Mike Leitner, Team-Manager bei KTM, spricht im exklusiven Word-Rap über die Auswirkungen des Coronavirus, die Erfolge in Katar, die Winter-Tests sowie die Zukunft.

Weiterhin Pause statt Renn-Vergnügen! Der MotoGP-Saisonstart musste aufgrund des Coronavirus bereits mehrmals verschoben werden. Die Moto2 und Moto3 konnte das Rennwochenende in Katar zwar wie geplant durchziehen. Für die MotoGP steht der Saisonstart im Moment für den Argentinien-GP von 17. bis 19 April auf dem Programm. KTM-Team-Manager Mike Leitner im exklusiven Word-Rap über…

… die Auswirkungen des Coronavirus auf den MotoGP-Zirkus:

Das neue Timing beeinflusst die Entwicklung nicht besonders. Da können wir momentan einfach Nichts machen. Wir können es nur hinnehmen. Ich persönlich glaube aber auch, dass noch einige weitere Änderungen kommen werden. Der Virus macht uns aber mehr Sorgen. Wir hätten nächste Woche einen Test in Jerez geplant. Der Drei-Tage-Test war ziemlich wichtig. Diesen mussten wir jedoch – auch aus den ganzen Umständen heraus – Mittwoch in der Früh canceln. Wir werden die Truppe deshalb nicht nach Jerez schicken. Denn es ist einfach zu riskant momentan. Wir haben uns dazu entschieden, dass die Gesundheit ganz klar über allem anderen steht.

… eine mögliche, sehr lange Saison bis… Weihnachten?

Sicher, wenn man eine Saison so lange verlängern würde, dann ist das Timing für das nächste Jahr sehr schwierig. Man plant normalerweise ein Jahr im Voraus. Die ganze Planung geht jetzt daher drunter und drüber. Das ist logisch. Aber wir sind jetzt nicht in einer Situation – und das ist das Schwierige – wo man sagen kann: „Das war es jetzt und jetzt müssen wir uns neu aufstellen.“ Denn es sieht so aus, als wären wir noch mittendrin. Wir wissen noch gar nicht, wie die Reise in den nächsten Monaten überhaupt weitergeht. Ich mache mir persönlich noch nicht so viele Gedanken über den November. Mich bzw. uns interessiert viel mehr, wie April und Mai aussehen werden. Solange diese Sachen nicht geklärt sind, würde ich sagen, dass man für das Saisonende noch gar nicht so richtig planen kann. Aber das liegt einfach nicht in unserer Hand oder der Hand der Veranstalter. Das wird sich rein danach richten, wie man mit dem anderen Problem, nämlich dem Virus, umgeht. Man wird völlig von den Länderentscheidungen abhängig sein. Das ist eine Riesensache. Es ist auch nicht nur ein Problem der MotoGP. Wir sehen das bereits jetzt ganz klar – die ganze Wirtschaft und Gesellschaft leiden darunter. Darum müssen wir uns da rausnehmen und Schritt für Schritt arbeiten und auf Sicht fahren. Man kann noch gar nicht sagen, wie es in sechs Monaten sein wird.

… italienische Team-Mitglieder:

Die fallen derzeit alle komplett aus. Sie sind Zuhause und dürfen nicht raus. Und wir können und würden sie auch nicht ins Haus holen. Man kann das Risiko gegenüber der anderen Belegschaft einfach nicht eingehen.

… die Bilanz der Winter- und Vorsaison-Tests:

Die Wintertests waren für uns sehr positiv. Wir haben gesehen, dass wir wieder einen Schritt nach vorne gemacht haben. Wir hoffen und glauben, dass wir näher an die Spitze gekommen sind. Denn das ist unser Ziel. Das kann man anhand der Wintertests sagen. Nur: Jetzt müssen wir einmal Rennen fahren, um auch die endgültige Bestätigung zu bekommen. Über vier bis fünf Rennen muss man sehen, wo man sich bewegen kann. Unser Motorrad hat sich vom Charakter her sehr verändert. Miguel Oliveira war in Sepang sehr stark, nur eineinhalb Zehntel langsamer als Pol Espargaro. Das war für uns sehr positiv zu sehen. Dani Pedrosa ist wie Pol eine 58.6 gefahren und Miguel 58.7 – das war super. Wir hatten somit drei KTMs auf einer top Rundenzeit und nicht nur ein kleiner Ausreißer. Das war sehr positiv. MotoGP-Rookie Brad Binder war in Sepang nur eine halbe Zehntel hinter dem Schnellsten. In Doha hat er dann wirklich nochmal einen Schritt gemacht und sich noch besser in der Klasse eingefunden. Denn es geht nicht nur um das Motorrad. Man muss die Reifen und die Klasse verstehen. Brad hat sich echt gut aus der Affäre gezogen in Doha. Er muss jetzt aber erstmal Rennen fahren. Und das ist derzeit eingefroren. Aber er wird uns sicher noch viel Freude bereiten und seinen Weg in der Klasse gehen.

… die „Silly Season“ und die Verträge für 2021:

Wir sind mit einem Brad Binder zum Beispiel noch nicht Mal ein Rennen gefahren. Deswegen kann man da nicht so viel dazu sagen. Sicher, wenn die Saison in Doha losgegangen wäre und wir im Rennbetrieb wären, dann ist die Phase im Frühling sehr wichtig. Aus der ganzen Situation heraus werden sich manche Sachen ein wenig verzögern. Aber wir haben nicht vor, Leute auszutauschen. Mit dem Line-up unserer Fahrer sind wir zurzeit wirklich sehr zufrieden: Wir haben drei junge Burschen und mit Pol einen sehr erfahrenen Fahrer. Jetzt schauen wir, was wir für die Zukunft weiter verwirklichen können.

… den Austausch bzw. die Gleichberechtigung zwischen Werks- und Satellitenteam:

Wir versuchen das generell, das wird überall so gelebt bei KTM. Natürlich ist das aber in der Praxis nicht immer ganz leicht – speziell, wenn es neue Entwicklungsteile gibt. Für den heurigen Saisonstart haben bei uns alle vier Fahrer das gleiche Motorrad. Und das ist sehr gut so. Man sieht auch, dass andere Hersteller ebenfalls in diese Richtung ziehen. Wir haben, um ehrlich zu sein, aber auch nicht die Kapazitäten, dass wir zwei Motorräder in zwei verschiedene Richtungen entwickeln können. Wir sind vom Sponsor her sehr einheitlich. Uns freut es genauso, wenn ein Tech 3-Fahrer Erfolg hat. Denn für uns sind unsere vier KTM-Piloten alle Werksfahrer. Wir schauen, dass wir auch so aufrechterhalten. Wenn während der Saison ein spezielles Teil kommt und es ist an diesem Wochenende nur für einen oder zwei Fahrer verfügbar ist, dann werden natürlich die bevorzugt, die im Ranking vorne sind. Die anderen werden dann nachgezogen.

Das Rennen der Moto2: Grand Prix of Qatar

… Tetsuta Nagashima und seinen Moto2-Sieg in Katar:

Es war eine Überraschung für mehrere Leute, nicht ich nur für uns, dass Tetsuta Nagashima so performt. Aber es ist super schön zu sehen. Aki Ajo ist über die Jahre ein starker Partner von uns geworden. Die Idee oder der Spirit des Teams ist schließlich, dass wir die Möglichkeit haben, Leute zu fördern, sie auf der KTM-Linie zu halten und mit dieser Philosophie durchzumarschieren. Tetsuta kann in dieser Saison – auch in Hinblick auf die Weltmeisterschaft – noch eine ganz schöne Überraschung werden.

Das Rennen der Moto3: Grand Prix of Qatar

… den 100. Grand-Prix-Sieg von KTM in der Moto3:

Wie soll ich sagen? Bei KTM wird der Motorsport gelebt. Man ärgert und freut sich genauso, wenn in der Moto3 ein Rennen funktioniert – oder eben nicht funktioniert. Es ist klar, jeder hat sein Aufgabengebiet. Aber wir sind eine Road Racing-Truppe. Es gibt dann auch den Gedankenaustausch sowie Meetings, wo wir alle zusammensitzen. Es ist natürlich immer schön, wenn man mit KTM ein Rennen gewinnen kann. Man freut sich für die Truppe, man freut sich für KTM und für das gesamte Projekt. Das ist sehr wichtig.

Interview: Katharina Untersberger

Ein Jahr voller Highlights: KTMs starke Saison 2019