KTM-Motorsportchef Pit Beirer spricht offen über den enttäuschenden Start in die Triumph-Ära – und unterstreicht, dass die Österreicher ihre Hausaufgaben machen müssen.

Mit großen Erwartungen war KTM in die neue Moto2-Ära mit Triumph-Motoren gestartet. Doch gewonnen hat der österreichische Hersteller keines der ersten neun Rennen. Zuletzt war zumindest ein Aufwärtstrend zu erkennen. Brad Binder eroberte in Assen und auf dem Sachsenring zwei zweite Plätze. Doch in der Konstrukteurs-WM ist KTM nur Dritter hinter Kalex und Speed Up. 173 Punkte beträgt der Rückstand auf Platzhirsch Kalex bereits.

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„Manchmal wurde das so hingedreht als würden wir glauben, dass wir die Superschlauen sind. Nein, das sind wir nicht“, sagt KTM-Motorsportchef Pit Beirer gegenüber ‚Motorsport-Total.com‘ über die Situation in der Moto2. „Wir sind sehr demütig hier in diesem Fahrerlager und haben ein riesen Programm. Wenn man vom Rookies Cup bis zur MotoGP hinauf alle befeuert und dann Prügel bekommt, wie wir es aktuell in der Moto2 bekommen, dann sind Dinge durch die Presse gewandert, die mich schon etwas gestört haben.“

Pit Beirer: „Wer Kalex schlagen will, muss verdammt gut sein“

„Da geht es nicht darum, ob wir daheim den Projektleiter entlassen oder wer jetzt das nächste Chassis baut. Du findest niemanden, der irgendwo im Wohnzimmer sitzt und ein Chassis baut, das Kalex schlägt. Kalex macht einen super Job – da kann man nur gratulieren! Ich glaube, da kann man meine Aussagen über die vergangenen Jahre zurückverfolgen. Ich hatte schon immer einen riesen Respekt vor der Firma Kalex. Sie beweisen, dass sie in dieser Klasse der Platzhirsch sind. Und wenn man sie schlagen will, muss man verdammt gut sein.“

Speed-Up-Fahrer Jorge Navarro eroberte zusätzlich zu vier Podestplätzen auch zwei Pole-Positions. Und auch Binder schaffte es mit der KTM einmal in die erste Startreihe. Ansonsten wurde die bisherige Saison von Kalex-Fahrern dominiert. Neun Siege in neun Rennen lautet die Ausbeute für die deutsche Chassis-Firma. Zuletzt war Binder aber in Schlagdistanz, verpasste die Siege nur knapp. Das zeigt, dass KTM Fortschritte gemacht hat.

„Wir fangen nicht an, unsere Leute rauszuschmeißen“

„Wir haben viele Projekte, die die Nummer-eins-Priorität haben. Es wird wahrscheinlich nicht immer gelingen, dass wir im Enduro, im Motocross, in der Rallye, im Supercross und in allen Straßen-Serien die Besten sind. Irgendwo wird man mal unter Druck kommen, und woanders wird es mal besser laufen. Aber deswegen werden wir nicht anfangen unsere Leute rauszuschmeißen und auszutauschen. Das Thema Stabilität ist ganz wichtig.“

„Wir fahren heim, analysieren und müssen brutal viel arbeiten, um einen Schritt näherzukommen. Das ist eine Aufgabe, die uns derzeit sehr beschäftigt“, hält Beirer fest. „Es ist aber nicht so, wie der Oberhäuptling in der Presse gesagt hat: ‚Wir fahren jetzt heim, bauen ein neues Chassis und schlagen dann Kalex‘. So einfach ist das nicht. Wir werden in der nächsten Zeit den Fokus auf die Moto2 legen und versuchen, dagegenzuhalten.“

„Weil man mit den Leuten das Problem lösen muss, die gerade lernen, warum wir nicht so gut sind. Und nicht mit neuen Leuten, die von draußen irgendwo kommen und gescheit reden“, sagt der KTM-Motorsportchef. „Wir sind hier im Fahrerlager mit der weltbesten Motorrad-Industrie. Man muss mit ihnen auf Augenhöhe kämpfen. Das macht uns Spaß. Wenn man mal eine drüber bekommt, muss man es zur Kenntnis nehmen und daran arbeiten. Wir verstecken uns nicht hinter unseren Fahrern. Sondern wir wissen schon, wenn es an uns liegt, dass wir unsere Hausaufgaben machen müssen. Und das werden wir auch weiter so betreiben.“

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