Jorge Lorenzo glaubt, dass Pol Espargaro den Wechsel von KTM zu Honda bereits bereut. Die Maschine ist nur auf Marquez ausgerichtet.

KTM ist in der MotoGP-Saison 2020 plötzlich nicht nur siegfähig, sondern hat tatsächlich schon gewonnen. Im Gegensatz dazu fährt Honda hinterher. Während KTM in der Herstellerwertung an dritter Stelle liegt, hat Honda als Fünfter einzig Aprilia hinter sich. In der Teamwertung sieht es noch dramatischer aus. Hier liegt das KTM-Werksteam an vierter Stelle, während das Honda-Werksteam auf dem elften und damit letzten Platz aller Teams rangiert.

Advertisement

Dass Honda aktuell derart abfällt, liegt natürlich daran, dass Starpilot Marc Marquez verletzungsbedingt ausfällt. Jorge Lorenzo, der im vergangenen Jahr als Marquez‘ Teamkollege bei Honda die schlechteste Saison seiner gesamten WM-Karriere erlebte und kein einziges Mal in die Top 10 fuhr, bezeichnet die RC213V als „ein kompliziertes Bike, vor allem an der Front“.

„Es gibt Piloten, denen ist das Gefühl für das Vorderrad nicht so wichtig. Während es für andere fundamental ist“, erklärt Lorenzo und bekennt: „Für mich war es immer ganz entscheidend, eine stabile Front zu haben. Deshalb habe ich mit diesem Bike mehr gelitten als andere. Marquez ist der einzige, der in der Lage ist, damit zu gewinnen.“

Lorenzo glaubt: Früher war Honda einfacher fahrbar

Beim Blick zurück auf die jüngere MotoGP-Historie von Honda fällt Lorenzo auf, dass „das Bike in der Zeit von Stoner und Pedrosa offenbar einfacher zu fahren war. Weil auch andere Fahrer wie Simoncelli, Bautista oder andere damit zurechtkamen.“ Marquez ist bei Honda in sieben Jahren sechsmal Weltmeister geworden. Aber das Bike „scheint extremer geworden zu sein“, so Lorenzo.

Tatsächlich schafften es mit der RC212V, die im Zeitraum 2007 bis 2011 für fünf Jahre im Einsatz war, neun Piloten auf das Podest. Neben den Werkspiloten Nicky Hayden, Dani Pedrosa, Andrea Dovizoso und Casey Stoner gelang es auch den Satellitenpiloten Toni Elias, Marco Melandri, Randy de Puniet, Alex de Angelis und Marco Simoncelli.

Seit 2012 hat Honda die RC213V im Einsatz. Und mit dieser nun im neunten Jahr eingesetzten und verstärkt von Marc Marquez entwickelten Maschine es neben Marquez lediglich sieben weitere Piloten auf das Podest geschafft: Stoner, Pedrosa, Alvaro Bautista, Stefan Bradl, Cal Crutchlow, Scott Redding und Jack Miller.

Dass man sich bei Honda in puncto Entwicklung der RC213V jahrelang auf Marquez fokussiert und verlassen hat, rächt sich jetzt. „Marc hat einen ganz eigenen Fahrstil. Dass Honda seinen Weg eingeschlagen hat, wirkt sich sicherlich negativ auf andere Fahrer aus“, ist Lorenzo überzeugt.

Lorenzo über Espargaro: Wird Gedanken abstreiten

Spannend ist dieser Aspekt vor dem Hintergrund, dass Marquez für die MotoGP-Saison 2021 einen neuen Teamkollegen bekommt: Pol Espargaro, der aktuell seine letzte Saison für den aufstrebenden Hersteller KTM bestreitet. Ob der Spanier seinen Wechsel früher oder später in ähnlicher Form bereuen wird wie Landsmann Lorenzo seinen Wechsel von Ducati zu Honda? Lorenzo kann sich genau das zumindest sehr gut vorstellen.

„Selbst wenn er diese Gedanken hat, wird er sie abstreiten, weil sein künftiges Team nun mal Repsol-Honda ist“, sagt Lorenzo über Espargaro und weiter: „Ich weiß natürlich nicht, wie er privat darüber denkt, Fakt ist aber, dass er bei KTM all die schwere Aufbauarbeit erledigt hat und jetzt, da das Bike funktioniert, wechselt er auf eines, mit dem offenbar nur Marquez gewinnen kann.“

Espargaro selbst betonte erst vor wenigen Wochen, dass ihn das Lorenzo-Debakel bei Honda gleich aus mehreren Gründen nicht abschreckt. Ob er selbst oder aber Lorenzo Recht behalten wird, muss die Saison 2021 zeigen.