Aprilia-Rennchef Massimo Rivola verrät nach einer Saison im MotoGP-Paddock, worin sich die Motorrad-WM am stärksten von der Formel 1 unterscheidet.

20 Jahre war Massimo Rivola in der Formel 1 tätig, unter anderem als Sportchef von Minardi, Torro Rosso und Ferrari. In der MotoGP-Saison 2019 nahm er seine Arbeit als neuer Teammanager bei Aprilia auf. Auf den Vergleich zwischen den Königsklassen auf vier und zwei Rädern wird er immer wieder angesprochen.

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Auch ‚Motorsport-Total.com‘ hakte bei dem Italiener nach. Der gibt zu: „Das ist eine einfache Frage, aber eine schwierige Antwort. Was ich sagen kann, ist, dass die MotoGP eine komplett andere Welt ist – außer dass es sich auch um Rennsport handelt.“

Woran macht der Aprilia-Rennleiter das fest? „Ich will nicht, dass das jetzt schlecht klingt. Aber das Niveau in der Formel 1, was das Umfeld betrifft, ist höher. Es steckt viel mehr Geld darin, es geht mehr ums Geschäft. In der MotoGP dagegen geht es mehr um die Leidenschaft.“ Und das sei durchaus positiv.

Rivola: Manpower und Investitionen in der F1 höher

„Nach 20 Jahren in der ‚anderen Welt‘ muss ich sagen, dass es mir hier ziemlich gut gefällt. Man kann die Leidenschaft im Paddock und auf den Tribünen spüren, und das rund um den Globus, egal wo man ist. Die Begeisterung ist überall vorhanden und das ist doch recht einzigartig im Vergleich zur Formel 1“, findet Rivola.

Die Königsklasse auf vier Rädern sei vor allem geschäftsorientiert und technologiegetrieben. „Marken wie Ferrari und Mercedes pumpen wahnsinnig viel Geld hinein“, weiß der Ex-Formel-1-Mann. „Die Zahl der Ingenieure, die in die Arbeit am Auto eingebunden sind, ist nicht dieselbe wie bei einem MotoGP-Projekt.“

Das mache sich folglich auch im Verhältnis der verschiedenen Hersteller untereinander bemerkbar. Dieses schätzt Rivola in der Formel 1 als angespannter ein. „Die MotoGP-Welt ist in dieser Hinsicht etwas ruhiger. Womöglich war ich derjenige, der diese Ruhe gleich zu Beginn gestört hat. Aber dafür gab es einen Grund.“

In der MotoGP überwiegt die Leidenschaft

Damit spricht Rivola den Protest gegen Ducati zu Beginn der Saison, als er gemeinsam mit drei weiteren Herstellern Beschwerde wegen eines Bauteils am Hinterrad einlegte. Der Fall landete vorm FIM-Berufungsgericht und wurde abgeschmettert.

Nachhaltig vergiftet hat das die Stimmung aber nicht. Rivola bleibt dabei: „Wir (die MotoGP, Anm. d. Red.) liefern mehr eine Show für leidenschaftliche Menschen als für Geschäftsleute“. Das sei auch für ihn ein Grund gewesen, das Lager zu wechseln. „Weil ich Motorräder liebe. Und genau das kann ich hier auch spüren.“

„Was die MotoGP zudem einzigartig macht, ist die Wahrnehmung des Risikos für die Fahrer“, sagt der Aprilia-Rennleiter und schwärmt: „Was diese Jungs auf zwei Rädern veranstalten, ist einfach beeindruckend. Natürlich ist auch das Tempo der Formel 1 unglaublich. Aber man sieht es auf dem TV-Bildschirm nicht so sehr.“