinge, die zusammenspielen und es uns ermöglichen, unsere Schwächen zu minimieren. Unser Problem ist jetzt, dass uns die Leistung fehlt, aber wir können das nicht vor dem nächsten Jahr lösen“, weiß Jarvis.

Auf die Frage, was das Management in Japan zum Umdenken bewogen habe, betont er: „Die MotoGP ist für Yamaha sehr wichtig. Es ist das einzige globale Werbe- und Marketingprojekt, das wir haben. Also ist es inakzeptabel, wenn wir darin nicht wettbewerbsfähig sind.“ Deshalb habe es neue Investitionen und Ideen gebraucht. Ob sie auf Dauer Früchte tragen, wird sich zeigen.

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