Simone Battistella, Manager von Ducati-Star Andrea Dovizioso erklärt, welche besonderen Herausforderungen die Zwangspause und ein kurzer MotoGP-Kalender in sich bergen.

Die lange Durststrecke bis zum ersten MotoGP-Rennen des Jahres verlangt den Fahrern vor allem mental einiges ab. Fokussiert zu bleiben, die körperliche und geistige Fitness trotz der Einschränkungen hochzuhalten, das sind aktuell die Hausaufgaben der Piloten. Fahrermanager wie Simone Battistella versuchen, ihre Schützlinge dabei zu unterstützen.

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„Als bekannt wurde, dass sie erstmal keine Rennen fahren können, war das ein Schock. Denn alle waren ja bereit zu starten“, erinnert sich der Italiener im Gespräch mit ‚GPSpirit‘ an die erste Absage. Er arbeitet unter anderem mit MotoGP-Pilot Andrea Dovizioso zusammen, aber auch Moto2-Fahrer Lorenzo Baldassarri zählt zu seinen Klienten.

Während Letzterer in Katar zumindest das Auftakt-Rennen 2020 noch absolvieren konnte, war Dovizioso das nicht mehr vergönnt. Battistella weiß: „Die Fahrer haben sich den ganzen Winter lang auf dieses erste Rennen vorbereitet. Sie sind daran gewöhnt, mit diesem Flutlicht-Rennen in Katar in die Saison zu starten.“

Battistella rechnet mit „Geister-Rennen“

„Natürlich verstehen sie die Situation. Aber das Problem besteht darin, motiviert zu bleiben. Ich glaube der einzige Weg ist, weiter zu trainieren, sich zu fokussieren und seine Tage zu strukturieren. Wenn sie es schaffen, eine gewisse Disziplin und Routine aufrechtzuerhalten, ist das der beste Weg um weiterzumachen.“

Unter der quälenden Ungewissheit, wann die Saison für die Königsklasse endlich starten kann, ist das freilich keine einfache Aufgabe. „Man sollte sich deshalb jetzt aber nicht verrückt machen. Sondern sich weiter beschäftigen, bis die offizielle Ankündigung kommt“, mahnt Battistella seine Fahrer zu Geduld.

Auch wie die Rennen dann genau ablaufen werden, ist aktuell noch völlig offen. Der Fahrermanager prognostiziert, dass das zunächst vor leeren Rängen passieren wird. „Ich denke, wir müssen uns zu Beginn auf Rennen hinter verschlossenen Türen gefasst machen. Es wird wichtig sein, überhaupt anzufangen.“

„Starke Physis und Psyche sind elementar“

Aber natürlich nicht um jeden Preis. „Wir können nur dann Rennen fahren, wenn wir sicherstellen, dass alle Beteiligten, die im Paddock verkehren, gesund sind und gesund bleiben“, betont Battistella. Das sei jedoch kompliziert und werde davon abhängen, wie die Menschen auf das Virus getestet werden.

„Wir brauchen eine bessere Statistik innerhalb Europas. Und, dass sich die Länder untereinander stärker abstimmen. Das wird der Dorna helfen, eine Weltmeisterschaft auf die Beine zu stellen“, meint der Italiener. Erst dann werde auch absehbar sein, wie viele Rennen man in der verbleibenden Zeit noch unterbringen kann.

Battistella rechnet mit einer sehr kurzen und relativ dicht gedrängten Weltmeisterschaft. „Sollte es 19 Rennen geben, werden sie sehr verdichtet stattfinden“, blickt er voraus. Das geht mit besonderen Anforderungen an die Fahrer einher. „Eine starke Physis und Psyche sind unter solchen Bedingungen fundamental.“

MotoGP-Kräfteverhältnis wird durcheinander gebracht

„Wenn Du gerade ein Tief hast und nicht auf dem höchsten Level Deiner Leistungsfähigkeit bist, macht sich das bei drei Rennen hintereinander natürlich umso mehr bemerkbar. Die körperliche und mentale Fitness sind essenziell“, weist er auf die besondere Problematik eines dichten Rennkalenders mit wenige Pausen hin.

„Hinzu kommt die technische Seite. Wenn es zwei Rennen an einem Wochenende geben sollte (wie in der Superbike-WM, Anm. d. Red.) und diese Strecke einem Bike oder auch Fahrer mehr liegt als dem anderen, bringt es das Kräfteverhältnis durcheinander“, gibt Battistella zu bedenken. „Aber wer weiß das schon so genau im Moment…“