Auch wenn sich Jorge Lorenzo aus mehreren Gründen für einen MotoGP-Rücktritt entschied: Seine Rückenverletzung spielte dabei offenbar eine Hauptrolle.

Die Gerüchteküche zu einem möglichen Rücktritt von Jorge Lorenzo brodelte seit Wochen. Dennoch kam es für viele dann doch überraschend, dass der Spanier kurz vor dem MotoGP-Saisonfinale in Valencia sein Karriere-Ende als aktiver Fahrer erklärte. Nach einem schwierigen Jahr mit Honda zog er vorzeitig die Reißleine.

Teil der Probleme waren Verletzungen, die sich Lorenzo vor und im Laufe der Saison zugezogen hatte. Und die seinen Fortschritt mit Honda merklich bremsten. Im Gespräch mit ‚BT Sport‘ hält er fest: „Die Verletzungen haben meine Entscheidung beschleunigt. Ohne sie wäre ich vielleicht geblieben und hätte versucht, mit Honda konkurrenzfähig zu sein.“

Im Laufe seiner langen Karriere – Lorenzo fuhr seit 2008 in der Königsklasse – hatte er sich immer wieder teils schwer verletzt. Und trotzdem ließ er nicht locker und machte weiter. „Es ist ein langer Prozess“, weiß der 32-Jährige. „Aber wenn Du immer und immer weiterläufst, kommt das Selbstvertrauen zurück. So war es auch 2008.“

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Lorenzo: Rückenverletzung war Anfang vom Ende

„Damals hatte ich fünf größere Verletzungen. Bei der letzten schlug ich mir den Kopf an und konnte mich an nichts erinnern. Als ich zurückkam, war ich zu Beginn noch sehr langsam, aber es wurde besser. Ich wurde Zweiter 2009 und gewann den Titel 2010. Es ist also möglich, erfolgreich zurückzukommen. Aber das braucht Zeit.“

Sie erneut zu investieren, dazu fühlte sich Lorenzo aus mehreren Gründen diesmal nicht bereit. „Es war eine Kombination aus verschiedenen Dingen. Verletzungen, ein Bike, das nicht zu meinem Stil passte, die fehlende Motivation und Geduld, ein weiteres Jahr zu warten. Erst recht im Alter von 32 Jahren“, beschreibt er seine Beweggründe.

Dabei spielte auch die Schwere seiner jüngsten Verletzung eine Rolle, wie er verrät. „Verletzungen am Rücken sind immer schwierig. Das ist etwas Ernstes, nicht die Hand oder der Fuß. Im schlimmsten Fall kannst Du gelähmt sein. Ich spürte deshalb mehr Respekt, wollte einfach nicht mehr stürzen.“ Entsprechend gehemmt fuhr er mit der Honda.

Aufwärtstrend von Assen-Crash gestoppt

Dass sich sein Gefühl ohne den Unfall ganz anders hätte entwickeln können, davon ist Lorenzo überzeugt. „In Le Mans war ich im zweiten Training Vierter und nur drei Zehntel vom Schnellsten entfernt. Im Rennen wurde ich Elfter und hatte einen Rückstand von 14 Sekunden. Mir fehlte also weniger als eine Sekunde pro Runde“, analysiert er.

„Dann, in Montmelo, konnte ich auf den ersten zwei Runden in die Spitzengruppe vordringen und war sehr schnell. Ich denke, in diesem Rennen hätte ich Fünfter oder Sechster werden können. Es war also eine Steigerung zu sehen.“ Allerdings sah der Honda-Pilot die Zielflagge nach einem frühen und viel diskutierten Sturz im Rennen nicht.

Beim anschließenden Test stürzte Lorenzo erneut, diesmal allerdings heftig. „Wir hatten ein Bild von der Streckenkamera. Alberto (Honda-Teammanager Puig, Anm. d. Red.) sah es und war besorgt“, erinnert sich Lorenzo. „Ab da begann ich, Angst davor zu haben, mich zu verletzen. Nur wenige Tage später passierte ein weiterer schwerer Sturz in Assen.“

Dabei wurden zwei Rückenwirbel verletzt, woraufhin der Spanier mehrere Rennen ausfiel. „Von dem Moment an fragte ich mich, was ich hier eigentlich mache“, gesteht er. „Aber Zuhause sagte ich mir dann: ‚Mach weiter, gib dem Ganzen noch eine Chance.‘ Aber die Wahrheit ist, dass ich die Motivation danach nicht mehr finden konnte.“