Scott Reddings Rückstand wird beim Barcelona-Debüt der WSBK größer – Jonathan Rea will weiterhin die Risiken minimieren, befindet sich aber voll auf WM-Kurs

Jonathan Rea (Kawasaki) hat seine Führung in der Meisterschaft beim ersten WSBK-Rennen in Barcelona weiter ausgebaut. Mit dem Sieg vergrößerte Rea seinen Vorsprung auf nun 41 Zähler . Scott Redding (Ducati) fuhr ein gutes Rennen, zog aber erneut den Kürzeren. Von Startplatz sieben kämpfte sich Redding auf die zweite Position vor, konnte Rea aber zu keinem Zeitpunkt gefährden.

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„Ich hatte einen sehr guten Start“, kommentiert Redding, der in Kurve 1 vom Duell der Yamaha-Piloten profitierte. Michael van der Mark drängte Teamkollege Toprak Razgatlioglu mit einem aggressiven Manöver von der Linie und Scott Redding und Ducati-Markenkollege Michael Ruben Rinaldi zogen vorbei.

„Van der Mark war zu aggressiv und machte mir den Weg frei. Dafür war ich dankbar. Dann fand ich mich in einer guten Position wieder und überholte Rinaldi, um an Jonathan dran zu bleiben. Doch dann wäre ich in Kurve 3 beinahe via Highsider abgeflogen“, kommentiert Redding die Schrecksekunde in der zweiten Runde.

„Diese Kurve bereitete uns immer wieder Probleme“, ärgert sich Redding. „Rinaldi kam erneut vorbei. Ich wartete ab und lernte hinter ihm ein bisschen was. Als seine Reifen abbauten, zog ich vorbei und versuchte, die Lücke zu Jonathan zu schließen. Ich kam ein bisschen näher, dann wurde der Rückstand größer und kleiner. Ich probierte es.“

Catalunya Round: Rennen 1

„Hätte dieses Rennen gewinnen müssen“ – Scott Redding ärgert sich

„Nach dem Qualifying war das ein gutes Rennen für mich. Ich fühlte mich wohl. Vermutlich hätte ich mit Jonathan kämpfen können, wenn ich aus Reihe eins ins Rennen gegangen wäre“, grübelt Redding im Gespräch mit ‚Motorsport-Total.com‘.

Mit Blick auf die WM war Platz zwei in Lauf eins zu wenig. „Ich mache alles, was in meiner Macht stand. Es ist schwierig, diese Lücke wieder zu schließen“, ist sich der WM-Herausforderer bewusst. „Ich wusste das bereits, als er in der WM einen Vorteil rausfuhr. Ich hätte dieses Rennen gewinnen müssen, doch im Qualifying zeigte ich eine schlechte Leistung. Ich weiß nicht, ob es am Reifen oder an der Abstimmung lag. Es ist nicht ideal, von Startplatz sieben zu starten.“

„Ich darf meine Konzentration nicht verlieren, weil wir noch viele Rennen vor uns haben. Ich muss jedes Rennen so nehmen, wie es kommt. Doch wir haben in einigen Kurven Probleme mit unserer Maschine. Dadurch ist ihr Vorteil zu groß“, schaut er auf Kawasaki. „Ich muss alles geben, um in anderen Bereichen Zeit gutzumachen, doch das ist sehr schwierig.“

Jonathan Rea widmet Ana Carrasco den Sieg beim Provec-Heimspiel

Mit dem Sieg in Barcelona schrieb Jonathan Rea Geschichte, denn er wurde damit zum ersten Laufsieger auf der GP-Strecke. „Ich fuhr hier noch nie zuvor ein Rennen und wusste nicht, was ich erwarten soll“, gesteht der Rekord-Weltmeister.

An der Spitze fuhr Rea ein einsames Rennen. „Runde für Runde verstand ich besser, an welchen Stellen ich pushen kann und wo man sich zurückhalten sollte. Es war ein gutes Lernrennen. Ich zog zu Beginn davon und konnte mich zur Halbzeit etwas entspannen, als der Vorsprung größer wurde. In den letzten Runden verwaltete ich den Vorsprung. Ich freue mich über das Rennen. Es ist das Heimrennen meines Teams“, so Rea.

In der Auslaufrunde zog Rea ein Shirt von Ana Carrasco an. Bereits am Abend zuvor stattete Rea seiner Teamkollegin einen Krankenbesuch ab. Die junge Spanierin war bei Testfahrten in Portugal verunglückt und kämpft mit der Genesung.

„Ich ließ ein T-Shirt vorbereiten, wollte dieses aber nur tragen, wenn ich gewinne. Ich möchte Ana diesen Sieg widmen, aber auch meinem Opa, der heute vor 27 Jahren verstarb. Er beeinflusste den Straßensport in Nordirland sehr und hat großen Anteil, dass ich heute hier bin. Das schenkte mir heute viel Kraft“, berichtet Rea.

Verzichtet Jonathan Rea nun auf unnötige Risiken?

In der WM liegt der Titelverteidiger nun mit 41 Punkten vorn. Hilft der Vorsprung dabei, Risiken zu vermeiden oder motiviert er, Risiken eingehen zu können? „Beides“, antwortet Rea. „Es ist immer einfacher, wenn man einen Vorsprung verwalten kann. Mein Ziel ist es, Rennen für Rennen anzugehen.“

„Ich will das Maximum herausholen. Natürlich müssen wir die Risiken minimieren, doch das geht einem bei jedem Rennen durch den Kopf. Man möchte keine Fehler machen. Ich habe ein gutes Gefühl für das Motorrad und kann ans Limit gehen. Morgen will ich noch mehr Punkte holen“, stellt der WM-Leader klar.