Nach seinem MotoGP-Aus verrät Jorge Lorenzo, was ihn neben vielen Verletzungen in seiner Entwicklung bei Honda hemmte – und wofür er Alberto Puig dankbar ist.

Dass sich Jorge Lorenzo mit nur 28 WM-Punkten aus der MotoGP-Saison 2019 verabschieden würde, hätte zu Beginn des Jahres wohl niemand vermutet. Ein Hersteller-Wechsel ist selten einfach. Doch immerhin hatte es der Spanier mit Ducati schon einmal geschafft. Auch wenn die Erfolge seinerzeit zunächst auf sich warten ließen.

Bei Honda kam es gar nicht erst so weit. Immer wieder warfen Verletzungen den fünfmaligen Weltmeister in der ohnehin schwierigen Anpassung an die RC213V zurück. „Ich denke, sie haben ihr Bestes versucht“, goutiert Lorenzo die Arbeit von Honda im Interview mit ‚BT Sport‘. Auch wenn sie letzten Endes nicht die gewünschten Früchte trug.

Zudem konstatiert 32-Jährige: „Die Regeln haben nicht geholfen. Denn sie schränken uns ein, was Motor, Elektronik und all diese Dinge angeht.“ Zur Erinnerung: Lorenzo fehlte beim ersten MotoGP-Test 2019 in Sepang. Fortan ging die Entwicklung ohne ihn weiter. Und neue Ideen konnten während der Saison nur begrenzt realisiert werden.

Best of: Jorge Lorenzo – Highlights seiner Karriere

Spielte Lorenzo bei Honda nur die zweite Geige?

„Die Wahrheit ist aber auch, dass sich das Motorrad, als ich zu Yamaha kam, für mich natürlich anfühlte. Dann, einige Jahre später, wechselte Valentino zu Ducati, und ich wurde der erste Fahrer. Die Entwicklung, alle neuen Teile, folgten deshalb meiner Richtung“, erinnert sich der Spanier, und zieht einen Vergleich zwischen den Herstellern.

„Nach dem Wechsel zu Ducati war ich auch dort der erste Fahrer. Und wieder folgte die Entwicklung mir. Als ich aber zu Honda kam, war ich nicht der erste Fahrer. Es ist normal, dass Marc mit drei WM-Titeln in Folge die Nummer eins ist. Das Bike wurde nach und nach immer mehr an ihn angepasst. Und damit natürlich schwieriger für andere Fahrer wie mich.“

Vor allem die fehlende Balance zwischen Power und Handling machte ihm zu schaffen. „Honda versuchte, den Motor zu verbessern. Aber je leistungsstärker er wurde, desto mehr Probleme traten in den Kurven auf“, erklärt Lorenzo. „Das Gefühl für das Vorderrad litt darunter. Zudem büßten wir im Vergleich zum Vorgänger-Motorrad Kurven-Speed ein.“

Honda-Teammanager hatte Tränen in den Augen

Das wirkte sich natürlich auch auf sein Selbstvertrauen aus. „Jedes Mal, wenn ich pushte, kam es zum Sturz. Allerdings ohne dass ich wusste, was genau passiert war.“ Dass er sich dabei auch noch verletzte und mehrere Grands Prix ausfiel, kam erschwerend hinzu. Der Entschluss, zurücktreten zu wollen, wurde für Lorenzo folglich immer realer.

An seinem guten Verhältnis zu Honda und vor allem Team-Manager Alberto Puig ändere die vorzeitige Trennung aber nichts, betont er. „Alberto war derjenige, der mir vertraut hat. Ich rief ihn an, als ich wusste, dass ich bei Ducati nicht weitermachen werde. Ich konnte ihn, und er dann letztlich Honda überzeugen.“

„Ich erinnere mich noch an eine Unterhaltung beim ersten Test in Montmelo, wo wir über meinen Wechsel verhandelten. Ich sagte Alberto: ‚Mach keine Fehler, indem Du den falschen Fahrer unter Vertrag nimmst. Vertrau mir, und Du wirst es nicht bereuen.‘ Leider habe ich ihn enttäuscht. Aber er hat mich immer unterstützt“, versichert Lorenzo.

Als Ex-Fahrer habe Puig besonders gut nachvollziehen können, „wie schlecht man sich fühlt, wenn man verletzt ist“, weiß der Spanier. Und verrät: „Als ich ihm in Malaysia meine Entscheidung mitteilte, hatte er Tränen in den Augen. Er sieht von außen taff und stark aus. Aber er ist eine sehr sensible und verständnisvolle Person. Das schätze ich sehr.“