Geringe Zeitabstände in den Qualifyings, tags darauf meist hart umkämpfte Rennen: Kevin Schwantz findet die moderne MotoGP deutlich spannender als früher die 500er-Ära.

Überrundungen und ein weit auseinander gezogenes Fahrerfeld: In der 500er-Ära war das früher keine Seltenheit. Im Vergleich zur modernen MotoGP gab es zwischen den Werksmaschinen der Top-Piloten und den Bikes der Privatfahrer deutlich größere Unterschiede. Deshalb trauert Kevin Schwantz den 500ern nicht hinterher. Und schwärmt stattdessen von der modernen Viertakt-Ära.

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„An der Spitze geht es viel enger zu. Man hat jetzt meistens 24 Bikes innerhalb von 2,5 Sekunden. Damals bei den 500ern war alles viel weiter auseinander gezogen“, blickt Schwantz im Gespräch mit ‚MotoGP.com‘ zurück.

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Schwantz: Zwischen den ersten beiden Reihen lagen Welten

„Zwischen den ersten beiden Startreihen lagen etwa eine oder 1,5 Sekunden. Es scheint, als ob in der Ära der Elektronik-Hilfen alle enger beieinander liegen, vor allem im Qualifying. In den Rennen ist es dann manchmal weiter auseinander gezogen“, findet Schwantz.

„Doch diese Fahrer haben es nicht leicht. Eine Zehntelsekunde im Qualifying kann drei oder vier Startplätze ausmachen. Und nachdem nur noch drei Fahrer in einer Reihe stehen, hat man dann einen echt großen Nachteil, den man kompensieren muss“, erklärt der 500er-Weltmeister von 1993.

Auch die Fahrstile haben sich über die Jahre stark verändert. Vorbei die Zeiten, in denen sich die Piloten nur mit ihrem Hinterteil zur Kurvenmitte lehnten. „Damals saß man mehr mittig auf dem Motorrad, um Traktion aufzubauen. Durch die Elektronik geht es darum, wie weit man sich neben das Motorrad hängen kann“, vergleicht Schwantz.

Ellenbogen auf dem Boden? Nur bei Stürzen…

„Das einzige Mal, als ich mit meinem Ellenbogen auf den Boden kam, war bei Stürzen“, witzelt der US-Amerikaner. „Es hat sich vieles verändert. Das macht den Motorrad-Sport aus. Es geht darum, das schnellste und konstanteste Bike zu haben. Das ist es, wonach alle Hersteller streben.“

Schwantz ist von der Dichte in der MotoGP begeistert: „Das Feld ist richtig stark besetzt. Trotzdem setzen sich am Ende immer die Top-Piloten durch. Egal ob Rins, Marquez, Dovizioso, Rossi oder Vinales. All diese Fahrer sind konstant vorne zu finden, auch wenn sie mal ein schlechtes Qualifying haben.“

„Derjenige Pilot, der ein bisschen mehr Selbstvertrauen hat, kann sich im Laufe eines Rennens durchsetzen und an die Spitze fahren. Damals aber, wenn es mit einer 500er schlecht lief, war es aussichtslos. Da hätte dann auch der beste Fahrer der Welt nichts ausrichten können“, erinnert sich der US-Amerikaner mit der Startnummer 34 an seine aktive Zeit.